In der kalten Jahreszeit ist die Fütterung von Wildvögeln in Gärten, Parks oder am Balkon für viele Naturfreundinnen und -freunde ein gern geübter Brauch. Doch gerade in Zeiten des Artenrückgangs und zunehmender Umweltbelastungen stellt sich die Frage, wie sinnvoll diese Praxis tatsächlich ist – und vor allem: ob das angebotene Vogelfutter seiner Aufgabe gerecht wird. Eine aktuelle Untersuchung der Arbeiterkammer Oberösterreich (AK OÖ) in Kooperation mit Die Umweltberatung legt nahe, dass zumindest die Qualität vieler handelsüblicher Futtermischungen weit hinter den Erwartungen zurückbleibt.
Im Jänner 2026 veröffentlichten AK und Umweltberatung einen Test von zehn im Handel erhältlichen Vogelfutterprodukten aus Super- und Baumärkten sowie dem Tierfachhandel. Ziel der Analyse war es, die Zusammensetzung, Herkunft und Schadstoffbelastung der Mischungen zu bewerten – und zu prüfen, welche Produkte Wildvögeln tatsächlich sinnvoll Energie liefern.
Auf die Qualität kommts an
Ein zentrales Qualitätskriterium ist der Anteil energiereicher Ölsaaten in der Mischung. Sonnenblumenkerne, Hanfsaat und ähnliche Ölsaaten liefern hohen Energiegehalt, der insbesondere in kalten Monaten für Wildvögel lebenswichtig ist. Eine Mischung gilt als hochwertig, wenn sie etwa 80 Prozent Ölsaaten enthält. Doch im aktuellen Test erfüllten nur zwei Produkte dieses Kriterium. Die Mehrheit der getesteten Futtermischungen bestand stattdessen überwiegend aus billigem Getreide – oft über 50 Prozent Weizen, der nicht nur weniger Energie liefert, sondern von Vögeln häufig liegen gelassen wird.
Die Qualität der Zusammensetzung hat Folgen für das Tierwohl, denn gerade während des Winters müssen sich Vögel auf energiereiche Nahrung verlassen können. Verbleibt das Angebot zu lange ungenutzt, verpufft nicht nur der Nutzen für die Vögel, sondern die Attraktivität für den Fütternden sinkt. Dass allein das Etikett „Vogelfutter“ hier oft nicht weiterhilft, zeigt sich auch daran, dass teure Produkte nicht automatisch qualitativ besser abschneiden als günstigere Mischungen.
Neben dem Nährwert befasste sich der Test auch mit chemischen Kontaminanten. In vier von zehn Proben wurden Rückstände von Pflanzenschutzmitteln nachgewiesen – etwa Deltamethrin, Pirimiphosmethyl oder Chlorpyrifos – überwiegend knapp unter den gesetzlichen EU-Grenzwerten für Lebensmittel. Zwar erfüllen die getesteten Produkte formal die geltenden gesetzlichen Vorgaben, doch gerade im Kontext von Wildvogelfütterung wirft selbst eine geringe Belastung Fragen hinsichtlich der Rohstoffqualität und der Standards in der Lieferkette auf.
Woher stammen die Inhalte?
Ein weiteres Ergebnis der Untersuchung betrifft die Herkunft der Inhaltsstoffe: Nur ein Produkt bestand vollständig aus österreichischen Rohstoffen; die meisten Futtermischungen enthielten Zutaten aus anderen EU-Ländern oder Drittstaaten. Für Konsumentinnen und Konsumenten, die Wert auf ökologische Nachhaltigkeit und kurze Transportwege legen, sind transparente Herkunftsangaben zunehmend ein Kriterium bei der Produktauswahl – ein Faktor, der auch im Bereich anderer Tiernahrungsmittel zunehmend wichtig wird.
Im Ergebnis erhielten nur zwei Produkte im Test das Prädikat „sehr empfehlenswert“, ein weiteres Produkt wurde als „empfehlenswert“ bewertet; fünf Mischungen fielen durch. Diese Ergebnisse spiegeln nicht nur die ungleichmäßige Qualität der Angebote wider, sondern werfen grundsätzliche Fragen zur Markttransparenz auf: Wie können Käuferinnen und Käufer zuverlässige Informationen über die Qualität und Zusammensetzung der Produkte erhalten, wenn selbst grundlegende Angaben wie Energiegehalt oder Herkunft oft unvollständig sind?
Die Bedeutung dieser Fragen geht über eine reine Produktbewertung hinaus. Vogelfütterung ist in vielen Kulturkreisen ein Ausdruck aktiver Naturpflege. Wissenschaftliche Studien zeigen, dass Supplementierung durch Menschen potenziell positive Effekte auf die Vogelgesundheit haben kann, indem sie etwa den körperlichen Zustand verbessert und Stress reduziert – allerdings nur, wenn das Futter qualitativ hochwertig und hygienisch einwandfrei ist. Gleichzeitig können sich erhöhte Vogelkonzentrationen an Futterstellen negativ auf die Krankheitsübertragung auswirken und Risiken für die Populationen bergen.
Riesiger globaler Markt
Der internationale Markt für Vogelfutter ist kein Randphänomen: Laut Branchenanalysen wird der globale Markt 2025 auf etwa 6,3 Milliarden US-Dollar geschätzt mit weiterem Wachstum erwartet bis 2030. Die Nachfrage nach Wildvogelfutter und Futtermischungen für Heimvögel treibt diesen Markt, zugleich wachsen Trends wie Premiumisierung und Nachhaltigkeitsfokus. Hersteller investieren zunehmend in transparente Lieferketten, alternative Proteinquellen und nachhaltige Rohstoffe – Entwicklungen, die sich mittelfristig auch auf die Qualität von Wildvogelfutter auswirken dürften.
Vor diesem Hintergrund lässt sich der AK-Test sowohl als Konsumentenwarnung als auch als Aufruf zur Verbesserung von Standards lesen. Billige Füllstoffe wie Weizen ersetzen zwar formal Energiequellen, erfüllen aber nicht die Bedürfnisse vieler Wildvogelarten. Zugleich zeigt die Untersuchung: Preis und Verpackung sagen wenig über die tatsächliche Qualität aus. Verbraucherinnen und Verbraucher sowie Naturschutzorganisationen können durch gezielte Nachfrage nach klarer Kennzeichnung, Herkunftsangaben und energiereichen Inhaltsstoffen dazu beitragen, dass der Markt besser reguliert wird – etwa durch umfassendere Deklarationspflichten oder freiwillige Gütesiegel.
Letztlich geht es bei der Vogelfütterung nicht nur um einen saisonalen Brauch, sondern um eine ernsthafte Auseinandersetzung mit Tierwohl, Umweltbewusstsein und Nachhaltigkeit. Testreihen wie die der Arbeiterkammer schaffen Transparenz und liefern Verbraucherinnen und Verbrauchern die Grundlage, Konsumentscheidungen bewusst zu treffen – und damit einen Beitrag zur Förderung von Artenvielfalt und zur Verbesserung von Standards in einem wachsenden Wirtschaftszweig.
In eigener Sache: Wir arbeiten unabhängig von Parteien und Konzernen. Um unseren Fortbestand zu sichern, sind wir auf Abonnent*innen angewiesen. Bitte schließen Sie jetzt ein Abo ab und ermöglichen Sie damit unsere Berichterstattung. Danke!






