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      Zur Schächtung ins Ausland: Deswegen gehen die grausamen Tiertransporte weiter

      Die grausamen Lebend-Tiertransporte in Drittstaaten gehen weiter - allen Bekundungen der Politiker*innen zum Trotz. Woran scheitert eine Verschärfung?

      9/10/2021
      • Tiere
      • Deutschland
      • Österreich
      Zur Schächtung ins Ausland: Deswegen gehen die grausamen Tiertransporte weiter

      Während bei uns um jeden Zentimeter an Mehrplatz für Schweine, Hühner und Rinder erbittert gekämpft wird, bringen die Tiertransporte weiterhin jeden Tag zigtausende Tiere ins Ausland. In den Ländern Nordafrikas, in der Türkei oder im Nahen Osten finden sie ihr trauriges Ende. Videoaufnahmen zeigen, dass auch deutsche und österreichische Rinder ohne Betäubung auf offener Straße geschächtet werden. Viele Tiere sterben sogar schon während der Überfahrt auf den Schiffen oder in den tagelangen LKW-Transporten.

      Eigentlich dürften solche Transporte gar nicht mehr genehmigt werden, in Bayern und anderen deutschen Bundesländern gilt bereits seit längerem ein Exportverbot für Drittstaaten, wenn die Einhaltung der europäischen Tierschutzstandards nicht gewährleistet ist. Doch genau hier machen sich die Transporteure eine Lücke in der bundesdeutschen Regelung zunutze, sie exportieren die armen Tiere über Umwege einfach von Niedersachsen aus in alle Welt. Die Veterinärmediziner vor Ort zeigen sich verzweifelt.

      Transporte können nicht gestoppt werden

      Denn auch wenn sie es wollten, sie können die Transporte oftmals gar nicht stoppen. Wo immer sich Amtstierärzte weigern Tiertransporte aus ethischen Gründen abzufertigen, müssen sie persönliche Klagen durch die Transportfirmen fürchten. Das ist auch in Österreich der Fall, wie Berichte belegen. Wie ein aktueller Fall des NDR zeigt, wird über das Drehkreuz Aurich massenhaft in Länder wie Marokko, Libyen oder Ägypten abgefertigt. Der innerdeutsche Transport in diesen Landkreis wiederum kann nicht untersagt werden.

      Das stößt auf heftige Kritik nicht nur bei Tierschützer*innen, sondern auch bei Veterinärmediziner*innen aus anderen Landkreisen, wo das verboten ist. So wundert sich Veterinärin Manuela Freitag im NDR-Gespräch darüber, dass die Transporte von Aurich aus abgefertigt werden, obwohl nachweislich die Einhaltung der europäischen Standards nicht gewährleistet sei: „Insofern kann ich mir gar nicht erklären, warum den Kollegen ganz offensichtlich das Tierwohl völlig egal ist."

      Eine unendliche Geschichte der Verantwortungslosigkeit

      Die Frage der Tiertransporte in Drittstaaten verkommt zur unendlichen Geschichte. Obwohl in Österreich als auch in Deutschland nach eigenem Bekunden niemand mehr die grausamen Lebend-Langstrecken-Transporte möchte, werden sie nach wie vor durchgeführt. Von politischer Ebene zur nächsten wird die Verantwortung weitergeschoben, bis man letztlich bei der Europäischen Union ist, wo man ebenfalls nur die Bekundungen hört, dass man an einer Verschärfung der gesetzlichen Standards arbeite.

      Am Europäischen Parlament wird das jedenfalls nicht scheitern, wo Abgeordnete wie der Österreicher Thomas Waitz bereits seit langem für striktere Transportbedingungen kämpfen und sogar einen eigenen Untersuchungsausschuss durchgesetzt haben, der die realen Bedingungen in Tiertransporten in Europa untersucht. Doch bislang scheitern alle Bemühungen stets an den Nationalstaaten – also just an jenen, die in der heimischen Presse stets beteuern, dass ihnen das Wohl der Tiere am Herzen liegen würde.



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