Reportage

Gegen Verschwendung: Hier wurden bereits tausende Portionen Essen gerettet

Unmengen an Ressourcen landen in Form von genussfähigen Lebensmitteln in den Mülleimern der Gastronomie - aber nicht hier.

12/25/2022
  • Österreich
  • Ernährung
Gegen Verschwendung: Hier wurden bereits tausende Portionen Essen gerettet

Für die Herstellung von einem durchschnittlichen Laib Brot mit einem Gewicht von circa 1,5 Kilogramm, benötigt man rund 24.000 Getreidekörner und beansprucht etwa 1,5 Quadratmeter Land. Für die Erzeugung von einem Kilogramm Schweinefleisch werden nicht nur 3 Kilogramm Futter, sondern auch rund 6.000 Liter Wasser verwendet. Von der Menge an eingesetzter Energie und bäuerlicher Arbeit noch gar nicht zu sprechen.

Wenn also Brot, Fleisch & Co im Mülleimer landen, dann landen dort auch ganz viele natürliche Ressourcen. Und genau das passiert leider in Österreich im großen Stil. Neueste Schätzungen gehen davon aus, dass bis zu 40 Prozent der global erzeugten Lebensmittel nie gegessen werden. Das entspricht rund 2,5 Milliarden Tonnen an genießbarer Nahrung. In Österreich sind es aktuell rund eine Million Tonnen Lebensmittel.

Wachsender Faktor bei Klimakrise

Das ist nicht nur eine Schande angesichts dessen, dass immer mehr Menschen sich gerade in Krisenzeiten schwer damit tun, noch täglich satt zu werden. Für sie wäre also eigentlich mehr als genug Essen da, es ist nur falsch verteilt. Aber die Verschwendung ist auch für den Umwelt- und Klimaschutz ein enorm großes Problem, denn rund 10 Prozent der globalen Treibhausgase sind auf die Erzeugung der weggeworfenen Lebensmittel zurückzuführen.

Ein nicht unwesentlicher Teil der Lebensmittelverschwendung entsteht in der Gastronomie, schätzungsweise bis zu 20 Prozent aller vermeidbaren Abfälle fallen im Außer-Haus-Bereich an. Entweder durch falschen Einkauf, durch eine schlechte Handhabung in der Küche oder dadurch, dass die Portionen falsch kalkuliert werden und daher massenhaft Essen übrigbleibt. All das ist traurige Realität auch in österreichischen Restaurants.

Extrem niedrige Lebensmittelverluste

Es geht aber auch anders. Ganz anders. Einen solchen anderen Weg beschreiten hier die 49 XXXLutz-Restaurants im ganzen Land. Denn einerseits wird bereits im Einkauf der Waren penibel darauf geachtet, dass wirklich nur das bestellt wird, was tatsächlich in den Küchen benötigt wird. Jeder unnötige Einkauf von Lebensmitteln wird vermieden, was bei 9 Millionen Gästen pro Jahr gar nicht so einfach abzuschätzen ist.

Und so kommt man in den Lutz-Restaurants auf eine für Großküchen extrem niedrige Verlustrate. Denn werden in österreichischen Großküchen im Schnitt rund 22 Prozent der ausgegebenen Essensmenge als Lebensmittelabfälle entsorgt, sind es in der XXXLutz-Gastronomie maximal 2 Prozent. Mit einer solch niedrigen Verlustrate würde man bei den berühmt großen Portionen wohl eher nicht rechnen.

Flächendeckende Zusammenarbeit

Und selbst das, was an Essen in den Küchen übrig bleibt, landet in der Regel nicht im Mülleimer. Denn die XXXLutz-Gastronomie setzt seit September 2022 auf eine flächendeckende Zusammenarbeit mit „Too Good To Go“. Dabei handelt es sich um ein relativ junges Unternehmen, das bei der Vermittlung von genussfähigen Lebensmitteln und Speisen in Handel und Gastronomie unterstützt.

Die Nutzer der entsprechenden Handy-App können sich sogenannte „Überraschungssackerl“ sichern, die lediglich einen Bruchteil der regulären Kosten ausmachen. In den Sackerln sind Speisen, die nicht verkauft werden konnten, die aber noch völlig in Ordnung sind. Das ist hinsichtlich Gesundheit, Hygiene und Geschmack von großer Wichtigkeit. Und die werden überraschend gut angenommen, wie eine Auswertung zeigt.

Extrem hohe Verkaufsquote

Demnach wurden seit Beginn der Zusammenarbeit der XXXLutz-Restaurants mit „Too Good To Go“ über 3.400 Sackerl abgeholt und damit tausende Portionen an gutem Essen gerettet. Die Verkaufsquote ist mit 94 Prozent enorm hoch, das bedeutet, dass fast jedes von einem Lutz-Restaurant angebotene Sackerl auch tatsächlich verkauft wird. Somit wird die ohnehin schon sehr geringe Menge an übriggebliebenen Lebensmitteln nochmal verringert.

Die Handhabung ist extrem simpel: Mittels der kostenlosen „Too Good To Go“-App wird im nächstgelegenen XXXLutz-Restaurant einfach ein „Sackerl“ reserviert und bezahlt und kann dann mit dem digitalen Kaufbeleg kurz vor Ladenschluss abgeholt werden. Was sich in so einer Überraschungstüte konkret drin befindet, das können etwa Backwaren sein oder verschiedene warme Gerichte, wie das Unternehmen informiert.

Ein ganz konkreter Beitrag gegen Verschwendung

Etwa die Hälfte der Nutzer der App sind übrigens wiederkehrende Kunden, sie setzen also regelmäßig auf die Möglichkeit, sich zum Vorzugspreis an der Lebensmittelrettung bei XXXLutz zu beteiligen. Kein Wunder, stellt es doch einen ganz konkreten Beitrag im Kampf gegen die Verschwendung dar. Und bei dem Angebot, das seit einiger Zeit auf den Speisekarten zu finden ist, wird man nicht nur garantiert satt, sondern auch zufrieden.

Denn die Lutz-Restaurants haben massiv umgestellt und sind nur noch schwer mit dem zu vergleichen, was früher unter „Möbelhaus-Gastronomie“ bekannt war. Geblieben sind nur noch die großen Portionen und vergleichsweise günstigen Preise, ansonsten findet man vor allem heimische Lebensmittel und einen steigenden Anteil an Tierwohl-Fleisch. Wohl auch etwas, womit man hier vielleicht nicht unbedingt gerechnet hat.



Die Entstehung dieses Beitrags wurde durch eine entgeltliche Zusammenarbeit ermöglicht. Die redaktionelle Unabhängigkeit wurde davon nicht berührt.


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