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Kriminell oder notwendig: Bauer & Tierschützer diskutierten über Stalleinbrüche

Eine sehenswerte Diskussion fand kürzlich im Privatfernsehen statt.

4/29/2023
  • Landwirtschaft
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  • Österreich
Kriminell oder notwendig: Bauer & Tierschützer diskutierten über Stalleinbrüche

Es ist einer der Dauerbrenner in der Landwirtschaft und meistens gehen dabei die Emotionen hoch. Die Rede ist von Stalleinbrüchen, also dem unbefugten Betreten von Ställen. Diese unbefugten Zutritte sind die Grundlage für viele Aufdeckungen im Tierschutzbereich, zahlreiche Skandale sind nur deswegen ans Tageslicht gekommen, weil anonyme Aktivist*innen im Schutze der Nacht in die Ställe einbrachen und dort filmten. Genehmigung hatten sie natürlich keine, somit haben sie eine Gesetzesübertretung begangen.

Doch gibt es eine Art „höhere Rechtfertigung“ für ihr Vorgehen, auf einer moralischen Ebene? Wie geht es den betroffenen Landwirten und wie sehen das die Tierschützer, die sich auf diese Aufnahmen stützen und somit viel ins Rollen gebracht haben? Genau darüber haben kürzlich der steirische Landwirt Josef Kaiser und der niederösterreichische Tierschützer Georg Prinz diskutiert. Auf Einladung von Sebastian Bohrn Mena haben sie sich zum zweiten Mal bei oe24 getroffen, um über dieses brennende Thema zu sprechen.

Emotionale Belastung vs. Recht auf Information

Die Diskussion war um einiges hitziger als beim ersten Aufeinandertreffen, doch man blieb freundlich und respektvoll. Die Standpunkte könnten unterschiedlicher nicht sein, Landwirt Josef Kaiser sprach von einer starken emotionalen Belastung, wenn man nicht wisse, ob nicht jemand in der Nacht im Stall gewesen sei. Es würde außerdem ein Hygiene-Risiko bestehen, immerhin könnten Keime in die Ställe getragen werden. Er habe Verständnis für das Transparenz-Bedürfnis der Öffentlichkeit, lehne diese illegalen Zutritte jedoch ab.

Anders sieht das naturgemäß VGT-Mitarbeiter und Tierschützer Georg Prinz, er argumentierte mit dem Recht der Öffentlichkeit auf Information und der Notwendigkeit der Dokumentation von Missständen. Hätten die Menschen nicht die teils katastrophalen Zustände in einzelnen Ställen mit eigenen Augen auf Videos gesehen, vieles wäre in der Landwirtschaft nicht in Bewegung geraten. Die Einbrüche der anonymen Aktivist*innen seien also ein notwendiges Instrument zur Weiterentwicklung.

Überraschender Konsens am Ende

Eine Einigung gab es erwartungsgemäß bei diesem Punkt also nicht, sehr wohl jedoch konnte gegen Ende der Sendung ein Konsens in einem anderen Bereich erzielt werden – und zwar bei der Frage der Videoüberwachung in Schlachthäusern. Dort, wo zuletzt die Misshandlung von Tieren auf geheimen Kameras in der Steiermark aufgezeichnet wurde, würde eine solche Überwachung auch eine präventive Wirkung entfalten. In sensiblen Bereichen in Schlachthäusern könnte sich das auch Josef Kaiser vorstellen.

Der Ball in dieser Frage liegt nun bei den beiden zuständigen Bundesministern Johannes Rauch (Tierschutz) und Norbert Totschnig (Landwirtschaft). Die Überwachung der Einhaltung der Tierschutzstandards in Österreich liegt beim Gesundheitsministerium, für den Vollzug der gesetzlichen Bestimmungen sind die Länder bzw. Bezirke verantwortlich. Eine breite Diskussion darüber, ob es hier an Personalressourcen fehlt, ist spätestens seit der Causa Titz und dem offenkundigen Versagen der Kontrollstruktur voll im Gange.

Die ganze Sendung kann übrigens hier nachgesehen werden.


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