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Verbot von Haustierabschüssen nach Erschießung von „Cooper“ & „Bailey“ gefordert

Was wie ein Alptraum klingt, ist bittere Realität in Österreich: Haustiere – geliebte Familienmitglieder, treue Begleiter, Gefährten in Einsamkeit und Alltag – werden weiterhin legal von Jägern erschossen.

2/3/2026
  • Tiere
  • Österreich
Verbot von Haustierabschüssen nach Erschießung von „Cooper“ & „Bailey“ gefordert
Tierschutz Austria
Hund Bailey wurde erschossen

Das Wichtigste zuerst: Die Petition kann man hier unterzeichnen.

Was wie ein Alptraum klingt, ist bittere Realität in Österreich: Haustiere – geliebte Familienmitglieder, treue Begleiter, Gefährten in Einsamkeit und Alltag – werden weiterhin legal von Jägern erschossen. Und zwar nicht irgendwo fernab im Wald, sondern auf rund 98 Prozent der Landesfläche, von Wiesen über Felder bis in die Nähe menschlicher Siedlungen. In Windeseile haben mehr als 10.000 Haustierbesitzer:innen eine Petition gegen den sogenannten „Haustierabschuss“ unterschrieben – ein Rekordstart, der lauter ist als jeder Knall aus dem Lauf.

Der Auslöser: Cooper und Bailey. Zwei Hunde, zwei Erschießungen – und ein politischer Eklat. Cooper, ein Bordercollie aus Oberösterreich, wurde Ende Dezember trotz neonfarbener Warnweste erschossen – am helllichten Tag, wenige Meter neben seinem Besitzer. Kurze Zeit später traf es Bailey, einen Australian-Shepherd-Husky-Mix, 17 Meter vom Hochsitz entfernt. Auch sie trug Warnkleidung. Die Begründung der Schützen: Man habe die Tiere für Füchse gehalten. Ein Satz wie aus einer absurden Groteske – und doch Realität im österreichischen Jagdrecht.

„Wenn Hunde mit Warnwesten oder neonfarbenem Geschirr mit Füchsen verwechselt werden, haben wir ein massives Sicherheitsproblem“, sagt Michaela Lehner, Leiterin der Stabstelle Recht bei Tierschutz Austria. „Das sind keine tragischen Einzelfälle mehr – das ist das Ergebnis eines Jagdrechts, das Haustiere nicht schützt.“

Völlig legale Abschüsse

Was absurd klingt, ist juristische Wahrheit: Nach aktuellem Jagdrecht dürfen Hunde und Katzen unter bestimmten Voraussetzungen legal getötet werden, wenn sie beispielsweise „wildernd“ angetroffen werden oder sich außerhalb der Rufweite ihres Halters befinden. Je nach Bundesland sind die Kriterien unterschiedlich, aber durchwegs weitreichend. In Niederösterreich können Jäger:innen in gewissen Fällen sogar verpflichtet sein, freilaufende Hunde zu erschießen, in Oberösterreich und Tirol dürfen Tiere sogar nach dem Fang in Lebendfallen getötet werden, und in der Steiermark variiert die Tötungsgenehmigung je nach Saison und vagen gesetzgeberischen Formulierungen.

Und was sagt die österreichische Gesellschaft dazu? In einer Zeit, in der Haustiere längst als Teil der Familie gelten – Katzen und Hunde sind zentrale emotional-soziale Begleiter in fast jedem zweiten Haushalt – wirkt das Gesetz wie ein Relikt vergangener Zeiten. Rund 45 Prozent aller österreichischen Haushalte halten mindestens ein Haustier, die Zahl der Tiere wächst seit Jahren, und immer mehr Menschen geben für Pflege, Futter, Tierarzt und Dienstleistungen immense Summen aus.

Das aktuell vorgelegte Rechtsgutachten von Univ.-Prof. Dr.in Erika Wagner (2025) nennt die Praxis des Haustierabschusses verfassungswidrig, unverhältnismäßig und ethisch nicht vertretbar. Die Jagdgesetze stammten aus Zeiten, in denen es kaum Haustiere gab, und widersprächen dem heutigen Mensch-Tier-Verhältnis fundamental. Besonders brisant: Jagdhunde sind rechtlich geschützt – Familienhunde hingegen nicht. Eine Ungleichbehandlung, die viele als absurd empfinden.

Zentrale Forderungen

Deshalb lautet die zentrale Forderung der Petition klar und deutlich: Ein ausdrückliches österreichweites Verbot des Haustierabschusses. Doch das ist nicht alles. Die Initiator:innen verlangen auch:

·      Psychologische Eignungstests für Jagdscheininhaber:innen
·      Ein Alkoholverbot während der Jagd inklusive verbindlicher Alkoholtests
·      Sofortiger Entzug von Jagd- und Waffenkarte bei Verstößen

Kritiker:innen merken an, dass während andere Waffenbesitzer:innen seit der Novelle des Waffengesetzes 2025 verpflichtende psychologische Tests ablegen müssen, Jäger:innen hiervon weiterhin ausgenommen sind – trotz des Faktums, dass sie mit scharfen Waffen über weite Gebiete hinweg agieren. Was viele Außenstehende schockiert: Bis zu 30.000 Hunde und Katzen sollen jährlich in Österreich von Jägern erschossen werden. Diese Zahl ist zwar nicht offiziell statistisch erfasst, wird aber aus Hochrechnungen und Expertenmeinungen geschätzt und sorgt seit Jahren bei Tierschützer:innen für Alarm.

Für Tierhalter:innen, deren Lieblinge frei laufen dürfen, ist das tägliche Risiko plötzlich Realität: Ein Spaziergang am Feldrand kann lebensgefährlich werden – nicht wegen des Straßenverkehrs, nicht wegen wilder Tiere, sondern durch gesetzlich legitimierte Schüsse. Haustiere im Freilauf sind somit ständig einem generalverdacht des Wilderns ausgesetzt, der ihnen das Leben kosten kann.

Politik gespalten

Reaktionen aus Politik und Gesellschaft fallen gespalten aus: Während Tierschutzverbände und zahlreiche Bürger:innen vehement eine radikale Reform fordern, sehen traditionelle Jagdverbände die bestehenden Regelungen als notwendig an, um Wildtiere vor vermeintlicher Störung zu schützen. Sie argumentieren, dass Hunde, die Wild aufscheuchen, Schaden anrichten könnten. Diese Argumentation wird von Gegnern als zynisch zurückgewiesen, weil sie die emotionale Bindung, den Wert des Lebens und den modernen Stellenwert von Haustieren in der Gesellschaft ignoriert.

Rechtlich gesehen ist das Problem jedoch nicht nur ein Jagdgesetz-Problem: Es ist ein Ethik- und Menschenbild-Problem. Österreich hat zwar mit dem Tierschutzgesetz (2004) eines der fortschrittlichsten Tierschutzgesetze Europas – mit dem Ziel, Schmerz, Leid und Schäden für Tiere zu minimieren –, doch diese Grundsätze prallen im jagdrechtlichen Alltag auf jahrhundertealte Normen. Diese sehen vor, dass Tiere, die nicht eindeutig juristisch als „Menschen“ oder als jagdbares Wild gelten, im Zweifel dem Schutz wildlebender Arten untergeordnet werden.

Tatsächlich widerspricht die aktuelle Rechtslage dem Selbstverständnis vieler Österreicher:innen: Haustiere gelten zunehmend als Familienmitglieder, nicht als bloße Objekte oder potenzielle „Wilderer“. Sozialpsychologisch betrachtet ist die Identifikation mit Hunden und Katzen in den letzten Jahrzehnten exponentiell gestiegen, nicht zuletzt durch gemeinsame Lebenszeit, emotionale Bindung, aber auch durch die wirtschaftliche Bedeutung der Haustierwirtschaft, die mittlerweile Milliarden an Umsatz generiert.

Petition nimmt Fahrt auf

Die Petition „Haustierabschuss stoppen – JETZT!“ hat in weniger als einer Woche über 10.000 Unterschriften gesammelt – und die Zahl steigt weiter. Das Signal ist eindeutig: Österreich steht vor einem juristischen und gesellschaftlichen Wendepunkt. Die Politik ist nun gefragt. Kann der Gesetzgeber dem Druck standhalten, der von Haustierbesitzer:innen, Tierschützer:innen und einem breiten gesellschaftlichen Konsens ausgeht? Oder kippt das Land seine jahrhundertealten Rechtsnormen zugunsten eines modernen, zivilisierten Verständnisses vom Schutz des Lebens – egal ob Mensch, Hund oder Katze?

Eines ist sicher: Für Cooper, Bailey und die vielen anderen Opfer bleibt die Petition mehr als ein Protest – sie ist ein Weckruf. Ein Signal an eine Nation, die längst nicht mehr bereit ist, die Waffenfreiheit über Lebensschutz zu stellen. Die Petition kann man hier unterzeichnen.


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