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      Verein gegen Tierfabriken & Co: „Gütesiegel“ für Fleisch von Tierschutz-NGOs

      Auch für konventionell arbeitende Landwirte gibt es "Tierwohl"-Gütesiegel von manchen NGOs - etwa von einer Gesellschaft des Verein gegen Tierfabriken (VGT).

      5/29/2022
      • Landwirtschaft
      • Österreich
      • Tiere
      Verein gegen Tierfabriken & Co: „Gütesiegel“ für Fleisch von Tierschutz-NGOs

      Verschiedenste Tierschutzorganisationen in Österreich und Deutschland forcieren ein Ende des Konsums von tierischen Lebensmitteln, propagieren also eine vegane Ernährung. Mit unterschiedlichen Methoden setzen sie sich für einen gesellschaftlichen Bewusstseinswandel ein, etwa mit Demonstrationen und Kampagnen oder mit schockierenden Aufnahmen aus Ställen. Der Verein gegen Tierfabriken (VGT) beispielsweise definiert als sein Hauptziel die Sensibilisierung der Bevölkerung für „ein Ende der tierquälerischen Nutztierhaltung.“

      Gleichzeitig arbeiten manche dieser Organisationen, etwa die VIER PFOTEN aber eben auch der Verein gegen Tierfabriken, entweder direkt oder über eigens von ihnen gegründete Gesellschaften auch mit Konzernen aus Industrie und/oder Handel zusammen und stellen für Fleisch- und Milchprodukte eigene „Gütesiegel“ aus. Neben den mitunter stark polarisierenden Aktivitäten auf der Straße oder in den Medien, gibt es von ihnen also auch einen pragmatischeren Zugang, nämlich die Zusammenarbeit mit Unternehmen, deren Geschäftsmodell die Erzeugung oder der Verkauf von tierischen Lebensmitteln ist.

      Pragmatischer Zugang: „Nutztiere“ sollen Konsumenten als Lebensmittel dienen

      Das Ziel dabei: Bessere Haltungsbedingungen für sogenannte „Nutztiere“, wie Schweine, Hühner & Co dabei von ihnen selbst bezeichnet werden. Ihre Nutzung wird also nicht in Frage gestellt, wie man zum Beispiel auf der Seite der „Gesellschaft!Zukunft!Tierwohl!“ nachlesen kann, die vom Verein gegen Tierfabriken und vom Wiener Tierschutzverein gegründet wurde. Im Vorstand dieser Gesellschaft sitzen Martin Balluch, Obmann des Verein gegen Tierfabriken, und Madeleine Petrovic, Präsidentin von Tierschutz Austria.

      Nutztiere werden gehalten, um dem Konsumenten als Lebensmittel zu dienen. Sei es direkt als Fleisch oder indirekt über Milch und Eier“ liest man dort. Dieser überaus pragmatische Ansatz zieht sich dabei offenbar durch, denn es wird auch festgehalten: „Kein einziges Nutztier hat etwas davon, wenn wir ihm in einer Richtlinie paradiesische Zustände versprechen, wenn dann kein Landwirt in der Lage ist, dieses Paradies auch umzusetzen.“ Viel Verständnis also für die gegenwärtige Situation der Landwirte in Österreich.

      Unterstützung für die heimische Landwirtschaft

      Ziel der Vergabe von Gütesiegeln durch solche Tierschutz-NGOs oder ihre Gesellschaften ist die Unterstützung der Vermarktung von tierischen Lebensmitteln und die Weiterentwicklung der österreichischen Landwirtschaft: „Die Aufgabe der Gesellschaft!Zukunft Tierwohl! ist es, verbesserten Formen der Nutztierhaltung zum Durchbruch zu verhelfen. Produkte aus verbesserten Tierhaltungsformen (Eier, Milch, Fleisch) sollen bei der Vermarktung unterstützt werden. Das kann nur gelingen, wenn solche Produkte für den Konsumenten klar erkennbar sind.“

      Die Bäuerinnen und Bauern, die aufgrund baulicher Gegebenheiten, aufgrund einer angespannten Finanzsituation oder aus anderen Gründen (noch) nicht in der Lage sind ihre Tiere so zu halten, wie sich viele Menschen das wünschen, werden also vom Verein gegen Tierfabriken über seine Gesellschaft dabei unterstützt ihre Betriebe fortzuführen und weiterzuentwickeln. Das ist eine wertvolle Unterstützung, denn auch wenn das immer wieder gefordert wird, die Umstellung zu mehr Tierwohl ist kostenintensiv und dauert lange.

      Und sie können auch nicht gegen die Interessen und Lebensrealitäten der heimischen Landwirtschaft erfolgen, wie eingeräumt wird: „Verbesserungen für die Nutztiere werden nur erreicht, wenn die Landwirte die notwendigen Änderungen umsetzen können und die Konsumenten das bessere Produkt auch akzeptieren. Der Weg zu einer sehr guten Nutztierhaltung funktioniert nur Schritt für Schritt von einer verbesserten Nutztierhaltung über eine gute Nutztierhaltung bis zum Ziel einer sehr guten Nutztierhaltung!

      Auch für Konventionelle: Verschiedene Formen von „Tierwohl“

      Dass die Konsument*innen sich für entsprechende Produkte entscheiden sollen, wird auch nicht in Abrede gestellt: „Der Konsument soll sich anhand der klaren Kennzeichnung für Produkte aus guter Tierhaltung entscheiden.“ Hier wird also nicht gegen den Fleisch- oder Milchkonsum agitiert, sondern dieser sogar durch die Vergabe von „Gütesiegeln“ in unterschiedlichen Abstufungen befördert. Es gibt also offenbar auch verschiedene Stufen von „Tierwohl“ in diesem Fall, je nachdem, wie weit der Betrieb schon ist.

      Denn auch für konventionell produzierende landwirtschaftliche Betriebe gibt es von der VGT-Gesellschaft ein eigenes Gütesiegel, nämlich das Prädikat „Tierwohl verbessert“. Bedingung dafür ist, dass deutliche Verbesserungen umgesetzt wurden. Die Fixierung im Kastenstand bei Zuchtsauen, die Enthornung bei Milchkühen, oder auch Kälbertransporte sind jedoch zum Beispiel weiterhin erlaubt und die Verbesserungen müssen explizit auch nicht für die gesamte Produktionskette gelten, sondern es reicht, wenn nur Teilbereiche betroffen sind.

      Zum Einsatz kommen diese Gütesiegel übrigens etwa beim milliardenschweren Diskonter HOFER. Das „FairHof“-Programm des Konzerns rühmt sich damit, dass seine Produkte nach den Standards der genannten Tierschutz-NGO-Gesellschaft ausgezeichnet sind. Von Greenpeace wird das „Tierwohl kontrolliert“-Gütesiegel von VGT & Co zwar als vertrauenswürdig eingestuft, doch leichte Kritik scheint durch: „Durch die Verwechselbarkeit der Zeichen untereinander sind die Gütezeichen jedoch erst bei genauem Hinsehen zu empfehlen.“


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