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      Kritik an Danone: Lässt der Milliarden-Konzern jetzt seine Bauern im Stich?

      Pflanzliche Milch boomt - doch wie kommt die Landwirtschaft mit der Umstellung zurecht? Ein aktueller Fall zeigt die Brisanz des Themas.

      12/10/2021
      • Landwirtschaft
      • Ernährung
      • International
      Kritik an Danone: Lässt der Milliarden-Konzern jetzt seine Bauern im Stich?

      Mit pflanzlicher Milch lässt sich immer mehr Geld verdienen: In Deutschland stieg der Umsatz mit Hafer-, Soja- oder Mandelmilch von rund 170 Millionen Euro im Jahr 2018 auf über 350 Millionen Euro nur zwei Jahre später. Rechnet man auch noch Joghurts & Co auf pflanzlicher Basis mit ein, wurde die Marke von einer halben Milliarde Euro an Umsatz alleine in Deutschland bereits 2020 übersprungen. Tendenz stark steigend.

      Dass das kein alleiniger deutscher oder europäischer Trend ist, zeigen diese Zahlen: Gegenüber den globalen Erlösen, die mit pflanzlichen Milchprodukten im Jahr 2019 erzielt werden konnten, wird mit einer Verdoppelung bis zum Jahr 2029 gerechnet. Gigantische 35 Milliarden Euro sollen dann weltweit mit Pflanzenmilch und mehr lukriert werden können.

      Bauern zittern um Abnahme ihrer Milch

      Kein Wunder, dass vor allem multinationale Konzerne nun in das „Big Business“ mit der pflanzlichen Milch einsteigen möchten. Dass dahinter auch großes Geld aus mitunter dubiosen Kanälen steckt, zeigt sich am Hafermilch-Vorzeige-Konzern „Oatly“, das wegen seiner fragwürdigen Finanzierungsströme bereits heftiger Kritik ausgesetzt ist.

      Nun muss sich auch der französische Riese Danone, mit über 25 Milliarden Euro an Umsatz einer der ganz großen europäischen Nahrungsmittelkonzerne, scharf kritisieren lassen. Anlass ist die geplante Umstellung von Produktionskapazitäten in Frankreich, weg von Kuhmilch hin zu pflanzlicher Milch für die eigene Marke „Alpro“.

      Wie das Fachmagazin „Agrarheute“ berichtet, plant Danone in Villecomtal-sur-Arros ein ganzes Werk auf die Produktion von Hafermilch umzustellen. Direkt davon betroffen sollen 200 Milchbauern in der Region sein, die um die Abnahme ihrer Milch zittern müssen. Sie fühlen sich im Stich gelassen, auch wenn der Konzern ankündigt, dass die Joghurt-Produktion mit Kuhmilch nur in andere Werke verlagert werden würde.

      Kollateralschäden vermeiden

      Die Gewerkschaft protestiert gegen die Schließung und weist auf die negativen Konsequenzen für die gesamte Region hin. Die Kritik scheint sich nicht an der Umstellung von Hafer- zu Kuhmilch zu entzünden, sondern an der Art des Umgangs mit den Zulieferern. Und tatsächlich scheint offen zu bleiben, wie diese künftig ihren Unterhalt bestreiten soll. Eine Landwirtschaft lässt sich nicht binnen weniger Monate umrüsten.

      Der Trend zu pflanzlicher Milch wird sich positiv auf die Umwelt auswirken und mit Sicherheit auch zu einem warmen Geldregen für multinationale Konzerne führen, doch er scheint auch unmittelbar den Niedergang der kleinbäuerlichen Landwirtschaft zu befördern. Einmal mehr zeigt sich, dass Umwälzungen im Konsumverhalten entsprechend begleitet werden müssen, um Kollateralschäden zu vermeiden.


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