Meinung

      Einblick in die Tierfabrik: 120.000 Küken pro Stunde für die Turbomast

      Das System Massentierhaltung ist nicht durch laute Schreie gekennzeichnet - sondern durch die perfektionierte Automatisierung der Tötung von Tieren.

      11/17/2021
      • Österreich
      • Tiere
      • Ernährung
      • Deutschland
      Einblick in die Tierfabrik: 120.000 Küken pro Stunde für die Turbomast

      Er gehört zu den wichtigsten Dokumentarfilmern Deutschlands und hat mit seinen Reportagen über die Zustände im System Massentierhaltung für wichtige Debatten gesorgt: Manfred Karremann. Unvergessen seine Berichte etwa über grausame Tiertransporte. Nun hat er eine neue Doku vorgelegt, im ZDF konnte man kürzlich „Täglich ein Tier – Ein Tierleben für das Sonderangebot“ ansehen. Eine extrem wichtige Dokumentation.

      Karremann zeigt darin, dass der Schrecken des Systems in den hochmodernen Fabriken nicht in lauten Schreien oder grausamen Bildern liegt, sondern in der Automatisierung der Tötung. Ganze 120.000 Küken laufen jeden Tag über das Band in einer einzigen Tierfabrik. Sie werden für die Turbomast geboren, werden im Eiltempo zur Schlachtreife gebracht und landen dann, wie so viel von unserem Essen, oftmals einfach in der Mülltonne.

      Die Bilder, die sie für uns produzieren

      Wer sich mit der Thematik beschäftigt, der kennt diese Zusammenhänge – doch den allermeisten von uns sind sie verborgen, laufen die Verwertungsprozesse des Lebensmittels Tier doch hinter geschlossenen Hallen ab. Diese Intransparenz ist maßgeblich mitverantwortlich dafür, dass es zu einer Entkoppelung von uns Menschen von unserem natürlichen Interesse für die Herkunft unserer Lebensmittel gekommen ist.

       Natürlich wollen wir wissen, was auf unserem Teller landet. Doch wir haben die Erklärungsmacht an jene delegiert, die davon profitieren, dass möglichst viele Tiere in möglichst kurzer Zeit möglichst stark ausgebeutet werden können. Wir sehen die Bilder, die sie für uns produzieren, aber nicht die wahre Produktion unseres Essens. Würden wir uns vor Augen halten, was damit verbunden ist, wir würden wohl ganz anders konsumieren.

      Epidemisches Politikversagen

      Karremann leistet mit dieser Doku erneut einen wichtigen Impuls, kippt er doch nicht in die Falle der „Publikumsbeschimpfung“, also in die einseitige Schuldzuweisung an die Konsument*innen. Dieses Narrativ, das von den Konzernen gestützt und verbreitet wird, lenkt vom epidemischen Politik-Versagen ab, das dazu geführt hat, dass dieses System zum Nutzen einiger weniger und zum Schaden der allermeisten perfektioniert wurde.

      Nein, nicht wir erteilen den „Produktionsauftrag“ für die Massentierhaltung mit unserem Griff ins Regal, sondern wir finden fast nur deren „Früchte“ ebenda vor – und erfahren es zumeist nicht mal. Die Auswahl sollte nicht denen überlassen sein, die bereit sind dafür zu bezahlen, sondern der gesamten Gesellschaft. In einer Demokratie entscheiden wir alle, wie mit Lebewesen umgegangen werden sollen, nicht nur jene, die dafür bezahlen.

      Die gesamte Dokumentation ist hier abrufbar.

       



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