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Meinung

Das Wohl der Tiere darf nicht dem „freien Markt“ überlassen werden

Ein bisschen seltsam war das schon.

3/12/2023
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Das Wohl der Tiere darf nicht dem „freien Markt“ überlassen werden

Ein bisschen seltsam war das schon. Da wird die systematische Misshandlung von Tieren in einem steirischen Schlachtbetrieb aufgedeckt – und plötzlich reden alle nur noch über das AMA-Gütesiegel. Niemand hinterfragt die Rolle der zuständigen Amtstierärzte, niemand das offenkundige Versagen der zuständigen Tierschutzbehörden auf Landes- und Bundesebene. Schon ein bisschen seltsam. Da fragt man sich: Wer hat was davon?

In den letzten Jahren beobachten wir einen Trend zu selbstgebastelten Gütesiegeln im Lebensmittelhandel. Ob bei Palmöl, Kakao oder Fleisch, überall tauchen neue „Labels“ auf, oft mitgetragen von NGOs aus dem Umwelt- oder Tierschutzbereich. Jeder Handelskonzern hat sein eigenes Gütezeichen, so scheint es zumindest, wenn man sich die Produkte in den Regalen anschaut. Die meisten wurden längst als derbes Greenwashing entlarvt.

Gesetzliche Standards, unabhängige Kontrollen

Was kommt jetzt? Das nächste Konzern-NGO-Gütesiegel? Ich bin skeptisch, ob das wirklich die Lösung ist. Denn ich möchte nicht, dass das Wohl der Tiere dem „freien Markt“ überlassen wird. Genau das geschieht aber, wenn ein Gütesiegel nicht einem gesetzlichen Standard entspricht und die Kontrollsysteme nicht unabhängig sind. Das ist die Stärke des AMA-Gütesiegels, obgleich wir über die „Güte“ gerne diskutieren können.

Ich selbst gehöre zu den schärfsten Kritikern des AMA-Siegels, einfach weil es mir – etwa im Schweinebereich, aber auch bei den Schlachtungen oder Transporten – zu wenig weit geht. Vielfach wird nur der gesetzliche Standard abgebildet und das reicht noch lange nicht für das Prädikat „Gütesiegel“. Aber will ich deswegen, dass die Supermärkte noch einflussreicher werden? Auf keinen Fall. Genau das ist ja eines der Hauptprobleme.

Der Handel macht die Musik

Viele wissen vermutlich nicht, dass der Lebensmittelhandel maßgeblich mitverantwortlich für die Zustände ist, die in der Landwirtschaft vorherrschen. Was er nicht bereit ist zu bezahlen, das kann auch nicht produziert werden. Wenn er auf Masse zum Spottpreis besteht, damit er Fleisch verschleudern kann, dann wird genau dieses System in Gang gesetzt. Denn auf seine Marge verzichtet der Händler niemals.

Ja, die Konsumenten können mit ihrem Griff ins Regal mitentscheiden. Aber was dort liegt, zu welchem Preis und unter welchen Bedingungen produziert, das entscheiden sie nicht. Das ist alleine in der Macht der Handelskonzerne und die nutzen sie eiskalt aus. Bestes Beispiel: Käfigeier. Bei uns verboten, trotzdem massenhaft in den Regalen. Wieso? Weil sie unerkannt in den Produkten stecken. Nein, auf die Handelskonzerne ist kein Verlass.


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