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Neues Tierhalte-Label: Was steckt hinter den verschiedenen Stufen?

Ab Mitte 2025 wird es in Deutschland deutlich mehr Transparenz geben - doch wie genau sieht die Regelung aus? Wir haben alle Antworten.

3/15/2024
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Neues Tierhalte-Label: Was steckt hinter den verschiedenen Stufen?

In Österreich wird darüber noch intensiv verhandelt, in Deutschland ist man bereits einen bedeutsamen Schritt weiter: Ab 1.8.2025 wird es bundesweit eine staatliche Tierhaltungs-Kennzeichnung geben. Zunächst gilt diese zwar nur für Schweine bzw. Schweinefleisch, sie soll dann aber auf alle Tiere und Fleischarten ausgeweitet werden. Und sie soll in weiterer Folge auch für die Gastronomie gelten, wo bislang wenig Transparenz herrscht.

Mit dem neuen staatlichen Label wird auch ein verlässlicher Standard geschaffen, der anders, als die oft von Konzernen selbstgestalteten und selbst kontrollierten „Gütesiegel“, tatsächlich erhebliche Aussagekraft besitzen. Doch welche Stufen gibt es und was sagen die konkret aus? Die Skala ist fünfstufig aufgebaut und reicht vom gesetzlichen Mindeststandard bis zum Bio-Standard, der auch in der ganzen Europäischen Union einheitlich ist.

Stufe 1: Gesetzlicher Mindeststandard

Die Basisvariante „Stall“ bildet den Status Quo in den allermeisten deutschen Ställen ab. Betroffen davon sind weit über 90 Prozent der über 25 Millionen deutschen Schweine. Den Tieren stehen zwischen 0,5 und 1 Quadratmeter an Platz zur Verfügung, je nach Gewichtsklasse. Ein Schwein mit bis zu 50 Kilogramm Gewicht hat einen halben Quadratmeter zum Leben, bei über 110 Kilogramm ist es ein Quadratmeter. Die Tiere haben überhaupt keinen Zugang zum Außenbereich und bekommen auch kein Stroh.

Stufe 2: Etwas mehr Platz

Die darauf aufbauende zweite Stufe, sie wird „Stall + Platz“ genannt, bietet den Tieren geringfügig mehr Platz. Genauer gesagt 12,5 Prozent mehr, das bedeutet bei einem bis zu 50 Kilogramm schweren Schwein eine Fläche von 0,563 Quadratmeter, bei über 110 Kilogramm sind es 1,125 Quadratmeter. Den Tieren wird außerdem auch Stroh oder Heu zur Verfügung gestellt und die Tierhalter haben die Wahl, ob sie den Schweinen entweder mehr Abwechslung im Stall oder einen Auslauf zur Verfügung stellen.

Stufe 3: Zugang zu frischer Luft

Die dritte Stufe namens „Frischluftstall“ bringt nochmal geringfügig mehr Platz im Stall sowie den Tieren „dauerhaften Kontakt zum Außenklima“. Das bedeutet, dass sie entweder ganztägigen Zugang zu Freilauf haben müssen oder einen Auslauf, der ihnen die „Wahrnehmung von Umwelteindrücken“ ermöglicht, was auch immer das in der Praxis bedeuten kann. Zumindest in der letzten Mastphase. Bei bis zu 50 Kilogramm sind es jetzt 0,7 Quadratmeter an Platz, bei über 110 Kilogramm sind es 1,3 Quadratmeter.

Stufe 4: Ein Leben auf der Weide

Die bislang letzte Stufe, die künftig die vorletzte Stufe ist, bringt deutliche Verbesserungen gegenüber dem gesetzlichen Mindeststandard. Bei „Auslauf/Weide“ stehen mindestens 50 Prozent mehr Platz für die Schweine zur Verfügung, sie haben außerdem jederzeit Zugang zum Freibereich. Außerdem verfügen sie über einen eingestreuten Liegebereich. Alternativ können Schweine auch dauerhaft im Freien leben, ohne festen Stall. Auf der Weide können sie eine „Schutzeinrichtung mit Liegebereich“ nutzen.

Stufe 5: Bio ist besser

Bleibt noch die fünfte und letzte Stufe, das ist künftig der Bio-Bereich. Satte 150 Prozent mehr Platz als beim gesetzlichen Mindeststandard haben die Schweine hier, das sind bei 50 Kilogramm 0,8 Quadratmeter im Stall und 0,6 Quadratmeter im Freien. Die Bio-Standards schreiben auch einen strengen Einsatz von Antibiotika vor, außerdem wird auch bei den Futtermitteln auf biologisch erzeugtes Futter gesetzt. Dieses muss im Ausmaß von 30 Prozent entweder vom eigenen Betrieb oder aus der Region stammen.

Auch in Österreich ist die Diskussion über ein staatlich kontrolliertes Gütesiegel, das mehr über die Qualität und die Regionalität aussagt, ist voll entbrannt. Bereits das erfolgreiche Tierschutzvolksbegehren aus dem Jahr 2021, das von über 416.000 Menschen unterschrieben wurde, hatte die Kennzeichnung nach Herkunft und Haltung als zentrale Forderung. Umgesetzt wurde das, trotz des starken Votums, von den Parteien bislang nicht. Doch das könnte sich nun rasch ändern, denn der Druck steigt.

Nachdem viel Fleisch und Fleischprodukte, etwa Speck, aus Österreich nach Deutschland exportiert wird, müssen sich diese zwangsläufig ins neue System einreihen bzw. mit diesem vergleichbar sein. Daher stellt sich die Frage, wie lange das kleine Österreich noch auf Intransparenz setzen möchte. Spätestens Mitte 2025, wenn in Deutschland das fünfstufige Modell in der Praxis ankommt, wird niemand mehr verstehen, wieso ausgerechnet in Österreich ein solches Label nicht möglich sein sollte – etwa über das AMA-System.


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