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      Zeitenwende absehbar: Deutscher Bundesrat will Ende der Tierfabriken

      Nach einem verheerenden Brand in Norddeutschland verlangte die Landesregierung von Mecklenburg-Vorpommern eine Begrenzung der Anlagengrößen - dem hat sich der deutsche Bundesrat nun angeschlossen. Eine Zeitenwende steht bevor.

      7/3/2021
      • Deutschland
      • Landwirtschaft
      Zeitenwende absehbar: Deutscher Bundesrat will Ende der Tierfabriken

      Als sich im Mai der Landwirtschaftsminister von Mecklenburg-Vorpommern kritisch zur Entwicklung der Massentierhaltung äußerte, war die Aufregung groß. Seine Äußerung war eine Reaktion auf den Brand in einer der größten Schweinezuchtanlagen Deutschlands, bei der über 50.000 Ferkel und Schweine verbrannt bzw. erstickt waren. Künftig solle es Größenbeschränkungen für solche Betriebe geben, damit die teils schon lange bekannten Mängel gar nicht erst entstehen könnten. Denn viele Schwachstellen sind ein unmittelbares Resultat der Gigantomanie in der deutschen Fleischindustrie, die auf die Produktion von möglichst großen Mengen an möglichst billigem Fleisch ausgerichtet ist.
       
      Backhaus forderte eine Beschränkung der Größe von Betrieben auch entlang ökologischer Dimensionen, etwa der Fähigkeit sich mit Futter zu versorgen. So sollte auch dem massenhaften Import von Regenwald-Soja ein Riegel vorgeschoben werden. Noch Ende Mai erging ein Antrag der Landesregierung von Mecklenburg-Vorpommern an den deutschen Bundesrat. Auch die übrigen Bundesländer mögen sich der Initiative anschließen und gemeinsam dafür sorgen, dass die nötigen bundesgesetzlichen Änderungen möglichst rasch in Angriff genommen werden. Ein ambitioniertes Vorhaben, doch absolut in Einklang zu bringen mit den Reformplänen der Borchert-Kommission.
       
      Deutscher Bundesrat unterstützt Backhaus-Initiative
       
      Nun, Ende Juni, kam der Antrag im deutschen Bundesrat zur Debatte und fand dabei tatsächlich eine Mehrheit. Damit stellen sich nun alle deutschen Bundesländer hinter das Vorhaben einer Größenbeschränkung und damit einem stufenweisen Ende der gigantischen Tierfabriken. Die deutsche Bundesregierung wurde aufgefordert sich der Frage zu widmen, wie die Begrenzung der Anzahl der gehaltenen Tiere so umgesetzt werden könne, dass es ökologisch und regional vertretbar sei. Laut NDR betonte Backhaus die Notwendigkeit des Umbaus der Landwirtschaft, Deutschland dürfe auch nicht länger auf europäische oder international Vorstöße warten, sondern müsse zum Vorreiter werden.
       
      In der Vision von Backhaus erfolgt die Fleischerzeugung in Deutschland künftig entlang einer flächengebundenen, in die jeweilige Region integrierten Form. Wenn man diesem Anspruch folgt, dann bedeutet das zwangsläufig das Ende der riesigen Mastanlagen für Schweine oder Hühner, die dazu beigetragen haben, dass Deutschland ein zweifelhaftes Image im Bereich der Fleischproduktion genießt. Die Umstellungsprozesse sollten auch dazu führen, dass die deutsche Landwirtschaft mehr Planungssicherheit erlangt, immerhin sind Umstellungen stets mit großen Investitionen verbunden. In Zeiten großen Bauernsterbens, bei dem auch in Deutschland immer mehr Höfe schließen müssen, eine Grundvoraussetzung.



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