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Reportage

Es geht auch anders: Wie Bauern gemeinsam Paradiese für Wildbienen erschaffen

"Artenvielfalt in Bauernhand" heißt ein Vorzeige-Projekt der Privatkäserei WOERLE, bei dem Landwirte zu Biodiversitäts-Managern werden. Mit einer Bäuerin aus Oberösterreich haben wir darüber gesprochen.

5/28/2024
  • Umwelt
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Es geht auch anders: Wie Bauern gemeinsam Paradiese für Wildbienen erschaffen
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Familie Stöllinger mit Gerrit Woerle

Es muss ein beeindruckender Anblick gewesen sein, wie das große Mohnblumenfeld an der Einfahrt zum Dorf in voller Blüte stand. Alle hätten wochenlang darüber gesprochen und sich gefreut, berichtet Bäuerin Barbara aus dem oberösterreichischen Innviertel. Aus einer bislang rein wirtschaftlich genutzten Weide hatten sie ein Blumenfeld gemacht und es quasi den Wildtieren zur Verfügung gestellt, die sich genüsslich daran labten.

Mit ein paar Kleinigkeiten kann man ganz viel bewegen“ berichtet die Bäuerin von ihren Erfahrungen mit dem einzigartigen Projekt „Artenvielfalt in Bauernhand“, das sie als Partnerbäuerin von der Flachgauer Privatkäserei WOERLE im Verbund mit vielen anderen Landwirten umsetzt. Sie sei von Beginn weg offen gewesen und hätte sich auf das von der Universität Salzburg evaluierte Projekt eingelassen: „Wir sind grundsätzlich überall dabei, wenn es Sinn macht.“

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Familie Stöllinger mit Diana Reuter und Konrad Steiner
Wenn plötzlich ein Ameisenhaufen entsteht

Wie sinnvoll es ist und welchen Unterschied es macht, wenn Landwirte ihre Böschungen, Wegrandstreifen, Magerwiesen oder mühsam zu bearbeitende Flächen auch mit Rücksicht auf die Erhaltung bzw. Steigerung der Artenvielfalt bewirtschaften, das zeigt das Vorzeige-Projekt der Käserei WOERLE. Es geht dabei darum die Nist- und Futterplätze von Wildbienen zu erhalten, die Entwicklung selbiger zu unterstützen sowie wissenschaftlich zu dokumentieren, wie sich die Maßnahmen der Landwirte konkret auswirken.

Das beginnt etwa dabei, dass gewisse Randstrukturen nur einmal statt dreimal pro Jahr gemäht werden. Da hätten die Nachbarn anfänglich geglaubt, dass sie diese schlicht vergessen hätten. Gewisse Bereiche werden nun bewusst nicht mehr „aufgeräumt“, etwa im Randbereich hin zum Wald. „Auf einmal ist ein riesiger Ameisenhaufen entstanden auf einer Fläche am Waldrand, die wir nicht mehr bewirtschaften“ berichtet Barbara. Ebensolche positiven Erfahrungen haben viele andere Bauern gemacht: Durch das Engagement von ihnen (aber auch von zahlreichen Privathaushalten) profitieren mittlerweile mehr als 1000 Lebensräume von dem Projekt.

Dem Massensterben der Arten entgegenwirken

Dabei verlief der Lernprozess geradezu paradox – denn die Bauernfamilie musste lernen „unordentlicher“ zu sein. Je mehr natürliche Nistplätze die Insekten auf der Fläche vorfinden, etwa in Hecken oder Totholz, umso besser. „Wir sind eine Generation, die möchte grundsätzlich alles aufgeräumt und sauber haben. Da war es anfangs eine Umstellung für uns, dass wir Dinge bewusst stehen- oder liegenlassen“ so Barbara.

Das „Massensterben“ der Arten, über das die Wissenschaft bereits seit längerem diskutiert und das Gegenstand zahlreicher Forschungsprojekte ist, schlägt sich in unserem Alltag im sogenannten „Windschutzscheiben“-Phänomen nieder. Bei Überlandfahrten waren früher die Windschutzscheiben voll mit Insekten, heute finden sich dort deutlich weniger. Der subjektive Eindruck hat eine ganz reale Grundlage.
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Neuerdings auch „Biodiversitäts-Managerin“

Tatsächlich nimmt nicht nur die Anzahl der Insekten ab, sondern auch ihre Vielfalt – sprich: Es gibt weniger verschiedene Arten. Und das wiederum hat negative Auswirkungen auf unser Ökosystem, denn je weniger Artenvielfalt, umso instabiler ist es. Im Zusammenspiel mit dem Klimawandel eine gefährliche Dynamik, nicht umsonst wird hierbei auch von den „Zwillingskrisen“ gesprochen, die sich gegenseitig befeuern.

Zurück zu Bäuerin Barbara und ihren familiären Bauernhof in Oberösterreich. Gemeinsam mit ihrem Mann und ihren beiden Kindern lebt und arbeitet sie dort, hingebungsvoll an 7 Tagen die Woche. Neben ihrer Tätigkeit als Milchbäuerin ist sie neuerdings auch eine Art „Biodiversitäts-Managerin“, immerhin trägt sie mit dem, was sie macht, ganz maßgeblich dazu bei, dass es den Insekten gut geht – allen voran den Wildbienen.

Ein Glücksfall für die Wissenschaft

Die waren ihr früher nicht sehr geläufig, inzwischen begegnet sie ihnen ständig – oder sie fallen ihr auch mehr auf. Denn Grundlage für das Projekt von WOERLE, an dem die Bäuerin mit Begeisterung mitwirkt, ist eine erhöhte Achtsamkeit in der Bewirtschaftung der Felder und Wiesen. „Man steigt öfter vom Traktor ab und schaut sich die Dinge genauer an“ sagt Barbara, dabei entdeckt sie die Reichhaltigkeit der Natur.

Für die Wissenschaft sind Projekte wie jenes von WOERLE ein Glücksfall. Denn erst in der mehrjährigen Beobachtung können Korrelationen und langfristige Auswirkungen dokumentiert werden. Erste Ergebnisse liegen bereits vor, wie die Experten der Universität Salzburg berichten. So konnte etwa festgestellt werden, dass die Anzahl der Wildbienenarten mit der Anzahl der Blütenpflanzen zusammenhängt.
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Schnelle Erholung der Natur

Vereinfacht gesagt: Je größer das unterschiedliche Pflanzenangebot ist, umso größer ist auch die Vielfalt der Wildbienen. Das merkt auch Barbara: „Früher hatten wir da nur eine Glockenblume und die hat uns schon sehr gefreut, inzwischen sind es aber bereits 20 Blumen. Zu beobachten, wie schnell die Natur sich erholt, ist einfach wunderschön.“ Ihre beiden Kinder bekommen diesen bewussten Umgang mit der Umwelt hautnah mit.

Immer wieder wird sie von anderen Landwirten auf ihre Erfahrungen mit dem WOERLE-Projekt angesprochen. Bei manchen würde da Skepsis vorherrschen, ob das nicht mit einem zusätzlichen Aufwand verbunden sei. „Im Gegenteil, es ist sogar weniger Arbeit als vorher. Aber man beobachtet mehr und bekommt mehr von dem mit, was sich auf den eigenen Flächen alles auch im Kleinen tut“, so Bäuerin Barbara.

Unterstützung durch die Konsumenten erwünscht

Und was können Menschen beisteuern, die nicht selbst eine Landwirtschaft betreiben und Landwirte wie Barbara in ihrem Wirken unterstützen möchten? „Wer beim Essen auf die Herkunft achtet, der kann einen persönlichen Beitrag leisten. Es macht einen Unterschied, ob man im Regal zu einem Produkt greift, bei dem man weiß, dass Menschen wie wir dahinterstecken, die auch auf die Natur und die Tiere achten.“

In diesem Sinne bleibt nur zu hoffen, dass die Bemühungen von Unternehmen wie WOERLE und ihrer Partnerbauern für mehr Artenvielfalt und ein stabiles Ökosystem auch beim Lebensmittel-Einkauf entsprechend belohnt werden. Außerdem kann sich jeder Einzelne für die Erhaltung von Lebensräumen engagieren. Mit jeder noch so kleinen Maßnahme, auch mit nur einem Quadratmeter Lebensraum (selbst auf einem Balkon!) kann ein echter Unterschied bewirkt werden.



Diese Reportage entstand im Rahmen einer entgeltlichen Kooperation - die redaktionelle Unabhängigkeit wurde davon jedoch nicht berührt.


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