Meinung

      Schande: 400.000 droht Hungertod, während bei uns Essen verschwendet wird

      In Madagaskar drohen viele Menschen an Hunger zu sterben - während wir im Überfluss versinken. Diese Schande offenbart ein Grundproblem, an dessen Lösung wir uns gemeinsam machen müssen.

      7/14/2021
      • International
      • Ernährung
      Schande: 400.000 droht Hungertod, während bei uns Essen verschwendet wird

      Der eine Teil der Welt hungert, der andere leidet an Übergewicht. Dort herrscht bitterer Mangel, hier grenzenloser Überfluss. Ganz so einfach ist es natürlich nicht, aber leider stimmt die Tendenz dieses Bildes dennoch: Während in den letzten Jahren immer mehr Menschen im reichen Norden an Gewicht zulegen und wir mittlerweile mit Folgekosten in Milliardenhöhe durch die Adipositas-Welle konfrontiert sind, hat sich die Zahl der weltweit Hungerleidenden zuletzt wieder deutlich gesteigert.
       
      Es gibt die „alltäglichen“ Katastrophen, mit denen wir mittlerweile gar nicht mehr in den Medien konfrontiert werden, weil wir uns schon so an sie gewöhnt haben. Wir haben als Gesellschaft gelernt zu akzeptieren, dass zigtausende Kinder täglich im globalen Süden sterben, einfach nur weil sie zu wenig Nahrung erhalten, weil sie keinen Zugang zu sauberem Wasser haben oder nicht hinreichend medizinisch versorgt werden. Da reden wir noch gar nicht von ihren Bildungschancen, von ihren Talenten oder Neigungen.
       
      Kinder sind nur noch Haut und Knochen
       
      Und es gibt die außergewöhnlichen Katastrophen, wie wir sie gerade in Madagaskar erleben. Die schlimmste Dürre seit 40 Jahren führt im Inselstaat dazu, dass die grundlegende Lebensmittelversorgung von Millionen Menschen nicht mehr gewährleistet ist. Das afrikanische Land, das über 1,5-mal so groß wie Deutschland ist und rund 28 Millionen Einwohner beheimatet, ist immer wieder mit Dürren konfrontiert, die Situation aktuell jedoch ist außergewöhnlich, wie das World-Food-Programm der UNO mitteilt.
       
      Bereits jetzt sterben nach Auskunft der Welthungerhilfe täglich Menschen an Mangelversorgung, Millionen leiden Hunger. In den kommenden Wochen könnten bis zu 400.000 Menschen vom Hungertod bedroht sein, wir werden ein Massensterben miterleben, wenn sich die Lage nicht schnell stabilisiert. Hunderte Kinder seien nur noch Haut und Knochen, jeden Tag wird die Situation für sie schlimmer. Die Rettung der Menschen würde einige Millionen an Spenden benötigen, in Wahrheit nicht viel Geld.
       
      Außer Kontrolle geratene Wegwerf-Gesellschaft
       
      Wenn wir uns vor Augen halten, wie groß die Gewinne einiger multinationaler Konzerne alleine in der Corona-Krise waren, dann merkt man erst, wie absurd die Relationen sind. Fast 11 Milliarden Dollar mehr an Gewinn konnte etwa Google einstreifen. Und die reichen Eigentümer der Konzerne werden immer reicher. Die zehn reichsten Personen der Welt konnten ihr Vermögen im Krisenjahr um unglaubliche 540 Milliarden Dollar steigern. Die Reichen werden reicher, die Armen bleiben arm.
       
      Bei uns landet etwa ein Drittel des noch genussfähigen Essens unverbraucht im Müll, ein Ausdruck der völlig außer Kontrolle geratenen Wegwerf-Gesellschaft. Die von den Konzernen noch angeheizt wird, die mit Rabattschlachten und einer auf Überschuss ausgerichteten Produktion dazu beitragen, dass Lebensmittel systematisch entwertet werden. Mit dem Effekt, dass wir Unmengen an Ressourcen verbrauchen, etwa Palmöl oder Soja aus dem Regenwald, um Dinge zu produzieren, die wir gar nicht brauchen.
       
      Ein Armutszeugnis für die Weltgemeinschaft
       
      Und gleichzeitig sterben tausende Kilometer von uns entfernt die Menschen am Mangel. Das ist nicht nur himmelschreiend ungerecht, es ist auch ein Armutszeugnis für die Weltgemeinschaft. Wenn wir es im Jahr 2021 nicht schaffen, dass wir für eine gerechtere Verteilung von Ressourcen sorgen, dann brauchen wir uns nicht wundern, wenn die Welt aus den Fugen gerät. Man muss kein großer Sozialromantiker sein, um zu verstehen, dass uns das Elend der Menschen im globalen Süden etwas angeht. Und aus vielen Gründen sollten wir aufhören wegzuschauen und Druck auf unsere Regierungen ausüben.
       
      Einerseits, damit diese unmittelbar hilft, etwa über eine Aufstockung der Katastrophenhilfsfonds der Bundesregierung. Genau dafür sind sie schließlich da, um in Notlagen zu helfen. Und andererseits muss unser Druck dazu beitragen eine gerechtere Wirtschaftsordnung zu ermöglichen. Eine, die soziale und ökologische Krisen bekämpft und nicht erzeugt. Ein wichtiger Beitrag dazu könnte ein Lieferkettengesetz sein, für das in Österreich gerade eine neue Bürgerinitiative kämpft. Je mehr mitmachen, umso besser.
       

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