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Studie warnt: Chemikalien noch weitaus schädlicher als gedacht

Eine neue Studie zeigt, wie schädlich die auf fossilen Brennstoffen basierenden Chemikalien für unseren Planeten sind.

6/2/2022
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Studie warnt: Chemikalien noch weitaus schädlicher als gedacht

Der CO2-Fußabdruck einer Chemikalie reicht nicht aus, um ganzheitlich zu erfassen, wie ökologisch nachhaltig sie tatsächlich ist. Denn: Chemikalien, die höhere Treibhausgasemissionen verursachen, weisen nicht unbedingt einen höheren Grad an Umweltschädlichkeit auf.

Um zu beurteilen wie "grün" eine Chemikalie ist, beruft sich die heute übliche Praxis auf den CO2-Fußabdruck - also die Verrechnung der Treibhausgasemissionen, die vom Rohstoff über die Produktion bis hin zur Entsorgung verursacht werden. Aber: Dieser Wert gibt nur begrenzt wieder, inwieweit die chemischen Produkte tatsächlich das Ökosystem Erde belasten. Zu diesem Schluss kommen Forscher der ETH Zürich in einer im Fachmagazin "Green Chemistry" veröffentlichten Studie.

Problemverlagerung droht

"Der Klimawandel ist nicht das einzige Problem", sagte denn auch Javier Pérez-Ramírez, ETH-Professor für Katalyse-Engineering, gemäß einer Mitteilung seiner Hochschule. "Wenn wir uns nur auf Lösungen konzentrieren, die den CO2-Ausstoß senken, verlagern wir die Probleme womöglich in einen anderen Bereich und verschlimmbessern die Umweltsituation sogar."

Gemeinsam mit seinen Kollegen hat Pérez-Ramírez deshalb die Umweltverträglichkeitsprüfung erweitert: Sie erstellten eine umfassende Ökobilanz für 492 Chemikalien durch die Brille von sieben planetarischen Grenzen, die niemals überschritten werden sollten. Dazu gehören neben Werten für den Klimawandel unter anderem der Abbau der Ozonschicht, die Versauerung der Ozeane oder die atmosphärische Aerosolbelastung.

In ihrer Studie kommen die Forscher zum Schluss: Die überwältigende Mehrheit der Produkte, nämlich 99,4 Prozent, sprengen mindestens eine der planetaren Grenzen. In einigen Fällen sogar um mehr als das 200-fache. Nur drei Chemikalien dürften als vollkommen "grün" bezeichnet werden. Aus den Resultaten schließen die Forscher, dass der Kohlenstoff-Fußabdruck nicht die einzige Kennzahl sein sollte, um den Grad an Umweltschädlichkeit eines Produkts zu bewerten. Dies, obwohl fossile Chemikalien die planetaren Belastungsgrenzen Klimawandel, Ozeanversauerung und Unversehrtheit der Biosphäre am deutlichsten überschreiten.

Fossile Rohstoffe überwinden

Noch werde das Kohlenstoff-Grundgerüst, aus dem die meisten Chemikalien bestehen, zu über 85 Prozent aus fossilen Rohstoffen gewonnen, schrieb die ETH. Die Studie quantifizierte nun erstmals auf globaler Ebene, wie wichtig es sei, dass die chemische Industrie
von den Fossilen wegkomme.

Die Forscher betonen zudem, dass die Bewertungen zur Nachhaltigkeit idealerweise auch die wirtschaftliche und soziale Dimension abdecken sollten. Dazu müssten die planetaren Grenzen um zusätzliche Variablen ergänzt werden und bestenfalls im Einklang mit den UNO-Zielen für eine nachhaltige Entwicklung (SDG) stehen.

(oekoreich/APA)


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