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Unser Geld für ihren Grund: Wie der "Adel" mit Steuergeld-Millionen gefördert wird

Kaum ein Beispiel verdeutlicht diese Schieflage so klar wie die Gutsverwaltung Hardegg.

1/31/2026
  • Ernährung
  • Landwirtschaft
  • Österreich
Unser Geld für ihren Grund: Wie der "Adel" mit Steuergeld-Millionen gefördert wird

Agrarsubventionen gelten offiziell als Rückgrat der europäischen und österreichischen Landwirtschaftspolitik. Sie sollen bäuerliche Existenzen sichern, die Lebensmittelversorgung garantieren und ökologische Leistungen abgelten. Doch ein genauer Blick auf die Verteilung der Gelder zeigt ein anderes Bild: Ein erheblicher Teil der Subventionen landet nicht bei kleinen oder mittleren Familienbetrieben, sondern bei großen Agrarbetrieben, institutionellen Empfängern und historisch gewachsenen Großgrundbesitzen. Kaum ein Beispiel verdeutlicht diese Schieflage so klar wie die Gutsverwaltung Hardegg.

Ein Subventionssystem mit Schlagseite

Österreich erhält jährlich rund 1,8 bis 2 Milliarden Euro an Agrarförderungen aus der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) der EU sowie aus nationalen Mitteln. Diese Gelder fließen in Direktzahlungen pro Hektar, Umweltprogramme, Investitionsförderungen und Ausgleichszahlungen für benachteiligte Regionen. Formal profitieren davon über 100.000 Betriebe. In der Realität jedoch konzentriert sich ein großer Teil der Mittel auf vergleichsweise wenige Empfänger.

Das Grundproblem liegt im System selbst: Der größte Teil der Direktzahlungen wird flächenbezogen vergeben. Wer viel Land besitzt oder bewirtschaftet, erhält automatisch hohe Summen – unabhängig davon, wie arbeitsintensiv, ökologisch oder sozial relevant der Betrieb ist. Diese Logik begünstigt Großbetriebe strukturell und benachteiligt kleinere Höfe, die oft mit weniger Fläche, aber höherem Arbeitsaufwand wirtschaften.

Hardegg: Ein Musterbeispiel für strukturelle Bevorzugung

Die Gutsverwaltung Hardegg zählt zu den größten landwirtschaftlichen Betrieben Österreichs. Der Besitz, der historisch mit dem abgeschafften Adel verbunden ist, umfasst mehrere tausend Hektar land- und forstwirtschaftliche Flächen im niederösterreichischen Weinviertel. Neben Ackerbau und Forstwirtschaft betreibt Hardegg auch Weinbau und Jagdwirtschaft. Wirtschaftlich handelt es sich um einen hoch professionalisierten Großbetrieb mit entsprechendem Verwaltungsapparat.

Gerade diese Größe macht Hardegg zu einem der größten Empfänger von Agrarsubventionen in Österreich. Über Jahre hinweg flossen dem Betrieb Fördergelder in Millionenhöhe zu – vor allem aus flächenbezogenen Direktzahlungen. Die genaue Jahressumme schwankt, liegt aber regelmäßig deutlich über dem, was ein durchschnittlicher Familienbetrieb im gesamten Berufsleben an Förderungen erhält.

Kritiker sehen darin ein Paradebeispiel für die Fehlsteuerung der Agrarpolitik. Während kleine Betriebe oft um jeden Euro kämpfen und Förderanträge mit erheblichem bürokratischem Aufwand verbunden sind, profitieren Großgrundbesitze wie Hardegg nahezu automatisch von ihrer Flächenausstattung. Die Subventionen wirken hier weniger als soziale Absicherung, sondern eher als staatlich garantierte Rendite auf Grundbesitz.

Historische Besitzverhältnisse, moderne Subventionen

Besonders brisant ist der Fall Hardegg, weil er zeigt, wie historische Besitzverhältnisse durch moderne Subventionssysteme weiter verfestigt werden. Land, das über Generationen akkumuliert wurde, generiert heute Jahr für Jahr öffentliche Zahlungen. Diese Zahlungen sind rechtlich legitim, politisch gewollt – aber gesellschaftlich zunehmend umstritten.

Während kleine Betriebe aufgeben müssen, weil sie mit steigenden Kosten und niedrigen Erzeugerpreisen kämpfen, sichern sich Großbetriebe wie Hardegg stabile Einnahmen aus öffentlichen Mitteln. Das verstärkt die Konzentration von Land und Kapital und erschwert jungen Landwirten den Einstieg in die Branche.

Weitere Großempfänger: Verwaltung statt Bewirtschaftung

Ein Blick auf die Listen der größten Empfänger offenbart ein weiteres strukturelles Problem: Zu den nominell größten Beziehern von Agrargeldern zählt regelmäßig auch die Agrarmarkt Austria. Sie erhält jährlich hohe zweistellige Millionenbeträge aus EU-Mitteln – nicht zur eigenen landwirtschaftlichen Produktion, sondern zur Abwicklung und Weiterverteilung der Förderungen.

Zwar handelt es sich dabei formal um einen technischen Effekt der Zahlungsabwicklung, doch in der öffentlichen Wahrnehmung verstärkt dies den Eindruck eines intransparenten Systems, das für Außenstehende kaum nachvollziehbar ist. Für Bürgerinnen und Bürger bleibt oft unklar, wer tatsächlich wie viel Geld erhält und wofür.

Kleine Betriebe am Rand des Systems

Demgegenüber stehen zehntausende kleine und mittlere Betriebe, für die Agrarsubventionen zwar existenziell wichtig sind, deren absolute Beträge jedoch vergleichsweise gering ausfallen. Viele dieser Betriebe erhalten nur wenige tausend Euro pro Jahr – Summen, die kaum ausreichen, um steigende Produktionskosten oder Einkommensverluste auszugleichen.

Besonders paradox: Gerade jene Betriebe, die besonders arbeitsintensiv wirtschaften, regionale Versorgung sichern oder ökologische Leistungen erbringen, profitieren oft weniger als großflächige, stark mechanisierte Betriebe. Das gilt insbesondere für Bergbauernhöfe oder kleinstrukturierte Mischbetriebe, die zwar gesellschaftlich hoch geschätzt, im Fördersystem aber strukturell benachteiligt sind.

Kritik von Wissenschaft und Zivilgesellschaft

Agrarökonomen, Umweltorganisationen und Rechnungshöfe kritisieren seit Jahren, dass das österreichische Subventionssystem zu wenig treffsicher ist. Die flächenbezogenen Direktzahlungen würden kaum ökologische Anreize setzen und soziale Ziele verfehlen. Der Fall Hardegg wird dabei immer wieder als Symbol für eine Politik genannt, die Besitz belohnt statt Leistung.

Zwar wurden mit der jüngsten Reform der GAP sogenannte „Eco-Schemes“ eingeführt, doch auch diese ändern wenig an der Grundlogik des Systems. Große Betriebe können ökologische Maßnahmen oft leichter umsetzen, weil sie über mehr Kapital und Verwaltungskapazitäten verfügen – und erhalten damit zusätzlich zu den Basiszahlungen weitere Fördergelder.

Transparenz als ungelöstes Problem

Ein weiteres Problem ist die mangelhafte Transparenz. Zwar existieren öffentliche Datenbanken, in denen Empfänger von Agrarsubventionen gelistet sind, doch diese sind für Laien schwer verständlich und oft nur begrenzt auswertbar. Die exakten Summen einzelner Großbetriebe lassen sich meist nur mit erheblichem Rechercheaufwand rekonstruieren.

Gerade im Fall Hardegg zeigt sich, wie wichtig Transparenz wäre: Die öffentliche Debatte entzündet sich weniger an der Legalität der Zahlungen als an ihrer Legitimität. Viele Bürger fragen sich, warum ein historischer Großgrundbesitz Jahr für Jahr Millionen aus Steuergeldern erhält, während gleichzeitig bäuerliche Existenzen verschwinden.

Politische Verantwortung und Reformbedarf

Politisch ist das Thema heikel. Agrarsubventionen sind tief in europäische und nationale Machtstrukturen eingebettet. Große Betriebe verfügen über starken Lobbyeinfluss, während kleine Betriebe oft kaum Gehör finden. In Österreich kommt hinzu, dass die Landwirtschaft traditionell eine wichtige politische Rolle spielt.

Reformvorschläge liegen seit Jahren auf dem Tisch: eine konsequente Deckelung der Direktzahlungen pro Betrieb, eine stärkere Umverteilung zugunsten kleiner Höfe, mehr Mittel für ökologische und soziale Leistungen. Doch bisher wurden diese Vorschläge nur halbherzig umgesetzt. Großbetriebe wie Hardegg bleiben davon weitgehend unberührt.

Ein System, das Ungleichheit verstärkt

Der Fall Hardegg ist kein Einzelfall, sondern Ausdruck eines strukturellen Problems. Agrarsubventionen, die ursprünglich zur Stabilisierung bäuerlicher Einkommen gedacht waren, tragen heute zur Verfestigung von Ungleichheit bei. Öffentliche Gelder fließen dorthin, wo bereits viel vorhanden ist – Land, Kapital, Einfluss.

Für die Zukunft der österreichischen Landwirtschaft stellt sich daher eine grundsätzliche Frage: Soll das Subventionssystem weiterhin Besitz belohnen, oder soll es gezielt jene unterstützen, die tatsächlich zur regionalen Versorgung, zur Biodiversität und zum sozialen Gefüge des ländlichen Raums beitragen?

Fazit

Die größten Bezieher von Agrarsubventionen in Österreich sind nicht jene, die am stärksten unter wirtschaftlichem Druck stehen. Sie sind dort zu finden, wo große Flächen, historischer Besitz und professionelle Strukturen zusammentreffen. Die Gutsverwaltung Hardegg steht exemplarisch für ein System, das rechtlich korrekt funktioniert, politisch aber immer schwerer zu rechtfertigen ist.

Solange die Verteilung der Agrargelder nicht grundlegend reformiert wird, bleibt der Eindruck bestehen, dass öffentliche Milliarden weniger der Landwirtschaft als Ganzes dienen – sondern vor allem jenen, die ohnehin zu den Stärksten im System gehören.


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