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Nagellack im Test: Hier stecken potenziell krebserregende Stoffe drin

Der VKI hat sich eine Reihe von Produkten im Labor angesehen - manche schneiden da gar nicht gut ab.

2/11/2026
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Nagellack im Test: Hier stecken potenziell krebserregende Stoffe drin

„Nagellack ist meist gut – aber nicht immer unbedenklich“ – so lautet das nüchterne Fazit eines aktuellen Tests des VKI. Der Verein hat 16 gängige Nagellacke untersucht – von günstigen Drogerieprodukten bis zu teuren Marken – und vor allem auf Schadstoffe, Kennzeichnung und Gebrauchstauglichkeit geprüft. Was auf den ersten Blick wie ein typischer Konsumententest klingt, wirft bei näherem Hinsehen viele ernste Fragen über die Sicherheit alltäglicher Kosmetika auf.

Im Test zeigte sich: Viele Nagellacke halten gut auf den Nägeln, bieten eine zufriedenstellende Deckkraft und sind funktional solide. In diesen Punkten fallen preiswerte und teure Produkte nicht dramatisch auseinander. Zwei Produkte, darunter Varianten von Essence und Mavala, enthielten allerdings Nitrosamine, chemische Verunreinigungen, die im Verdacht stehen, krebserregend zu sein. Nitrosamine werden Nagellacken nicht absichtlich zugesetzt, sondern können sich bei Herstellung oder Lagerung bilden und gelten als potenziell gesundheitsschädlich.

Doch der Test geht weit über einfache Qualitätsfragen hinaus: Viele Nagellacke im Test litten unter einer mangelhaften Deklaration. Bei neun von 16 Produkten fehlten gesetzlich vorgeschriebene Informationen, etwa Mindesthaltbarkeitsdatum oder gar vollständige Inhaltsstofflisten in deutscher Sprache. Bei sechs Produkten war gar keine Inhaltsstoffliste auf dem Etikett vorhanden. Gerade bei Kosmetikprodukten ist diese Transparenz jedoch entscheidend, weil viele Menschen aus Allergie- oder Gesundheitsgründen genau wissen wollen, was sie auf Haut und Nägel auftragen. Auch ein prominentes Luxusprodukt aus dem Hause Chanel schnitt schlecht ab: Der Lack war im Haltbarkeitstest schwach, zeigte beim sogenannten Kreuzschnitt-Haftungstest erhebliche Absplitterungen und lag am unteren Ende des Testfelds. Zudem enthielt auch dieses Produkt keine vollständige Kennzeichnung und wies deutliche Schwächen bei den Umwelteigenschaften der Verpackung auf.

Warum Inhaltsstoffe so wichtig sind

Nagellack besteht aus einer Mischung verschiedener chemischer Stoffe: einem Polymer wie Nitrocellulose, Lösungsmitteln, Farbpigmenten, Harzen, Weichmachern und UV-Filtern. Einige dieser Stoffe können gesundheitsschädlich wirken, und der Nagel ist kein absolut dichter Schutz: Chemikalien können aufgenommen oder inhaliert werden, besonders beim Auftragen im schlecht belüfteten Raum.

Ein weit verbreitetes Beispiel ist das sogenannte „toxische Trio“ aus Dibutylphthalat (DBP), Toluol und *Formaldehyd: Diese drei chemischen Substanzen wurden früher in Nagellacken eingesetzt, weil sie Haltbarkeit, Glanz und Trocknung beeinflussen. Sie stehen aber im Verdacht, die Schilddrüse zu stören, neurologische Schäden zu verursachen oder sogar krebserregend zu sein. Während viele Hersteller diese Stoffe inzwischen reduziert oder ersetzt haben, tauchten ähnliche problematische Chemikalien weiterhin in Tests und Studien auf.

Ein Beispiel dafür ist Triphenylphosphat (TPHP), ein Weichmacher, der in vielen Nagellacken enthalten ist. In einer Untersuchung fanden Forscher Hinweise darauf, dass TPHP im Körper nachweisbar ist, nachdem Frauen Nagellack aufgetragen haben. Dieser Stoff steht im Verdacht hormonell wirksam zu sein und den Hormonhaushalt zu beeinflussen – ein Thema, das Verbraucherinnen und Verbrauchern nur selten bewusst ist. Auch Funde wie Schwermetalle in Nagellacken wurden wiederholt in internationalen Untersuchungen beschrieben, etwa Spuren von Blei, Cadmium oder Nickel, die nicht mutwillig beigemischt, aber als Verunreinigungen in Farbmaterialien vorkommen können und dennoch problematisch sind.

Kritik an der „Unbedenklichkeits“-Einstufung

Öffentliche Tests und Sicherheitsbewertungen täuschen leicht darüber hinweg, wie wenig über die Langzeitwirkungen vieler Nagellack-Inhaltsstoffe wirklich bekannt ist. Selbst Produkte, die als „3-Free“ oder „5-Free“ beworben werden – das heißt ohne einige der klassischen problematischen Stoffe – können Ersatzstoffe enthalten, deren Wirkung auf Gesundheit und Umwelt noch nicht ausreichend untersucht ist. Eine Studie zeigte, dass selbst Nagellacke mit solchen Labels nicht unbedingt frei von potenziell schädlichen Chemikalien sind, und dass Ersatzstoffe ähnliche Risiken bergen können.

Das ist keine theoretische Sorge: In den USA haben Forscher wiederholt festgestellt, dass Salonarbeiterinnen, die täglich mit Nagellack und Nagelprodukten arbeiten, häufiger über Atemwegsprobleme, Hautreizungen, allergische Reaktionen und auch reproduktive Beschwerden berichten. Diese Beschwerden stehen im Verdacht, mit der chronischen Exposition gegenüber Chemikalien in Nagelprodukten verbunden zu sein.
In Europa ist man inzwischen sensibler geworden: Im September 2025 hat die EU einen chemischen Stoff namens trimethylbenzoyl diphenylphosphine oxide (TPO) verboten, der vor allem in Gel-Nagellacken verwendet wird. Dieser Stoff hilft, den Lack unter UV-Licht zu härten, steht aber im Verdacht, krebserregend oder fortpflanzungsschädigend zu sein. Das Verbot betrifft alle EU-Mitgliedstaaten und zwingt Hersteller und Salons, auf Alternativen umzusteigen.

Was Verbrauchende tun können

Für Endverbraucherinnen und -verbraucher bedeutet das Testurteil des VKI und die weitergehenden Hinweise aus Forschung und Regulierung vor allem eines: Preis allein sagt nichts über Sicherheit aus. Ein günstiger Drogerie-Nagellack kann im Test genauso gut abschneiden wie ein teures Markenprodukt – und umgekehrt. Achten Sie bei Kosmetikprodukten auf vollständige und verständliche Inhaltsstofflisten, Mindesthaltbarkeitsdaten und internationale Sicherheitsstandards, statt sich allein von Markenname oder Preis leiten zu lassen.

Wer besonders vorsichtig sein will, kann auf Nagellacke verzichten, die problematische Zusatzstoffe enthalten, und sich über Labels wie „5-Free“ oder „12-Free“ informieren. Diese Bezeichnungen sind nicht gesetzlich geschützt, aber sie geben Hinweise, welche bekannten Schadstoffe ein Produkt bewusst nicht enthält. Gleichzeitig lohnt sich ein Blick in unabhängige Datenbanken und Tests. Und für Eltern gilt ein klarer Rat: Kleine Kinder sollten keine normalen Nagellacke verwenden. Viele Lacke basieren auf Lösungsmitteln, die für Kindergesundheit nicht geeignet sind, und bunte Wasserlacke vermitteln nur ein trügerisches Gefühl von Sicherheit, weil sie oft ebenfalls bedenkliche Inhaltsstoffe enthalten.

Fazit: Mehr als hübsche Farbe

Der aktuelle VKI-Nagellack-Test 2026 macht deutlich, dass Nagellack heute mehr ist als ein Modeaccessoire. Er ist ein Produkt mit einer breiten Palette chemischer Stoffe, von denen einige funktionieren, ohne als gefährlich eingestuft zu sein, andere aber zumindest Fragen aufwerfen, die bisher nicht vollständig beantwortet sind. Pflege, Haltbarkeit und Farbe sind wichtig – doch Transparenz und gesundheitliche Bewertung sind es ebenso. Konsumentinnen und Konsumenten müssen hier wachsamer werden, denn die Schönheit auf den Nägeln sollte nicht auf Kosten der Gesundheit gehen.


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