Das Jahr 2025 wird in der Klimageschichte nicht als einzelner Ausreißer stehen, sondern als Verdichtung eines Trends, der sich seit Jahren abzeichnet und nun unübersehbar geworden ist. Wetterextreme traten nicht mehr vereinzelt auf, sie überlagerten sich, verstärkten einander und prägten den Alltag ganzer Regionen. Hitze, Starkregen, Dürren, Brände und Stürme wurden nicht nur häufiger, sondern intensiver, langlebiger und zerstörerischer. Was früher als Jahrhundertereignis galt, wurde 2025 in vielen Teilen der Welt zur wiederkehrenden Erfahrung.
Besonders auffällig war die Dominanz extremer Hitze. Bereits im Frühjahr erreichten Teile Südasiens Temperaturen, die deutlich über den physiologischen Belastungsgrenzen des Menschen lagen. In Indien und Pakistan wurden Werte nahe der 50-Grad-Marke gemessen, noch bevor der eigentliche Sommer begonnen hatte. Millionen Menschen waren gezwungen, ihren Alltag an die Hitze anzupassen oder ganz einzustellen.
Schulen blieben geschlossen, Arbeitszeiten wurden verkürzt, Stromnetze kollabierten unter der Last von Klimaanlagen. Die Zahl hitzebedingter Todesfälle ließ sich vielerorts nur schätzen, da offizielle Statistiken fehlten oder politisch sensibel waren. Klar ist jedoch: Die Hitze traf vor allem jene, die ohnehin am wenigsten geschützt sind – Menschen ohne Zugang zu Kühlung, zu medizinischer Versorgung oder zu stabiler Infrastruktur.
Länder zu wenig vorbereitet
Europa blieb von dieser Entwicklung nicht verschont. Mehrere Hitzewellen überzogen den Kontinent, teils mit ungewöhnlicher Dauer, teils mit neuen Temperaturrekorden. Städte verwandelten sich in Wärmeinseln, in denen selbst die Nächte kaum Abkühlung boten. Altenheime und Krankenhäuser meldeten Überlastung, landwirtschaftliche Erträge litten unter Trockenstress, Flüsse führten Niedrigwasser, was wiederum die Schifffahrt und Industrie beeinträchtigte. Die Hitze wurde so zu einem wirtschaftlichen Faktor, der Produktionsausfälle, steigende Kosten und soziale Spannungen verursachte. Trotz jahrelanger Warnungen zeigte sich erneut, wie unzureichend viele Länder auf extreme Temperaturen vorbereitet sind.
Parallel zur Hitze nahm auch die Zahl extremer Niederschlagsereignisse zu. Wärmere Luft kann mehr Feuchtigkeit aufnehmen, und wenn sie diese entlädt, geschieht das oft in Form von sintflutartigen Regenfällen. In Südafrika führten solche Starkregen zu schweren Überschwemmungen. Flüsse traten über die Ufer, informelle Siedlungen wurden zerstört, Verkehrsverbindungen unterbrochen. Viele Menschen verloren innerhalb weniger Stunden ihr Zuhause. Ähnliche Szenen spielten sich im pazifischen Nordwesten Nordamerikas ab, wo anhaltender Regen zu Hochwasser, Erdrutschen und Notlagen führte. Die Schäden waren enorm, doch mindestens ebenso gravierend war die Erkenntnis, dass bestehende Schutzsysteme den neuen Extremwerten nicht mehr gewachsen sind.
Während Wasser mancherorts im Übermaß vorhanden war, herrschte andernorts extreme Trockenheit. Große Teile des Nahen Ostens und Nordafrikas litten unter anhaltender Dürre. Niederschläge blieben über Monate aus, Böden trockneten aus, Grundwasserspiegel sanken. Die Landwirtschaft, ohnehin stark vom Klimawandel betroffen, geriet weiter unter Druck. Ernteausfälle verschärften die Abhängigkeit von Importen, steigende Lebensmittelpreise trafen besonders arme Haushalte. In einigen Regionen verschärfte die Wasserknappheit bestehende politische und soziale Konflikte, weil Ressourcen neu verteilt oder rationiert werden mussten.
Katastrophale Kombination
Die Kombination aus Hitze und Trockenheit schuf ideale Bedingungen für Wald- und Vegetationsbrände. Im Mittelmeerraum brannten im Sommer riesige Flächen. Feuer griffen auf Siedlungen über, zwangen Zehntausende zur Flucht und zerstörten wertvolle Ökosysteme. Auch Regionen, die bislang weniger mit großflächigen Bränden in Verbindung gebracht wurden, waren betroffen. Die Rauchbelastung verschlechterte die Luftqualität über weite Distanzen hinweg und führte zu gesundheitlichen Problemen weit über die Brandgebiete hinaus. Die Brände machten deutlich, dass sich Risikozonen verschieben und bisherige Erfahrungswerte ihre Gültigkeit verlieren.
Hinzu kamen schwere Stürme und Wirbelstürme, deren Intensität durch ungewöhnlich warme Meeresoberflächen begünstigt wurde. Tropische Systeme erreichten in kurzer Zeit hohe Kategorien und trafen Küstenregionen mit großer Wucht. Häuser wurden zerstört, Strom- und Wasserversorgung brachen zusammen, ganze Landstriche waren zeitweise von der Außenwelt abgeschnitten. Besonders problematisch war die Geschwindigkeit, mit der sich manche Stürme verstärkten, was die Vorwarnzeiten verkürzte und Evakuierungen erschwerte. Auch weiter nördlich gelegene Regionen spürten die Folgen, etwa durch Starkregen und Sturmfluten, die Infrastruktur beschädigten.
Auffällig war zudem die Gleichzeitigkeit der Ereignisse. Während in einer Region Brände wüteten, kämpfte eine andere mit Überschwemmungen, während andernorts Hitze und Dürre anhielten. Diese Überlagerung erschwerte internationale Hilfe und zeigte, dass Extremwetter längst kein regional begrenztes Phänomen mehr ist. Versicherungen verzeichneten weltweit Schäden in dreistelliger Milliardenhöhe, doch viele Verluste blieben unversichert, insbesondere in ärmeren Ländern. Dort bedeuteten zerstörte Häuser und Felder oft den Verlust der gesamten Existenzgrundlage.
Ungleichheiten werden verstärkt
Politisch offenbarte das Jahr 2025 eine gefährliche Diskrepanz zwischen Wissen und Handeln. Die wissenschaftlichen Zusammenhänge zwischen steigenden Treibhausgasemissionen und der Zunahme von Extremwetter sind gut belegt, ebenso die Tatsache, dass jedes weitere Zehntelgrad Erwärmung die Risiken erhöht. Dennoch blieben internationale Fortschritte beim Klimaschutz begrenzt. Nationale Interessen, wirtschaftliche Abhängigkeiten und kurzfristige politische Kalküle verhinderten tiefgreifende Maßnahmen. Anpassungsstrategien wurden zwar diskutiert, doch vielerorts fehlten Finanzierung, Planung und Umsetzung.
Gesellschaftlich verstärkte das Extremwetter bestehende Ungleichheiten. Wohlhabendere Bevölkerungsgruppen konnten sich eher schützen, etwa durch klimatisierte Wohnungen, Versicherungen oder flexible Arbeitsmodelle. Ärmere Menschen hingegen waren häufiger exponiert und hatten weniger Möglichkeiten zur Vorsorge oder Erholung. Das Jahr 2025 machte damit deutlich, dass die Klimakrise nicht nur eine ökologische, sondern auch eine soziale Krise ist, die Fragen von Gerechtigkeit, Verantwortung und Solidarität aufwirft.
In der Gesamtschau war 2025 kein singulärer Ausnahmezustand, sondern ein Vorgeschmack auf eine Zukunft, die bei ungebremstem Klimawandel wahrscheinlicher wird. Die Häufung und Intensität der Wetterextreme zeigen, dass sich das Klimasystem bereits deutlich verändert hat. Die zentrale Frage ist nicht mehr, ob sich das Klima wandelt, sondern wie schnell Gesellschaften bereit sind, darauf zu reagieren – durch konsequenten Klimaschutz, durch vorausschauende Anpassung und durch die Anerkennung, dass Nichthandeln längst teurer ist als entschlossenes Umsteuern.
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