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Laborfleisch: Das sind die wichtigsten Pro & Contra-Argumente

Die Debatte über aus Laboren stammendes Kunstfleisch nimmt in Europa einen immer größeren Raum ein.

5/21/2024
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Laborfleisch: Das sind die wichtigsten Pro & Contra-Argumente

In einigen Staaten der Welt ist „Laborfleisch“ bzw. Fleisch aus künstlicher Produktion bereits erlaubt, beispielsweise in den USA. Im Gegensatz zum konventionellen Fleisch von Tieren ist dieses zumindest in der Theorie nicht an Tiere oder deren Leid gebunden. Dass es in der Praxis aber nicht ganz frei von ihnen ist, sieht man etwa daran, dass Gewebefasern aus Muskeln von Rindern entnommen werden, die mithilfe von Wachstumsserum sowie Nährstoffen (Zucker, Mineralien, Aminosäuren) im Labor zu Fleisch werden – die Methode nennt sich „Bioprinting“.

Aus besagter Zucht kommt dann, unter Einsatz vieler Ressourcen wie etwa Wasser und Energie, künstliches Fleisch heraus. Auf den ersten Blick macht das einen spannenden und vor allem auch ökologisch wertvollen Eindruck, dennoch schadet es nicht, diese Methode näher unter die Lupe zu nehmen und die wichtigsten Pro- bzw. Contra-Argumente aufzuschlüsseln. Denn ganz so einfach, wie es auf den ersten Blick wirkt, ist es dann doch nicht. Und trotzdem prognostizieren Experten dem „Laborfleisch“ einen wahren Siegeszug in einigen Jahren.

Pro

Wie der Name schon verrät, wird Laborfleisch (auch In-vitro-Fleisch genannt) künstlich erschaffen, stammt also nicht aus konventioneller Landwirtschaft. Mehrere positive Aspekte dieser Methode lassen sich ins Feld führen. Zum einen kann damit die Fleischversorgung, die im Laufe der letzten sechzig Jahre massiv angestiegen ist, auf Dauer gesichert werden. Es wird damit gerechnet, dass sich der Konsum von Fleisch bis zum Jahr 2050 noch einmal verdoppelt im Vergleich zum Jahr 2000. Weiters muss für diese Art der Herstellung kein Tier leiden oder geschlachtet werden – da die Gewebefasern per Biopsie ohne größere Schmerzen entnommen werden können.

Dazu kommt noch der geringere CO2-Aufwand bei der Herstellung. Ebenfalls müssen Tiere weder in Massenhaltung noch unter schlechten Bedingungen auf einem Raum gehalten werden, müssen nicht Massen an Medikamente konsumieren. Nicht zuletzt ist auch der Umweltaspekt berücksichtigenswert, denn die konventionelle Tierzucht verbraucht große Mengen an Anbauflächen zur Futtererzeugung. Schätzungsweise 26 Prozent der Landfläche weltweit wird von und für die Fleischproduktion verwendet. Durch den Wegfall der Massentierhaltung würde auch weniger Ammoniak und Methan freigesetzt, was den Treibhauseffekt merklich reduzieren würde.

Contra

Dem gegenüber stehen einige erhebliche Vorbehalte, weswegen das Laborfleisch auch in breiten Teilen der Bevölkerung ziemlich umstritten ist – insbesondere aber in der Landwirtschaft, die sich existenziell gefährdet sieht. Zum einen betrifft die Kritik die Art der Herstellung, die auf erheblichen Ressourcenaufwand, insbesondere von Wasser und Energie, angewiesen ist. Der Strombedarf dürfte bei der Erzeugung im „Bioreaktor“ um einiges höher sein als in der konventionellen Landwirtschaft. Damit würde die CO2-Bilanz nur dann geringer ausfallen, wenn es sich um „grünen“ Strom handeln würde – eine Realität, von der wir auch bei uns noch weit entfernt sind.

Gezüchtetem Fleisch müssten auch weitere Nährstoffe und Fette zugesetzt werden, da ansonsten das Fleisch eine kaum essbare Konsistenz aufweisen würde. Für die Züchtung sind Wachstumsmittel notwendig, um die Stammzellen gedeihen zu lassen. Als bekanntestes Mittel wird Kälberserum aus dem Blut frisch geborener Kälber genutzt. Diese Methode würde aber nicht nur die Schlachtung der Mutterkuh, sondern auch gewaltige Schmerzen und den Tod für das Kalb bedeuten. Pro Kalb können ein halber Liter Serum gewonnen wären, für 800.000 Liter müssten 1,6 Millionen Kälber und mit ihnen 1,6 Millionen Mutterkühe leiden und sterben. Es wird nach Möglichkeiten geforscht, das Serum künstlich mithilfe von Pilzen und Algen zu reproduzieren – Kalbsblut wird nicht mehr genutzt.

Nicht zuletzt führen viele Menschen ins als Contra-Punkt ins Feld, dass die kleinbäuerliche Landwirtschaft zugunsten von Konzernen verschwinden würde. Wenn einige Bioreaktoren im urbanen Raum das Ersatzfleisch produzieren, wer pflegt dann den ländlichen Raum? Die heimische Landwirtschaft erzeugt mehr als nur Fleisch.

Wie geht es weiter?

Während Singapur als erstes Land der Nutzung von Laborfleisch die Zustimmung erteilte und immer mehr Länder nun nachziehen, ist die Skepsis andernorts größer. Als erste Nation verbot Italien die Produktion, den Verkauf und sogar den Konsum von Laborfleisch im November 2023. Mehrere Unternehmen, die sich der Forschung und der Produktion von Laborfleisch verschreiben, operieren in Europa - in Belgien, den Niederlanden, Spanien und der Tschechischen Republik – die meisten sitzen aber in den USA, Israel, Kanada und Großbritannien. Erhebliche Fortschritte in der Entwicklung haben dazu geführt, dass auch in europäischen Staaten eine Zulassung überlegt bzw. geprüft wird.

Ein Blick auf Österreich eröffnet ein kurioses Bild zum Thema. Einerseits steht da die konventionelle Landwirtschaft, die sich aus logischen Gründen gegen das Laborfleisch ausspricht. Zum einen aus der Furcht, dass sie ihre Arbeitsplätze verlieren könnten, zum anderen wollen sie sich weiterhin für die natürliche Haltung von Tieren. Wiederum andere geben der Kritik recht und weisen auf pflanzliche Produkte hin, die nicht nur für die Umwelt, sondern auch für die Menschen besser sind. Manche Bauern sehen die Lösung recht simpel: weniger Fleisch, aber dafür von guter Qualität soll der Weg in die Zukunft sein – weg von der Massentierhaltung hin zur kleinen Landwirtschaft.

Andererseits kritisieren Gruppen von Veganer:innen solche Aussagen, weil diese in ihren Augen ein Ablenken vom Scheitern sei. In den letzten zehn Jahren sei der Anteil des Fleischkonsums in Österreich zurückgegangen, dennoch hätte die Politik weiterhin auf Massentierhaltung gesetzt. Als Gegenantwort hoben sie die Bemühungen Dänemarks zum Umstieg der Landwirtschaft auf rein pflanzliche Produkte hervor. Sie sind eher für das Kunstfleisch, da es kein Tierleid verursache.


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