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Billiger Trick: So werden Konsumenten bei Supermarkt-Säften hinters Licht geführt

Ein aktueller Check zeigt, wie hoch der Import-Anteil in Supermärkten ist - und wie ein billiger Trick zu großen Profiten führt.

11/24/2023
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Billiger Trick: So werden Konsumenten bei Supermarkt-Säften hinters Licht geführt

Apfelsaft gehört zu den beliebtesten Säften in Österreich, am meisten wird er in den Supermärkten gekauft. Neben einigen bekannten Markenherstellern sind vor allem auch die großen Handelsketten längst mit Eigenmarken ins profitable Saft-Business eingestiegen. Entsprechend dominieren die Regale von SPAR, BILLA & Co auch die Säfte unter eigener Marke, die dann mitunter von irgendwem und irgendwo abgefüllt werden.

Eine aktuelle Erhebung in österreichischen Supermarkt-Regalen zeigt, dass in der Regel nicht österreichische Äpfel in den Apfelsäften stecken. Der Branchenverband für Obst und Gemüse untersuchte 37 Produkte, das Ergebnis ist ernüchternd: „Dabei kam heraus, dass bei lediglich 42% der Apfelsäfte die Äpfel mit Gewissheit aus Österreich stammen. Bei 50% der Produkte konnte überhaupt keine Information zur Herkunft der Früchte gefunden werden.“

Ein billiger aber lukrativer Trick

Dass die ausländische Ware dominiert, das erkennt man nicht auf den ersten Blick. Denn vielfach steht auf den Packungen sowas wie „sorgfältig abgefüllt in Österreich“ oder „hergestellt in Österreich“, was aber überhaupt nicht bedeutet, dass dafür auch österreichische Äpfel verwendet werden. Dahinter steckt ein billiger aber ebenso lukrativer Trick, der für die Fachleute am Rande der Irreführung schrammt.

Wo der Saft aus Konzentrat gemacht wird, dort ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass die Äpfel aus dem Nirgendwo stammen. Die Äpfel werden zu Konzentrat verarbeitet, mitunter sogar in China, und dann in Österreich zu Saft gemacht. Dass das nicht nur für die Umwelt und das Klima schädlich ist, sondern auch für die heimische Landwirtschaft, das liegt auf der Hand. Fraglich bleibt, wieso der Gesetzgeber so eine Vorgehensweise erlaubt.

In jedem Supermarkt zu finden

Konkrete Beispiele dafür finden sich in vielen Supermärkten. So ist etwa der Eigenmarken-Apfelsaft von SPAR irgendwo in der Europäischen Union hergestellt, mehr Informationen erhält man darüber nicht. Da er aus Konzentrat gemacht ist, könnten die Äpfel sogar von Ländern außerhalb der EU stammen, die dann etwa in Polen zu Saft gemacht werden. Für die Konsumenten sind diese Lieferketten absolut undurchsichtig.

Auch bei Bio-Säften ist die Herkunft nicht automatisch Österreich. So wird etwa der „Ja! Natürlich“-Saft, eine Eigenmarke von BILLA, zwar mit Herkunftsland Österreich angegeben, dass die Äpfel auch heimische sind, das ist aber nicht gesichert. Dass das durchaus möglich ist, das zeigt ein anderes Eigenmarken-Produkt von BILLA. Der „BILLA Apfelsaft klar“ enthält nur heimische Äpfel – kostet aber gleich fast das doppelte wie das Import-Konzentrat.

Drei Preise: Import, Heimisch, Bio

Generell zeigt sich bei den Preisen, dass die heimischen Äpfel offenbar besonders teuer sind, Bio wird zum Luxusangebot. Das konventionelle Einstiegsprodukt bekommt man beim BILLA-wie auch beim SPAR-Konzern um jeweils genau 83 Cent pro Liter, hier steckt das Konzentrat drin und man weiß auch nicht, woher die Äpfel stammen. Die garantiert österreichischen Äpfel wiederum, auch im BILLA-Eigenmarken-Saft, bekommt man um 1,59 Euro pro Liter.

Das Bio-Produkt wiederum, hergestellt in Österreich aber mit Äpfeln unbekannter Herkunft, das kostet satte 2,49 Euro – also dreimal so viel wie das Einstiegsprodukt. Bei SPAR gibt’s den direkt gepressten Bio-Saft von österreichischen Streuobstwiesen um 2,39 Euro pro Liter. Man sieht also, dass sowohl die heimischen Äpfel als auch die Bio-Qualität erheblich teurer ist als das Konzentrat aus dem Ausland. Das Angebot bestimmt bekanntlich die Nachfrage.


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