Österreich ist ein Waldland, und dennoch wird in den Regalen der heimischen Baumärkte ein Bild vermittelt, das mit dieser Realität kaum noch etwas zu tun hat. Wer heute Brennholz kauft, greift in den allermeisten Fällen nicht zu regional erzeugtem Holz, sondern zu Importware aus dem Ausland. Eine aktuelle, detaillierte Erhebung macht deutlich, wie konsequent diese Entwicklung bereits vorangetrieben wurde.
In insgesamt 16 untersuchten Baumärkten in der Steiermark zeigte sich ein durchgängiges und alarmierendes Ergebnis: Kein einziger Markt führte heimisches Brennholz. Sämtliche angebotenen Produkte stammten aus dem Ausland, vorwiegend aus osteuropäischen Ländern und vom Balkan. Damit ist die regionale Herkunft nicht nur zur Ausnahme geworden, sie ist faktisch verschwunden.
Besonders brisant ist dabei, dass diese Importware fast ausschließlich über zentrale Lieferanten bezogen wird. Die einzelnen Baumärkte kaufen das Brennholz nicht direkt ein, sondern übernehmen Ware aus konzernweiten Beschaffungssystemen. Für Kundinnen und Kunden bedeutet das: Die tatsächliche Herkunft bleibt oft vage, regionale Unterschiede werden nivelliert, und eine bewusste Kaufentscheidung zugunsten heimischer Produzenten ist praktisch unmöglich. Die Erhebung zeigt damit nicht nur ein Angebotsproblem, sondern ein strukturelles Versagen des Handels, der Regionalität systematisch ausschließt.
Qualität sehr schlecht
Noch deutlicher wird die Problematik bei einem Blick auf die Qualität des angebotenen Brennholzes. Die Untersuchung ergab, dass ein erheblicher Teil der im Baumarkt erhältlichen Ware für den sofortigen Heizeinsatz ungeeignet ist. Der gemessene Feuchtigkeitsgehalt lag in vielen Fällen deutlich über dem empfohlenen Wert, der für effizientes und emissionsarmes Heizen notwendig wäre. Statt trockenem, sofort nutzbarem Holz wird den Konsumentinnen und Konsumenten vielfach Brennholz angeboten, das erst über Monate nachgetrocknet werden müsste. Damit wird ein Produkt verkauft, das seinem eigentlichen Zweck nicht gerecht wird, ohne dass dies transparent kommuniziert wird.
Diese Ergebnisse sind kein Zufall, sondern direkte Folge der Importstrategie. Holz, das über lange Strecken transportiert wird, wird häufig nicht ausreichend gelagert oder unter optimalen Bedingungen getrocknet, weil Zeit und Kosten eingespart werden sollen. Das Resultat ist minderwertige Ware, die zwar billig eingekauft, aber ineffizient verheizt wird. Für Verbraucher bedeutet das mehr Holzverbrauch, höhere Emissionen, stärkere Belastung der Heizsysteme und letztlich höhere Kosten. Die Erhebung macht damit klar, dass Import-Brennholz nicht nur ein ökologisches, sondern auch ein handfestes Qualitätsproblem darstellt.
Gravierende ökologische Folgen
Besonders widersinnig ist diese Entwicklung angesichts der Situation in der heimischen Forstwirtschaft. In der Steiermark und in ganz Österreich gäbe es ausreichend Holz, das nachhaltig geschlagen, regional verarbeitet und fachgerecht getrocknet werden könnte. Waldbesitzerinnen und Waldbesitzer sind bereit, diese Nachfrage zu bedienen, stoßen jedoch auf verschlossene Türen. Die Ergebnisse der Erhebung zeigen, dass regionale Anbieter in den großen Handelsketten schlicht nicht vorgesehen sind. Die Entscheidung gegen heimisches Brennholz ist damit keine Frage der Verfügbarkeit, sondern eine bewusste wirtschaftliche Entscheidung zugunsten billiger Importware.
Die ökologischen Konsequenzen dieser Praxis sind gravierend. Brennholz wird oft als klimafreundlicher Energieträger dargestellt, doch die Erhebung entlarvt diese Darstellung als unvollständig. Holz, das über hunderte oder tausende Kilometer transportiert wird, verliert seinen ökologischen Vorteil. Der zusätzliche Transportaufwand, die intransparenten Lieferketten und die mangelhafte Qualität konterkarieren jedes Argument der Nachhaltigkeit. Statt regionaler Kreisläufe entstehen globale Warenströme, deren ökologische Kosten ausgelagert und unsichtbar gemacht werden.
Hinzu kommt das Risiko für die heimischen Wälder. Importiertes Brennholz kann Schädlinge oder Krankheiten einschleppen, die in Österreich bislang keine Rolle gespielt haben. Die Erhebung zeigt, dass Herkunft und Verarbeitung oft nicht ausreichend nachvollziehbar sind. Damit wird nicht nur der Konsument getäuscht, sondern auch ein Risiko für die heimische Forstwirtschaft in Kauf genommen, das langfristige Schäden verursachen kann.
Ein systematisches Problem
Die detaillierten Ergebnisse machen deutlich, dass es sich beim Import-Brennholz nicht um eine Randerscheinung handelt, sondern um ein systemisches Problem. Große Handelsketten haben sich bewusst von regionalen Strukturen verabschiedet und setzen auf anonyme Massenware aus dem Ausland. Diese Entscheidung schwächt regionale Wirtschaftskreisläufe, verschlechtert die Qualität der Produkte und steht im offenen Widerspruch zu allen Bekenntnissen zu Klimaschutz und Nachhaltigkeit.
Dass in einem waldreichen Bundesland wie der Steiermark kein einziger Baumarkt heimisches Brennholz anbietet, ist mehr als ein Marktversagen. Es ist ein politisches und wirtschaftliches Alarmsignal. Die Ergebnisse der Erhebung zeigen unmissverständlich, dass ohne klare Vorgaben, verbindliche Herkunftskennzeichnung und eine aktive Förderung regionaler Anbieter die heimische Forstwirtschaft weiter an den Rand gedrängt wird. Importiertes Brennholz mag kurzfristig billiger erscheinen, doch es ist teuer erkauft – mit Umweltbelastung, Qualitätsverlust und dem schleichenden Verlust regionaler Wertschöpfung.
Wer diese Ergebnisse ernst nimmt, kann nicht länger von einer nachhaltigen Energiepolitik sprechen. Der Brennholzmarkt ist zu einem Symbol dafür geworden, wie weit Anspruch und Realität auseinanderklaffen. In einem Land mit so viel Wald ist diese Entwicklung nicht nur widersinnig, sondern verantwortungslos.
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