Die jüngsten Testergebnisse der Arbeiterkammer Oberösterreich (AK OÖ) zu Pesto Rosso zeigen deutlich, dass sich hinter scheinbar ähnlichen Produkten im Supermarktregal erhebliche Qualitätsunterschiede verbergen. Insgesamt wurden 13 verschiedene Pesto-Rosso-Produkte im Labor untersucht – mit teils überraschenden und für Konsumentinnen und Konsumenten durchaus relevanten Ergebnissen. Der Test liefert nicht nur eine Orientierungshilfe beim Einkauf, sondern wirft auch grundlegende Fragen zur Lebensmittelqualität, zu Produktionsstandards und zur Belastung durch Schadstoffe auf.
Zunächst fällt positiv auf, dass keines der untersuchten Produkte eine akute Gesundheitsgefahr darstellt. Das bedeutet: Wer gelegentlich Pesto Rosso konsumiert, muss sich laut den vorliegenden Analysen keine unmittelbaren Sorgen machen. Dennoch ist diese Entwarnung nur die halbe Wahrheit, denn im Detail offenbart der Test erhebliche Unterschiede in der Zusammensetzung und Reinheit der Produkte.
Bio ist Trumpf
Ein zentraler Befund des Labortests betrifft die Unterschiede zwischen biologisch erzeugten und konventionellen Produkten. Während sämtliche Bio-Pestos frei von Pestiziden waren, konnten in nahezu allen konventionellen Varianten Rückstände nachgewiesen werden – mit nur einer Ausnahme. Diese Rückstände liegen zwar in geringen Konzentrationen vor und gelten nicht als akut toxisch, doch die langfristigen Auswirkungen und insbesondere mögliche Wechselwirkungen verschiedener Pestizide sind wissenschaftlich noch nicht ausreichend geklärt. Diese Unsicherheit ist aus Sicht des Verbraucherschutzes durchaus relevant, da Konsumenten regelmäßig unterschiedliche Lebensmittel mit verschiedenen Rückständen kombinieren.
Ein weiterer kritischer Punkt betrifft den Nachweis von sogenannten Alternariatoxinen. Dabei handelt es sich um Schimmelpilzgifte, die vor allem auf Tomaten entstehen können – einem Hauptbestandteil von Pesto Rosso. In vier der getesteten Produkte wurden erhöhte Mengen dieser Stoffe festgestellt. Einige dieser Toxine stehen im Verdacht, gesundheitsschädlich oder sogar krebserregend zu sein. Zwar existieren in der Europäischen Union derzeit keine verbindlichen Grenzwerte, jedoch gibt es Richtwerte zur Orientierung. In einzelnen Fällen wurden diese Empfehlungen zu einem erheblichen Teil ausgeschöpft, was auf Qualitätsprobleme bei den verwendeten Rohstoffen hinweist.
Spuren wurden gefunden
Besonders aufmerksam macht der Test auch auf das Vorkommen von Bisphenol A (BPA), einem Stoff, der häufig in Verpackungsmaterialien vorkommt und hormonell wirksam ist. In fünf konventionellen Pestos wurden entsprechende Spuren gefunden. BPA steht im Verdacht, die Fruchtbarkeit zu beeinträchtigen und das Immunsystem zu schwächen. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat den tolerierbaren Aufnahmewert daher drastisch gesenkt. Laut Test könnte bei einem Produkt bereits der Konsum von wenigen Teelöffeln pro Woche ausreichen, um diesen Wert bei einer durchschnittlichen Person zu überschreiten. Diese Erkenntnis unterstreicht, wie stark Verpackungsmaterialien die Qualität von Lebensmitteln beeinflussen können.
Zusätzlich wurden in einzelnen Produkten spezifische Pestizide identifiziert, darunter Dimethomorph, ein Fungizid, das von der Europäischen Chemikalienagentur als fortpflanzungsschädigend eingestuft wird. Die EU hat bereits entschieden, die Zulassung dieses Wirkstoffs nicht zu verlängern. Auch andere problematische Stoffe wie Chlorantraniliprol wurden nachgewiesen, die als umweltschädlich gelten und sich nur schwer abbauen. Solche Funde zeigen, dass selbst geringe Rückstände Anlass zur kritischen Betrachtung geben, insbesondere wenn sie aus Stoffen bestehen, die regulatorisch bereits eingeschränkt oder verboten wurden.
Es gibt einen klaren Testsieger
Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, welche konventionellen Produkte im Test vergleichsweise gut abgeschnitten haben. Während die Spitzenplätze eindeutig von Bio-Produkten dominiert werden, gab es unter den konventionellen Varianten zumindest einzelne Produkte, die sich durch geringere Belastungen hervorgetan haben. Die Arbeiterkammer hebt hervor, dass genau ein konventionelles Pesto vollständig frei von Pestiziden war – ein bemerkenswerter Befund, der zeigt, dass auch außerhalb des Bio-Segments höhere Qualitätsstandards möglich sind.
Arbeiterkammer Oberösterreich
Der Test macht insgesamt deutlich, dass der Preis allein kein verlässlicher Indikator für Qualität ist. Vielmehr spielen Faktoren wie die Herkunft der Zutaten, die Verarbeitung der Rohstoffe und die Verpackung eine entscheidende Rolle. Besonders auffällig ist, dass Bio-Produkte in nahezu allen Kategorien besser abschneiden. Sie sind nicht nur pestizidfrei, sondern weisen auch deutlich seltener andere problematische Rückstände auf.
Nur scheinbar gleichwertig
Für Konsumentinnen und Konsumenten bedeutet das konkret: Wer Wert auf möglichst geringe Schadstoffbelastung legt, sollte bevorzugt zu Bio-Pesto greifen. Gleichzeitig zeigt der Test aber auch, dass es innerhalb der konventionellen Produkte Unterschiede gibt und sich ein genauer Blick auf Testergebnisse lohnt. Gerade bei stark verarbeiteten Lebensmitteln wie Pesto Rosso, die aus mehreren Zutaten bestehen und industriell hergestellt werden, können sich Qualitätsunterschiede summieren.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der AK-Test ein differenziertes Bild zeichnet. Pesto Rosso ist grundsätzlich ein sicheres Lebensmittel, doch die Qualität variiert erheblich. Während einige Produkte durch ihre Reinheit und hochwertige Zusammensetzung überzeugen, weisen andere problematische Rückstände auf, die zumindest langfristig bedenklich sein könnten. Die drei besten konventionellen Produkte zeigen, dass auch in diesem Segment Verbesserungen möglich sind – sie bleiben jedoch hinter den Bio-Spitzenreitern zurück. Für informierte Kaufentscheidungen ist der Test daher eine wertvolle Orientierungshilfe und ein deutlicher Hinweis darauf, dass bewusster Konsum auch bei scheinbar einfachen Produkten wie Pesto einen Unterschied machen kann.
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