Kartoffel-Gnocchi gehören für viele Menschen zu den beliebtesten schnellen Gerichten aus dem Kühlregal. Die kleinen Kartoffelklößchen stammen ursprünglich aus der italienischen Küche und sind mittlerweile auch in Österreich und Deutschland ein fester Bestandteil vieler Supermarktregale. Wer keine Zeit oder Lust hat, Gnocchi selbst zuzubereiten, greift häufig zu fertigen Produkten aus dem Kühlregal. Doch wie gut sind diese Produkte wirklich? Eine aktuelle Untersuchung der Arbeiterkammer Oberösterreich zeigt, dass Verbraucher bei der Auswahl genauer hinschauen sollten. In einem Test wurden mehrere im Handel erhältliche Kartoffel-Gnocchi auf Schadstoffe untersucht – mit einem Ergebnis, das teilweise überrascht.
Für den Test wurden insgesamt zwölf verschiedene Kartoffel-Gnocchi-Produkte aus dem Handel untersucht. Darunter befanden sich zehn konventionelle Produkte und zwei Bio-Produkte. Die Laboranalyse konzentrierte sich vor allem auf mögliche Pestizidrückstände sowie auf Schimmelpilzgifte. Außerdem wurde überprüft, ob weitere unerwünschte Stoffe wie Chlorat enthalten sind. Gerade bei industriell hergestellten Lebensmitteln kann es vorkommen, dass während der Produktion Rückstände aus verschiedenen Quellen in die Produkte gelangen. Deshalb ist es wichtig, regelmäßig Stichproben durchzuführen, um die Sicherheit von Lebensmitteln zu überprüfen.
Nur 3 Produkte schaffen es
Das zentrale Ergebnis der Untersuchung lautet: Nur drei der getesteten Produkte waren vollständig frei von nachweisbaren Schadstoffen. Dabei handelt es sich um drei Produkte einer Supermarktkette. Konkret waren dies die S-Budget Kartoffel-Gnocchi, die Spar Feine Küche Gnocchi sowie die Spar Natur Pur Bio-Gnocchi. Diese drei Produkte wiesen laut Laboranalyse weder nachweisbare Pestizidrückstände noch Schimmelpilzgifte auf. Damit schnitten sie im Test am besten ab und gelten als besonders unbedenklich.
Bei den übrigen Produkten wurden hingegen teilweise verschiedene Rückstände festgestellt. Besonders häufig fanden die Labore Spuren von Pestiziden. In insgesamt sechs der zwölf getesteten Produkte konnten solche Rückstände nachgewiesen werden. Dabei handelte es sich unter anderem um Wirkstoffe wie Propamocarb oder Pirimiphos-methyl. Diese Stoffe werden in der Landwirtschaft als Pflanzenschutzmittel eingesetzt und können über die verwendeten Kartoffeln in das Endprodukt gelangen. Allerdings gibt es auch eine gute Nachricht: Die gemessenen Werte lagen in allen Fällen deutlich unter den gesetzlich festgelegten Höchstwerten. Aus Sicht der Lebensmittelkontrolle gelten diese Produkte daher weiterhin als verkehrsfähig und dürfen verkauft werden.
Neben klassischen Pestiziden fanden die Prüfer auch in zwei Produkten den Stoff Piperonylbutoxid, kurz PBO. Dabei handelt es sich nicht um ein eigenständiges Pestizid, sondern um einen sogenannten Wirkungsverstärker für Insektizide. PBO sorgt dafür, dass andere Wirkstoffe effektiver wirken. Interessant ist, dass dieser Stoff auch im Bio-Bereich zulässig sein kann, wenn er in bestimmten Anwendungen eingesetzt wird. Deshalb wurde er auch in einem der getesteten Bio-Produkte nachgewiesen. Dennoch lagen auch hier alle Werte unter den gesetzlichen Grenzwerten.
Ein weiteres Thema der Untersuchung waren Schimmelpilzgifte, die sogenannten Mykotoxine. Diese können entstehen, wenn Getreide oder andere pflanzliche Rohstoffe von bestimmten Schimmelpilzen befallen werden. In drei der getesteten Gnocchi-Produkte wurde das Schimmelpilzgift Deoxynivalenol, kurz DON, festgestellt. Auch hier lag die Konzentration jedoch deutlich unter den zulässigen Grenzwerten. Für Verbraucher bedeutet das, dass von diesen Mengen nach aktuellem wissenschaftlichen Kenntnisstand keine unmittelbare Gesundheitsgefahr ausgeht.
Arbeiterkammer
Besonders aufmerksam wurden die Tester jedoch bei einem anderen Stoff: Chlorat. Dieser Stoff kann in Lebensmitteln auftreten, wenn bei der Produktion chlorhaltige Desinfektionsmittel oder entsprechend behandeltes Waschwasser eingesetzt werden. Chlorat gelangt also in der Regel nicht über Pflanzenschutzmittel in Lebensmittel, sondern entsteht eher als Nebenprodukt in der Verarbeitungskette. Im Test wurde Chlorat in vier der zwölf untersuchten Produkte nachgewiesen. In drei Fällen handelte es sich lediglich um sehr geringe Spuren. Bei einem Produkt wurde jedoch ein deutlich höherer Wert gemessen.
Betroffen war das Produkt San Fabio Gnocchi di Patate von Penny. Bei diesem Produkt lag die gemessene Chlorat-Konzentration bei 0,40 Milligramm pro Kilogramm. Das klingt zunächst nach einer kleinen Menge, hat aber eine besondere Bedeutung, wenn man die Zusammensetzung von Gnocchi berücksichtigt. Da Kartoffel-Gnocchi zum größten Teil aus Kartoffeln bestehen, kann man den Wert auf den Kartoffelanteil umrechnen. In diesem Fall ergibt sich daraus eine Belastung, die etwa dreizehnmal höher liegt als der zulässige Höchstwert für frische Kartoffeln.
Chlorat ist deshalb problematisch, weil der Stoff im menschlichen Körper bestimmte Funktionen beeinträchtigen kann. So kann Chlorat beispielsweise die Aufnahme von Jod in der Schilddrüse blockieren. Außerdem kann der Stoff Auswirkungen auf rote Blutkörperchen haben. Bei langfristiger Aufnahme größerer Mengen könnten daher gesundheitliche Probleme entstehen. Trotzdem betonen die Experten, dass ein gelegentlicher Verzehr solcher Produkte nach aktuellem Wissensstand kein akutes Gesundheitsrisiko darstellt. Kritisch könnte es erst werden, wenn solche belasteten Produkte sehr regelmäßig konsumiert werden – insbesondere bei Kindern, deren Körper empfindlicher auf Schadstoffe reagieren kann.
Der Preis-Aspekt
Ein weiterer interessanter Aspekt des Tests betrifft die Preise der untersuchten Produkte. Die getesteten Gnocchi lagen preislich zwischen 0,99 Euro und 5,48 Euro pro 500 Gramm. Auffällig ist dabei, dass die höchste Chloratbelastung ausgerechnet beim günstigsten Produkt gefunden wurde. Das zeigt, dass ein niedriger Preis nicht automatisch schlechte Qualität bedeutet – aber auch nicht unbedingt eine gute. Verbraucher sollten daher nicht nur auf den Preis achten, sondern auch auf Herkunft, Hersteller und Testergebnisse.
Die Untersuchung der Arbeiterkammer Oberösterreich zeigt insgesamt, dass selbst scheinbar einfache Lebensmittel wie Kartoffel-Gnocchi genauer überprüft werden müssen. Viele Menschen betrachten Gnocchi als unkompliziertes Grundnahrungsmittel aus Kartoffeln, Mehl und eventuell Ei. In der industriellen Produktion kommen jedoch zahlreiche Verarbeitungsschritte hinzu, bei denen unerwünschte Stoffe entstehen oder in das Produkt gelangen können. Gerade deshalb sind regelmäßige Qualitätskontrollen und unabhängige Tests wichtig.
Für Konsumentinnen und Konsumenten lassen sich aus den Ergebnissen einige praktische Schlussfolgerungen ziehen. Wer möglichst auf Schadstoffe verzichten möchte, kann sich an den drei Produkten orientieren, die im Test besonders gut abgeschnitten haben. Diese Produkte waren laut Untersuchung frei von nachweisbaren Pestiziden und Schimmelpilzgiften. Gleichzeitig zeigt der Test, dass die meisten anderen Produkte zwar Rückstände enthalten können, diese aber in der Regel unter den gesetzlichen Grenzwerten liegen.
Am Ende bleibt festzuhalten, dass Fertigprodukte aus dem Kühlregal grundsätzlich sicher sein müssen, bevor sie in den Verkauf gelangen. Dennoch zeigen Untersuchungen wie diese, dass es Unterschiede zwischen einzelnen Produkten gibt. Für Verbraucher lohnt es sich daher, Testergebnisse zu verfolgen und beim Einkauf bewusst zu entscheiden. Gerade bei Lebensmitteln, die regelmäßig auf dem Speiseplan stehen, kann eine informierte Auswahl dazu beitragen, mögliche Belastungen langfristig zu reduzieren.
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