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    Marktcheck: So wenig heimischen Honig findet man im Supermarkt

    Nur 4 von 27 Honigen enthalten nachweislich österreichischen Honig. Woran liegt das? Wir haben bei BILLA nachgefragt und noch weitere spannende Infos zusammengetragen.

    5/28/2021
    • Ernährung
    • Landwirtschaft
    Marktcheck: So wenig heimischen Honig findet man im Supermarkt

    Aufmerksame oekoreich-Leser*innen haben uns vor einigen Wochen bereits darauf aufmerksam gemacht, dass die neue „Bio Billa“-Linie durch viele Importwaren auffällt. Von der Gurke aus Spanien bis hin zu Eiern aus dem nicht näher definierten Ausland. Und auch der Honig scheint sehr weit gereist zu sein, einen exakten Herkunftsort findet man aber nicht immer. Gerade beim Honig wollten wir nun aber genauer nachfragen. Und haben daher einen kleinen Marktcheck beim REWE-Konzern gemacht, der Auslöser der aktuellen Honigdebatte war.

    Oftmals stammt der Honig auch einfach aus "unbekannter" Herkunft


    Im Online-Shop von BILLA fanden sich zum Zeitpunkt der Recherche Mitte Mai 2021 ganze 27 verschiedene Honige. Eine beeindruckende Auswahl also. Ob im Glas oder in der Plastikverpackung, in unterschiedlichen Größen und in allerlei Farben kommen die verschiedenen Sorten und Arten von Honig daher und laden zum Bestellen ein. Wer jedoch nach Honig aus gesicherter österreichischer Erzeugung sucht, der muss schon ganz genau hinschauen und wird auch nach intensiver Durchsicht dennoch enttäuscht bleiben.
     
    Das sagt BILLA zu unserer Anfrage
     
    Denn lediglich 4 von 27 Produkten, das entspricht gerade mal 14 Prozent, enthalten rein österreichischen Honig. Der Rest stammt aus der Türkei, aus Mexiko oder aus Bulgarien, aus Griechenland und aus Spanien – und oftmals auch einfach aus unbekannter Herkunft. Manche Erzeuger schreiben zumindest noch drauf, dass der Honig von außerhalb Europas stammt, aus "Nicht-EU-Landwirtschaft", aber bei manchen Honigen fehlt ein genauer Hinweis auf die Herkunft. Wir finden das nicht unbedingt vertrauenserweckend.
     
    Wir haben bei BILLA direkt nachgefragt, ob sie dieses Ungleichgewicht bestätigen können und haben eine freundliche Antwort erhalten. Hier ein Auszug: „Wir arbeiten stetig an unseren Sortimenten und setzen einen großen Fokus auf Regionalität, Nachhaltigkeit und Herkunft. Aufgrund der schlechten Honigernten der vergangenen zwei Jahren ist es für uns und unsere Lieferanten eine große Herausforderung, genügend österreichische Ware zur Verfügung stellen zu können (…)“ sagt Paul Pöttschacher, Pressesprecher der REWE Group.
     
    Ukraine, Thailand – und weiß Gott woher noch
     
    Unsere kleine Onlinerecherche wurde also bestätigt und der Hauptgrund dürfte sein, dass es schlicht zu wenig Honig in Österreich gibt. Und tatsächlich, ein Blick in die amtliche Produktions-Statistik zeigt, dass die Selbstversorgungsrate bei Honig bei aktuell lediglich 44 Prozent liegt. Jedes Jahr müssen über 6,6 Millionen Kilo Honig aus dem Ausland importiert werden. Zu den größten Lieferanten zählen Deutschland und die Ukraine, aber auch Uruguay und Thailand liefern große Mengen an Honig nach Österreich. Eine absurd weite Reise.

    Auch bei Honig: Wir brauchen die Herkunftskennzeichnung


    Doch Achtung, die Lieferketten sind noch bedeutend länger als sie auf den ersten Blick scheinen: Im Rahmen der Beantwortung einer parlamentarischen Anfrage im Januar 2021 wies das österreichische Landwirtschaftsministerium darauf hin, dass Honigimporte aus EU-Ländern vielfach in Wahrheit aus Drittstaaten stammen und in der EU lediglich abgefüllt wurden. Und noch absurder ist die Info, dass es in Österreich tatsächlich auch Unternehmen gibt, die Honig aus Drittstaaten importieren, hier abfüllen und dann erneut exportieren.
     
    Was wir brauchen, wenn es anders werden soll
     
    Schlechte Ernten lassen sich nur bedingt beeinflussen, das können wir dem Konzern nicht vorwerfen. Es gibt aber wohl deutlich mehr heimischen Honig, als die 14 Prozent im Regal. Dennoch ist auch die Politik gefordert auf zwei Ebenen aktiv zu werden, um die schlechte Eigenversorgungslage langfristig zu ändern. Zum einen muss die verpflichtende und umfassende Herkunftskennzeichnung endlich durchgesetzt werden, damit die heimischen Konsumenten auch verstärkt zum heimischen Honig greifen können. Mehr Nachfrage, mehr Produktion.
     
    Gleichzeitig muss aber auch gezielt in den Aufbau von regionalen Kapazitäten investiert werden. Denn gerade bei landwirtschaftlichen Erzeugnissen gilt auch mehr Förderung, mehr Produktion. Und schließlich sind die Handelskonzerne gefordert, alles an verfügbarer Ware aus nachweislich österreichischer Herkunft in die Regale zu stellen. Die Bekundung, das auch zu machen und regionale Produzenten zu unterstützen, ist jedenfalls vorhanden – sagt BILLA. Dann können wir nur hoffen, dass sie das auch wirklich machen.



    In eigener Sache: Wir decken auf, wir fragen nach, wir bauen ein Gegengewicht auf. Das gefällt den Konzernen natürlich nicht, umso wichtiger ist der Rückhalt vieler Menschen. Bitte unterstützt unsere Arbeit! Jeder Beitrag hilft. Danke!

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