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      „Mit anderer Herkunft“: Woher kommen die Früchte im Joghurt?

      Ein Gütesiegel beweist die Herkunft, ein rot-weiß-rotes Herz unterstreicht die Regionalität - doch woher stammen die Früchte im Joghurt? Wir haben nachgefragt.

      4/28/2022
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      • International
      „Mit anderer Herkunft“: Woher kommen die Früchte im Joghurt?

      Eigentlich sollte es ja eine sehr klare Sache sein: Auf der Packung steht „Hergestellt in Österreich“, dazu sieht man noch ein rot-weiß-rotes Herz. Außerdem prangt das AMA-Gütesiegel auf dem Becher, ein eindeutiger Beweis dafür, dass die verwendete Milch für das gegenständliche Joghurt aus Österreich stammt. Also alles heimisch und gut?

      Nicht ganz, denn ein kleiner Hinweis irritierte einen Konsumenten kürzlich beim Kauf des „CLEVER Heidelbeer Joghurt“ in einem BILLA-Supermarkt. Auf der Rückseite des Produkts steht nämlich „Mit Heidelbeeren und Heidelbeersaft anderer Herkunft“. Und was genau bedeutet das jetzt? Eine gute Frage, der wir natürlich gerne nachgegangen sind.

      Eine Antwort – ohne Erkenntnisgewinn

      Wir haben den REWE-Konzern damit konfrontiert und – wie gewohnt – auch rasch eine entsprechende Antwort erhalten. Allein: Wir wissen nun leider immer noch nicht viel mehr als vorher. Aber lesen Sie selbst, was das Unternehmen uns wissen lässt:

      „Das Heidelbeer-Joghurt unserer Eigenmarke CLEVER besteht aus heimischem Joghurt und wird auch gänzlich in Österreich hergestellt. Das Produkt trägt zudem das AMA-Gütesiegel. Die Herkunft, der für dieses Produkt verwendeten Heidelbeeren, hängt jedoch von deren Verfügbarkeit ab, weswegen die Nennung eines konkreten Herkunftslandes nicht möglich ist.“

      nullhttps://www.cleverleben.at/produkte/3826/heidelbeer-joghurt
      Spottbillig - aber mit fragwürdigem Inhalt, zumindest was die Beeren betrifft
      „Blaubeere“: Auch außerhalb der Saison erhältlich

      Die Saison für Heidelbeeren in Österreich ist von Ende Juni bis in den September hinein. Dass im April also keine erntefrischen Heidelbeeren aus Österreich für die Verarbeitung in Joghurts zur Verfügung stehen, ist irgendwie logisch. Dass in diesem Joghurt aber überhaupt erntefrische Heidelbeeren verarbeitet werden, ist eher unwahrscheinlich. Beeren können im tiefgefrorenen Zustand gut und gerne bis zu 8 Monate lang halten.

      Man könnte also durchaus auch heimisches Obst für die Herstellung von Joghurts verwenden. Immerhin wurden 2020 ganze 1,5 Millionen Kilo Heidelbeeren in Österreich geerntet. Und dennoch finden sich fast ausschließlich importierte Beeren in den Supermarktregalen. Die in anderen Ländern als „Blaubeere“ bezeichnete Frucht wird in Europa am meisten in Polen angebaut, gefolgt von Spanien, Deutschland und Portugal.

      Katastrophale Bedingungen bei der Beeren-Ernte

      Insbesondere in Portugal sind die Missstände beim Anbau von Beeren gewaltig. In umfangreichen Recherchen, auch oekoreich berichtete, wurden die katastrophalen Bedingungen für Arbeitskräfte auf den Feldern geschildert. Von moderner Sklaverei ist in Berichten die Rede, ganz zu schweigen von den negativen Auswirkungen auf die Umwelt, die der hohe Einsatz von Pestiziden und der wasserintensive Anbau mit sich bringen.

      Es wäre daher umso wichtiger zu erfahren, woher genau die Heidelbeeren im „CLEVER“-Joghurt stammen. Schade, dass der REWE-Konzern genau das offenbar nicht offenlegen möchte, wie seine Antwort suggeriert. Denn auch wenn sich Verfügbarkeiten wandeln können, eine grundsätzliche Information über die Importländer müsste eigentlich leicht möglich sein. Vorausgesetzt, dass man seine Kund*innen gut informieren will.


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