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Riesige Flutwelle befürchtet: 500.000 Kubikmeter Erde drohen in Fluss zu stürzen

Das kleine Schweizer Dorf Chippis im Kanton Wallis liegt in einer spektakulären, aber auch gefährlichen Alpenlandschaft.

3/13/2026
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Riesige Flutwelle befürchtet: 500.000 Kubikmeter Erde drohen in Fluss zu stürzen

Das kleine Schweizer Dorf Chippis im Kanton Wallis liegt in einer spektakulären, aber auch gefährlichen Alpenlandschaft. Eingebettet zwischen steilen Berghängen, Flusstälern und Gletschern ist die Region seit Jahrhunderten von Naturgefahren geprägt. In den letzten Jahren hat sich die Situation sogar zugespitzt: Geologen warnen vor einem möglichen Hangrutsch oberhalb des Dorfes, während gleichzeitig Hochwasser, extreme Wetterereignisse und geologische Risiken die Region bedrohen. Die Kombination dieser Faktoren macht Chippis zu einem Beispiel dafür, wie verletzlich alpine Siedlungen gegenüber Naturkatastrophen sein können.

Ein wachsender Erdspalt als akute Bedrohung

Die aktuell größte Gefahr für Chippis geht von einem instabilen Berghang im nahegelegenen Val d’Anniviers aus. Dort wurde ein großer Erdspalt entdeckt, der sich seit Monaten kontinuierlich ausdehnt. Messungen zeigen, dass die Bruchlinie inzwischen etwa 250 Meter lang und zwischen 80 Zentimetern und einem Meter breit ist. Besonders besorgniserregend ist, dass sich der Spalt täglich um mehrere Millimeter vergrößert.
Geologen schätzen, dass sich im schlimmsten Fall bis zu 500 000 Kubikmeter Erdmaterial lösen könnten. Sollte der Hang tatsächlich abrutschen, würde die Masse vermutlich in den Fluss Navizence stürzen, der durch das Val d’Anniviers ins Rhonetal fließt. E

in solcher Erdrutsch könnte das Flussbett blockieren und einen natürlichen Staudamm bilden. Das Wasser würde sich dahinter aufstauen und könnte anschließend in Form einer Flutwelle ins Tal brechen. Für das rund 1500 Einwohner zählende Dorf Chippis würde dies ein erhebliches Hochwasserrisiko bedeuten. Die Behörden im Kanton Wallis beobachten die Entwicklung daher genau. Sensoren, Laserscanner und Kameras überwachen ständig die Bewegungen im Hang, und sogar Drohnen werden regelmäßig eingesetzt, um Veränderungen zu dokumentieren. Gleichzeitig werden Evakuierungspläne vorbereitet und Plätze in Zivilschutzanlagen der umliegenden Gemeinden reserviert.

Ursachen der Instabilität

Der gefährliche Erdspalt ist nicht zufällig entstanden. Experten führen die Instabilität des Hanges unter anderem auf frühere Hochwasserereignisse zurück. Starke Überschwemmungen in den Jahren 2018 und 2024 haben das Flussbett der Navizence verändert und teilweise abgesenkt. Dadurch verlor der darüberliegende Hang seine natürliche Stütze, was zu einem langsamen Abrutschen der Erdmasse führte.

Diese Prozesse zeigen, wie eng verschiedene Naturgefahren miteinander verbunden sind. Ein Hochwasser kann langfristig die Stabilität eines Hanges schwächen, was Jahre später zu einem Erdrutsch führt. In alpinen Regionen wie dem Wallis ist dieses Zusammenspiel besonders ausgeprägt, da steile Hänge, lockeres Gestein und starke Niederschläge häufig zusammenkommen.

Hochwasser als wiederkehrende Gefahr

Neben Erdrutschen zählt Hochwasser zu den wichtigsten Naturgefahren in der Region um Chippis. Das Dorf liegt an der Mündung der Navizence in die Rhône, einen der größten Flüsse der Schweiz. Beide Gewässer können bei starken Niederschlägen oder schneller Schneeschmelze stark anschwellen.
Bereits im Jahr 2024 kam es im Wallis zu schweren Überschwemmungen, als außergewöhnlich starke Regenfälle und schmelzender Schnee große Wassermengen in die Flüsse spülten. Der Wasserstand der Rhône erreichte dabei Werte, die nur etwa einmal pro Jahrhundert auftreten. In der Region mussten Menschen ihre Häuser verlassen, auch in Chippis wurden Bewohner vorsorglich evakuiert.

Solche Ereignisse sind keine Einzelfälle. Historisch gesehen war das Rhonetal immer wieder von Überschwemmungen betroffen. Bereits im 19. Jahrhundert führten schwere Fluten zu großflächigen Schäden, was schließlich zu umfangreichen Flusskorrekturen führte. Zwischen 1863 und 1894 wurde der Fluss erstmals reguliert, später folgten weitere Bauprojekte, um Hochwasserrisiken zu reduzieren.
Trotz dieser Maßnahmen bleibt die Gefahr bestehen. Flüsse in alpinen Tälern transportieren große Mengen Sediment, wodurch sich ihre Flussbetten ständig verändern können. Dies erschwert eine langfristige Kontrolle der Hochwassergefahr.

Klimawandel verstärkt Naturgefahren

Ein zusätzlicher Faktor, der die Risiken für Chippis erhöht, ist der Klimawandel. Wissenschaftler beobachten, dass extreme Wetterereignisse in den Alpen häufiger und intensiver werden. Starkregen, schnelle Schneeschmelze und instabile Hänge führen immer öfter zu Überschwemmungen und Erdrutschen. Durch steigende Temperaturen tauen zudem Permafrostböden in den Hochalpen auf. Dieser dauerhaft gefrorene Boden stabilisiert normalerweise Fels und Geröll an steilen Berghängen. Wenn er schmilzt, verlieren viele Hänge ihre Stabilität – ein Prozess, der zu vermehrten Felsstürzen und Hangrutschen führen kann. Für Orte wie Chippis bedeutet dies, dass Naturgefahren künftig noch schwerer vorhersehbar sein könnten. Ereignisse, die früher selten waren, könnten häufiger auftreten.

Historische Katastrophen in der Region

Die Geschichte des Wallis zeigt, dass Naturkatastrophen in dieser Region keine Seltenheit sind. Ein besonders eindrückliches Beispiel ist das Jahr 1946, als ein starkes Erdbeben das Rhonetal erschütterte. Tausende Gebäude wurden beschädigt, auch in Chippis stürzten Teile einer Kirche ein. Gleichzeitig kam es zu zahlreichen Felsstürzen, Lawinen und Erdrutschen in den umliegenden Bergen.

Auch die Flüsse der Region haben immer wieder schwere Schäden verursacht. Der Fluss Navizence, der direkt bei Chippis in die Rhône mündet, erlebte bereits 1834 eine verheerende Überschwemmung. Damals brach ein Gletschersee plötzlich aus und löste eine Flut aus, die Brücken, Gebäude und landwirtschaftliche Flächen zerstörte. Solche Ereignisse zeigen, dass die Landschaft rund um Chippis dynamisch und geologisch aktiv ist.

Infrastruktur und Sicherheitsmaßnahmen

Um die Bevölkerung zu schützen, investieren die Behörden in umfangreiche Schutzmaßnahmen. Ein Beispiel ist die sogenannte „Dritte Rhonekorrektion“, ein Großprojekt zur Verbesserung des Hochwasserschutzes entlang des Flusses. Über eine Strecke von rund 162 Kilometern wird der Flusslauf umgebaut und verbreitert, um größere Wassermengen aufnehmen zu können.

Darüber hinaus werden gefährdete Hänge überwacht und Frühwarnsysteme eingerichtet. Im Fall des aktuellen Erdspalts oberhalb von Chippis wurden bereits Bäume gefällt, um den Hang zu entlasten, und zahlreiche Messgeräte installiert, um jede Bewegung im Boden zu registrieren.
Sollten sich die Bewegungen im Hang beschleunigen, könnte ein Alarm ausgelöst werden, der eine Evakuierung der Bevölkerung einleitet.

Ein Dorf zwischen Natur und Risiko

Chippis liegt an einem strategisch wichtigen Punkt: am Eingang zum Val d’Anniviers und am Zusammenfluss zweier bedeutender Flüsse. Diese Lage hat dem Ort historisch Vorteile gebracht, etwa für Handel, Landwirtschaft und Industrie. Gleichzeitig macht sie das Dorf besonders anfällig für Naturgefahren. Die Bewohner leben daher seit Generationen mit dem Wissen, dass ihre Heimat sowohl schön als auch gefährlich ist. Die steilen Alpenlandschaften bieten beeindruckende Natur, bringen jedoch auch Risiken mit sich.

Die Situation in Chippis zeigt exemplarisch, vor welchen Herausforderungen viele alpine Gemeinden stehen. Ein wachsender Erdspalt oberhalb des Dorfes könnte einen Hangrutsch auslösen und Hochwasser verursachen. Gleichzeitig bleibt die Region durch Flüsse, extreme Wetterereignisse und geologische Prozesse gefährdet. Dank moderner Überwachungssysteme und umfangreicher Schutzmaßnahmen versuchen Behörden und Wissenschaftler, diese Risiken zu kontrollieren. Doch die Natur in den Alpen lässt sich nicht vollständig beherrschen. Für Chippis bedeutet das, dass Wachsamkeit und Vorbereitung auch in Zukunft entscheidend sein werden. Das Bergdorf steht damit symbolisch für eine zentrale Frage unserer Zeit: Wie können Menschen in sensiblen Naturräumen leben, ohne den Kräften der Natur schutzlos ausgeliefert zu sein?


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