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Tausende Tiere in Not: Influencer fliehen aus Dubai und lassen ihre Haustiere zurück

Der Traum von Dubai war für viele Influencer jahrelang das perfekte Social-Media-Narrativ. Jetzt offenbart sich der wahre Charakter vieler Menschen.

3/14/2026
  • Tiere
  • International
Tausende Tiere in Not: Influencer fliehen aus Dubai und lassen ihre Haustiere zurück

Der Traum von Dubai war für viele Influencer jahrelang das perfekte Social-Media-Narrativ. Sonnige Pools auf Hochhausdächern, Designerhandtaschen im Wüstensand und ein scheinbar endloser Lifestyle zwischen Luxusrestaurants und Privatjets.

Doch mit dem Krieg im Nahen Osten und den iranischen Angriffen auf Ziele in den Vereinigten Arabischen Emiraten zeigt sich plötzlich eine andere Seite dieses Traums: Während zahlreiche Auswanderer und Influencer das Emirat fluchtartig verlassen, bleiben ihre Haustiere zurück – in Tierheimen, auf Straßen oder sogar angebunden an Pfosten. Der Widerspruch zwischen digitaler Inszenierung und realer Verantwortung könnte kaum deutlicher sein.

Ein Luxusparadies mit Schattenseiten

Dubai wurde in den vergangenen Jahren zu einem regelrechten Hotspot für Social-Media-Stars aus Europa. Die Gründe liegen auf der Hand: niedrige Steuern, luxuriöse Infrastruktur und eine internationale Community. Influencer konnten dort ihre Marke ausbauen und gleichzeitig ihren Lifestyle vermarkten. Kritiker warfen dieser Szene jedoch schon lange vor, die Realität auszublenden.

So wurde etwa mehrfach darauf hingewiesen, dass Influencer in Dubai zwar ein glamouröses Leben präsentieren, gleichzeitig aber unter strengen Regeln stehen. Wer dort arbeitet, muss eine Lizenz besitzen und darf politisch heikle Themen nicht öffentlich kritisieren – andernfalls drohen Strafen.
Die Darstellung des Emirats in Social Media blieb deshalb häufig makellos: Sonne, Luxus, Sicherheit. Dass sich geopolitische Konflikte auch auf solche Orte auswirken können, spielte in dieser Erzählung kaum eine Rolle.

Der Krieg holt die Influencer ein

Mit der Eskalation des Konflikts im Nahen Osten und den iranischen Angriffen auf Ziele in den Emiraten änderte sich die Situation abrupt. Raketen und Drohnenangriffe sorgten für Angst unter Expats und Touristen. Viele versuchten, das Land so schnell wie möglich zu verlassen.
Der Exodus war teilweise panisch. Evakuierungsflüge waren schnell ausgebucht, und private Jets erreichten Preise von bis zu 250.000 Dollar.

Doch während Menschen ihre Wohnungen und Jobs zurückließen, traf die Flucht eine Gruppe besonders hart: Haustiere. Tierheime und Tierschutzorganisationen berichten von einem drastischen Anstieg ausgesetzter Tiere. Hunde, Katzen, Kaninchen oder sogar Schildkröten wurden zurückgelassen, weil ihre Besitzer das Land schnell verlassen wollten.

In vielen Fällen wurden Tiere einfach auf der Straße zurückgelassen oder vor Tierheimen abgestellt. Aktivisten berichten von Hunden, die an Pfosten gebunden wurden, und Katzen, die in Kartons vor den Toren von Tierheimen auftauchten.

Überforderte Tierheime

Die Folgen dieser Entwicklung sind dramatisch. Organisationen wie K9 Friends oder Dubai Street Kitties melden, dass sie von Anfragen und Fundtieren regelrecht überflutet werden. Teilweise seien Tiere sogar eingeschläfert worden, weil ihre Besitzer keine Möglichkeit sahen, sie mitzunehmen oder unterzubringen.

In manchen Fällen fanden Helfer sogar kleine Entschuldigungsbriefe neben den Tieren – eine tragische Geste, die wenig daran ändert, dass viele der zurückgelassenen Tiere kaum Überlebenschancen haben.

Dabei weisen Tierschützer darauf hin, dass es durchaus Alternativen gegeben hätte: Tierpensionen, Transportservices oder Pflegeplätze. Auch rechtlich ist das Aussetzen von Haustieren in den Vereinigten Arabischen Emiraten verboten und kann mit hohen Geldstrafen geahndet werden.

Die moralische Dimension

Natürlich befinden sich viele Menschen in einer schwierigen Situation. Wenn ein Krieg ausbricht oder Raketen einschlagen, steht zunächst die eigene Sicherheit im Vordergrund. Doch gerade Influencer stehen besonders im Fokus der Kritik. Schließlich leben sie davon, ihr Privatleben öffentlich zu inszenieren – inklusive ihrer Haustiere. Hunde und Katzen werden in Instagram-Stories als Familienmitglieder präsentiert, posieren neben Luxusautos oder begleiten ihre Besitzer in stylischen Cafés.

Wenn diese Tiere in Krisensituationen plötzlich zurückgelassen werden, wirkt die Inszenierung rückblickend wie ein reines Accessoire des Lifestyle-Marketings. Ein Beispiel für die öffentliche Empörung zeigte sich kürzlich in sozialen Medien, nachdem eine Influencerin kritisiert wurde, ihren Hund zurückgelassen zu haben, weil der Transport „zu viel Papierkram“ erfordere. Der Vorfall löste eine Welle der Kritik aus und führte zu heftigen Debatten über Verantwortung gegenüber Haustieren.

Influencer und das Imageproblem

Der Skandal um zurückgelassene Haustiere verstärkt ein ohnehin bestehendes Imageproblem der Influencer-Szene in Dubai. Schon zuvor wurde vielen Content-Creators vorgeworfen, den Ort vor allem aus finanziellen Gründen gewählt zu haben – etwa wegen der steuerlichen Vorteile.
Satiriker und Medienkritiker haben wiederholt darauf hingewiesen, dass Influencer in Dubai zwar ein globales Publikum bedienen, gleichzeitig aber von einem System profitieren, das öffentliche Kritik und politische Diskussionen einschränkt. Die aktuelle Krise legt nun eine weitere Dimension offen: die Frage nach Verantwortung.

Wer Millionen Follower hat und täglich Einblicke in sein Leben gewährt, steht auch moralisch stärker im Rampenlicht. Wenn Influencer Haustiere als Teil ihres Markenimages nutzen, wird erwartet, dass sie diese Verantwortung ernst nehmen – auch in Krisenzeiten.

Haustiere als „Kollateralschaden“

Tierschützer sprechen inzwischen von den „unsichtbaren Opfern“ des Konflikts. Tausende Tiere könnten in den kommenden Wochen ohne Versorgung bleiben. Die Situation verdeutlicht ein strukturelles Problem: Haustiere werden in vielen Lifestyle-Narrativen als emotionales Symbol genutzt – als Ausdruck von Fürsorge, Familie und Authentizität.

Doch in der Realität können sie schnell zum Problem werden, wenn das Leben nicht mehr perfekt inszenierbar ist. Ein Hund passt nicht in ein überfülltes Evakuierungsflugzeug. Eine Katze lässt sich nicht spontan durch eine Landesgrenze transportieren. Und so zeigt sich in der Krise, wie dünn die Grenze zwischen Lifestyle und Verantwortung tatsächlich ist.

Der Zusammenbruch eines Narrativs

Der Traum von Dubai war lange eine Geschichte von Erfolg, Freiheit und Reichtum. Influencer inszenierten das Emirat als Ort, an dem alles möglich ist: mehr Geld, mehr Sonne, mehr Luxus.

Doch der Krieg hat diese Erzählung ins Wanken gebracht. Plötzlich stehen nicht mehr Pools und Penthouse-Terrassen im Mittelpunkt, sondern Sirenen, Evakuierungsflüge und verlassene Tiere. Die Bilder von Hunden an Laternenpfählen oder Katzen in Kartons passen nicht zu den perfekten Instagram-Feeds. Vielleicht ist genau das der Grund, warum sie so viel Aufmerksamkeit erzeugen: Sie zeigen eine Realität, die lange hinter Filtern und Hashtags verborgen blieb.

Verantwortung in Zeiten der Krise

Die aktuelle Situation wirft eine grundlegende Frage auf: Welche Verantwortung tragen Influencer gegenüber den Menschen – und Tieren – in ihrem Umfeld? Haustiere sind keine Lifestyle-Accessoires. Sie sind Lebewesen, die von ihren Besitzern abhängig sind.

Die Krise in Dubai zeigt, wie schnell die glitzernde Fassade sozialer Medien bröckeln kann, wenn Realität und Inszenierung aufeinanderprallen. Und vielleicht bleibt am Ende eine bittere Erkenntnis: Wer sein Leben öffentlich zur Marke macht, kann sich nicht aussuchen, welche Teile davon wirklich zählen. Manchmal sind es gerade die Momente abseits der Kameras, die den wahren Charakter einer Geschichte zeigen.

Mehr Infos dazu etwa hier beim britischen GUARDIAN.


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