Die Regiothek wurde für die Zukunft entwickelt. Leider ist dein Browser veraltet und unterstützt möglicherweise einige Techniken nicht mehr. Daher kann es zu Anzeigeproblemen kommen.

Du kannst z.B. Browse Happy besuchen um einen aktuellen Browser herunterzuladen.

Artikel

Süden unter Wasser: So viel Regen in wenigen Tagen, wie sonst in einem ganzen Jahr

In weiten Teilen des südlichen Europas – vor allem auf der Iberischen Halbinsel und in Nordafrika – entwickelt sich derzeit eine außergewöhnlich schwere Unwetterlage.

2/9/2026
  • International
  • Umwelt
Süden unter Wasser: So viel Regen in wenigen Tagen, wie sonst in einem ganzen Jahr

In weiten Teilen des südlichen Europas – vor allem auf der Iberischen Halbinsel und in Nordafrika – entwickelt sich derzeit eine außergewöhnlich schwere Unwetterlage. In Spanien, Portugal und Marokko kommt es seit Wochen zu schweren Regenfällen, heftigen Stürmen, Überschwemmungen, massiven Evakuierungen und zahlreichen Schäden. Zeitweise setzt sich der Eindruck fest, dass diese Ereignisse nicht einzelne lokale Ausnahmeerscheinungen sind, sondern Ausdruck einer sich zuspitzenden klimatischen und meteorologischen Gesamtlage. Die Situation vor Ort ist dramatisch und in vielen Regionen noch nicht abgeschlossen.

Was sich dort derzeit abspielt, ist meteorologisch ungewöhnlich: Eine Serie aufeinanderfolgender Sturmtiefs, oft begleitet von enormen Regenmengen, hat große Teile des Südens Europas und Nordafrikas in kurzer Zeit getroffen. Solche Wetterereignisse — in Fachkreisen als „Storm Trainings“ bezeichnet — sind dadurch gekennzeichnet, dass aufeinanderfolgende Tiefdruckgebiete nacheinander ähnliche Regionen überqueren. In den vergangenen Wochen traf dies insbesondere Portugal und Spanien, wo mehrere Stürme kurz hintereinander vom Atlantik hereingezogen sind und extreme Niederschläge mit sich brachten. Meteorologen führen diese Entwicklung auf veränderte Luftströmungen und Feuchtezuflüsse zurück, die in Teilen mit den Auswirkungen des Klimawandels in Verbindung gebracht werden.

Mehr Regen als in einem Jahr

Ausgangspunkt der aktuellen Lage waren zunächst heftige Regen- und Sturmereignisse, die in vielen Regionen deutlich mehr Niederschlag brachten, als üblich wäre. In Südspanien fielen in manchen Gebieten in wenigen Tagen mehr Regenmengen als sonst im ganzen Jahr üblich — teilweise deutlich über 200 Liter pro Quadratmeter innerhalb von 24 Stunden. Besonders betroffen war die Provinz Andalusien, wo ganze Ortschaften evakuiert werden mussten und große Flüsse wie der Guadalquivir über ihre Ufer traten. Die Stadt Grazalema wurde zum Symbol der Krise: Dort führte das Wasser zu einer Art hydrologischem „Schwamm“ im Untergrund, der Grundwasserspiegel stieg rasant an und bedrohte Strukturen und Infrastruktur. Tausende Menschen mussten wegen Einsturzgefahr in Sicherheit gebracht werden.

In Andalusien und dem angrenzenden Portugal sind insgesamt zehntausende Menschen von den Überschwemmungen betroffen, vielerorts stehen landwirtschaftliche Flächen unter Wasser und Verkehrsinfrastruktur ist massiv beschädigt. Millionen Euro an Schäden werden bereits beziffert — Straßen, Eisenbahnstrecken und Häuser wurden zerstört oder schwer beschädigt. In vielen Orten verhängten Behörden Ausnahmezustände, und das Militär wurde zur Unterstützung der zivilen Katastrophenschutzkräfte eingesetzt.

Die Lage in Portugal ist ähnlich dramatisch: Besonders im südlichen und zentralen Teil des Landes haben anhaltende Regenfälle Flüsse über ihre Ufer treten lassen, Ortschaften unter Wasser gesetzt und die Stromversorgung beeinträchtigt. Mehrere Dutzend Menschen mussten ihre Häuser verlassen, und allein in einem der letzten Unwetter wurden mindestens ein Todesopfer gemeldet, als ein Mann von den Fluten in seinem Auto mitgerissen wurde.

Auch Norden von Afrika schwer getroffen

Doch nicht nur die Iberische Halbinsel ist betroffen. In Nordmarokko, insbesondere in der Region um Ksar El-Kebir, haben die Regenfälle zu massiven Überschwemmungen geführt. Dort mussten nach offiziellen Angaben über hunderttausend Menschen evakuiert werden, viele Orte sind abgeschnitten, und die Infrastruktur wurde großflächig beschädigt. In einigen Städten kam es zu Todesopfern, darunter mehrere Kinder, nachdem Fahrzeuge und Lebensbereiche von starken Strömungen mitgerissen wurden. Die Schäden belasten die ohnehin fragile Wirtschaft der betroffenen Regionen zusätzlich schwer.

Die Unwetterserie reißt auch in der zweiten Februarwoche nicht ab. Meteorologische Dienste warnen vor weiteren Sturmtiefs, die erneut starke Regenfälle, Überschwemmungen und weitere Schäden bringen könnten. In Teilen Spaniens und Portugals gilt weiterhin erhöhte Unwetterwarnstufe, und Behörden rufen die Bevölkerung zu erhöhter Vorsicht auf. Die Böden sind vielerorts bereits gesättigt, so dass zusätzliche Regenmengen kaum noch aufgenommen werden können; das Risiko für Erdrutsche und weitere Flussexzesse bleibt bestehen.

Auch wenn sich die Unwetter aktuell auf Spanien, Portugal und Marokko konzentrieren, lässt sich nicht leugnen, dass die meteorologische Lage europaweit auffällig ist. Wettermodelle und Experten weisen darauf hin, dass eine Kombination aus veränderter Jet-Stream-Lage, warmer Meeresoberfläche im Atlantik und ungewöhnlich feuchter Luft aus dem tropischen Atlantik die Zyklen von Tiefdruckgebieten so beeinflusst, dass sie weiter südlich als üblich Zugbahnen über das westliche Mittelmeer und Iberien nehmen. Solche veränderten Muster können laut Klimaforschern auch ein Ausdruck langfristiger Klimaänderungen sein, die Extremwetterereignisse vermehrt begünstigen.

Die unmittelbaren Konsequenzen für die betroffenen Staaten sind bereits gravierend: Neben den unmittelbaren menschlichen Verlusten stehen wirtschaftliche Folgen in Milliardenhöhe zu erwarten. Landwirtschaft, Tourismus und städtische Infrastruktur leiden besonders. In Andalusien und Portugal sind große Teile der Oliven- und Getreideernte gefährdet oder verloren gegangen. Straßen, Brücken, Bahnlinien und Versorgungsnetze müssen instandgesetzt oder neu gebaut werden. Die Koordination von Hilfsmaßnahmen ist trotz intensiver Bemühungen von Feuerwehr, Polizei und Rettungsdiensten angespannt.

Anpassungsstrategien notwendig

Für die Bevölkerung vor Ort bedeutet jede weitere Regenfront ein zusätzliches Risiko. Evakuierte Gemeinden wissen oft nicht, wann sie zurückkehren können, weil viele Schäden zuerst fachgerecht begutachtet werden müssen. Häuser, deren Wände und Fundamente durch ständiges Wasser unterspült wurden, gelten als unsicher. Selbst wenn der Regen vorerst nachlässt, drohen anhaltende Auswirkungen: Schlammlawinen und Erdrutsche können nach Regenpausen erst später ausgelöst werden, wenn der Boden weiter durchfeuchtet ist.

Die Unwetter setzen auch politische und gesellschaftliche Signale frei. In Portugal kam es zu Diskussionen darüber, wie Wahltermine angesichts der Krise zu handhaben seien, weil die Infrastruktur und Logistik in vielen betroffenen Regionen beeinträchtigt war. In Spanien steigt der Druck auf Behörden, bessere Frühwarn- und Schutzsysteme zu implementieren. In Marokko wiederum haben internationale Hilfsorganisationen ihre Unterstützung angeboten, um den betroffenen Gemeinden beim Wiederaufbau und bei der kurzfristigen Versorgung zu helfen.

Langfristig werfen diese Ereignisse Fragen nach Anpassungsstrategien an den Klimawandel auf. Städteplaner, Meteorologen und politische Entscheidungsträger diskutieren darüber, wie Südeuropa widerstandsfähiger gegenüber Extremwetter gemacht werden kann. Maßnahmen reichen von der Renaturierung von Flussläufen, die mehr Wasserrückhalt bieten sollen, über Deich- und Staubaumaßnahmen bis hin zu verbesserten Wettermodellen, die frühzeitig vor solchen Sturmtrainings warnen können. Die Herausforderungen sind enorm, weil sie nicht nur kurzfristiges Krisenmanagement erfordern, sondern auch langfristige Investitionen und grenzübergreifende Zusammenarbeit in Europa und Nordafrika.

So steht der Süden Europas aktuell buchstäblich unter Wasser. Die unmittelbare Lage bleibt angespannt, und auch wenn einzelne Regenfronten vorüberziehen, ist der Boden gesättigt und das Risiko für weitere Schäden hoch. Für die betroffenen Menschen und Regionen ist dies eine der schwersten Wetterkrisen der jüngeren Geschichte — mit Folgen, die Tage, Wochen und Monate spürbar bleiben werden.


In eigener Sache: Wir arbeiten unabhängig von Parteien und Konzernen. Um unseren Fortbestand zu sichern, sind wir auf Abonnent*innen angewiesen. Bitte schließen Sie jetzt ein Abo ab und ermöglichen Sie damit unsere Berichterstattung. Danke!

Jetzt abonnieren
Logo Oekoreich

Werde Mitglied bei oekoreich+ und erhalte Zugang zu unseren Top-Stories und exklusive Einblicke.

Mehr erfahren

Jetzt weiterlesen

oekoreich möchte ein bestmögliches Onlineangebot bieten. Hierfür werden Cookies gespeichert. Weil uns Transparenz wichtig ist können Cookies und die damit verbundenen Funktionalitäten, die nicht für die Grundfunktion von oekoreich notwendig sind, einzeln erlaubt oder verboten werden.
Details dazu findest du in unserer Datenschutzerklärung. Dort kannst du deine Auswahl auch jederzeit ändern.