Meinung

      Ein Kilo Fleisch um 2,69 Euro: Diese Lebensmittel-Entwertung ist eine Schande

      "Tiefer gehts immer", scheint das inoffizielle Motto von HOFER zu sein. Doch den wahren Preis für das Billigfleisch zahlen wir alle.

      9/12/2021
      • Ernährung
      • Landwirtschaft
      • Österreich
      Ein Kilo Fleisch um 2,69 Euro: Diese Lebensmittel-Entwertung ist eine Schande

      Tiefer geht’s immer, scheint das inoffizielle Motto des deutschen Handelskonzerns HOFER zu sein. Aktuell bewirbt er ein Kilogramm Faschiertes, bestehend aus Schweine- und Rindfleisch, zum Aktionspreis von läppischen 2,69 Euro. Angeblich stammt das verarbeitete Fleisch aus Österreich, zumindest wenn man dem rot-weiß-roten Herz glauben darf, das auf dem breit gestreuten Flugblatt neben dem Fleischziegel prangt.

      Billigfleisch Der hohe wahre Preis

      In sozialen Netzwerken sorgt diese Aktion für große Aufregung und heftige Kritik. Die kommt einerseits von Konsument*innen, die in Erinnerung rufen, dass dafür ein Lebewesen sterben musste und mit der Mast, insbesondere bei Schweinen, auch der Einsatz von Soja aus dem brandgerodeten Regenwald verbunden ist. Das billige Fleisch hat also einen hohen wahren Preis, wenn man die gesamten Kosten einbezieht, die mit der Erzeugung verbunden sind.

      Doch auch Landwirte ärgern sich über die Schleuderpreise des Handelskonzerns. Immerhin steckt viel bäuerliche Arbeit hinter dem Fleisch. Diese Dauer-Aktionen bei Lebensmitteln würden zu einer Form der Entwertung ihres Berufsstandes führen und letztlich zu einem extremen Preisdruck bei den landwirtschaftlichen Erzeugern. Angesichts der real sinkenden Einkünfte der Bäuer*innen ist diese Kritik wohl mehr als berechtigt.

      Die Kosten werden nur verlagert

      Von Seiten des Handels hört man hingegen immer wieder, dass die Dumping-Angebote dazu dienen auch einkommensschwächere Zielgruppen zu erreichen. Gegen dieses Argument wehren sich Landwirte mit dem Hinweis darauf, dass Sozialpolitik nicht auf dem Rücken der Bäuer*innen erfolgen dürfe. Und das Argument sticht: Denn letztlich kommt es einer Verlagerung gleich, wenn teure Waren künstlich günstig gemacht werden.

      Doch auch uns Konsument*innen sollte diese Argumentation nicht kalt lassen. Denn in Wahrheit lagert der Konzern die Kosten auf uns aus. Beeinflussen können wir das nicht. Denn nicht wir bestimmen den Preis, sondern HOFER, wenn er die Bäuer*innen im Einkauf drückt und dann, entlang seiner Profitbedürfnisse, die aktuelle Marge bestimmt. Darauf haben wir keinen Einfluss, das entscheidet die beinharte Einkaufsabteilung des Konzerns.

      Weniger PR, höhere Preise für Landwirte

      Die wahren Kosten für das Billigfleisch zahlen aber nicht nur die Tiere, die Natur und unsere Landwirte. Sondern auch die nachfolgenden Generationen, die eine zerstörte Umwelt und schwierigere Lebensbedingungen vorfinden. Wir können nicht darauf warten, bis alle Menschen ihr Konsumverhalten umgestellt haben. Stattdessen sollten wir dafür sorgen, dass Handelskonzerne nicht länger auf dem Rücken der Vielen ihre Profite steigern.

      Vielleicht sollte HOFER aufhören sein Geld in noch mehr PR und Werbung zu investieren und lieber die Landwirte anständig bezahlen. Wer wirklich etwas für mehr „Regionalität“ machen möchte, der muss auch darauf achten, dass es mittelfristig noch genügend Bäuer*innen im Land gibt. Mit diesen Schleuder-Aktionen wird jedoch genau das Gegenteil bewirkt. Höchste Zeit, dass wir die systematische Entwertung stoppen.



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