Die Regiothek wurde für die Zukunft entwickelt. Leider ist dein Browser veraltet und unterstützt möglicherweise einige Techniken nicht mehr. Daher kann es zu Anzeigeproblemen kommen.

Du kannst z.B. Browse Happy besuchen um einen aktuellen Browser herunterzuladen.

Artikel

Aufreger: Wie und wo „gewaschene Rinder“ aus Brasilien bei uns landen

Wie Fleisch und Leder aus Brasilien auch in Europa für Profite sorgen, dabei aber Tiere, Natur und Menschen ausgebeutet werden.

4/19/2024
  • International
  • Klima
  • Umwelt
  • Tiere
  • Lieferkettengesetz
  • Konsumentenschutz
Aufreger: Wie und wo „gewaschene Rinder“ aus Brasilien bei uns landen

In Brasilien ist die Rinderzucht ein lukratives Gewerbe, das sowohl dem Land als auch dessen Exporten zugutekommt. Rindfleisch wird in Massen aus den Staaten Südamerikas exportiert und geht in die ganze Welt, meist nach Europa oder Nordamerika. Bekannt ist, dass für diese große Industrie immer mehr Platz gebraucht wird, sowohl für den Futteranbau als auch für die Haltung der Tiere selbst.

Um diesen Platz zu schaffen werden Urwälder gerodet, Savannen reduziert und die Landschaft massiv umgestaltet. Das bekommen die indigenen Völker Brasiliens als Erste zu spüren, die seit jeher im Einklang mit ihrer Umgebung und der Natur leben. Dass das alles stattfindet ist nichts Neues. Brasilien lebt von der Rinderzucht und exportiert jedes Jahr an die 500.000 Tonnen Rindsleder neben Millionen Tonnen Rindfleisch. Nach der Zahl macht das die südamerikanische Nation zum Spitzenreiter im Rindslederexport. Vor allem im Amazonasgebiet sind viele der großen Rinderfarmen angesiedelt, die immer mehr wachsen.

Neu ist aber, wie sehr die Natur für dieses Leder ausgebeutet wird – und wer davon profitiert. Eine Recherche des Hessischen Rundfunks konnte nachweisen, dass illegale Rodungen und Holzschlägerungen stattfinden, um das Ausmaß der Rinderhaltung zu vergrößern. Dahinter steckt ein kriminelles System von Gruppierungen und Banden. So werden die indigenen Menschen des Parakana-Stamms in ihrem Gebiet im Amazonas von illegalen Banden bedroht, die mit Gewalt agieren. Sie betreiben Raubbau, roden ganze Landstriche und verdienen mit ihren illegalen Gewinnen viel Geld. Die Parakana müssen viel weiter in den Urwald vordringen, um Tiere zu jagen und für ihren eigenen Lebensunterhalt zu sorgen. Dort warten schon bewaffnete Männer auf sie, schüchtern sie ein oder gehen gleich zur aktiven Bedrohung über. Mehr und mehr illegale Farmen entstehen.

Wie kommt das Leder nach Europa?

Spannend wird, was mit den Rindern aus illegaler Haltung passiert. Der Hessische Rundfunk und die amerikanische Umweltorganisation EIA konnten mithilfe mehrerer Methoden herausfinden, wie sie den Weg nach Europa antreten. Zum einen versuchen Farmer aktiv zu verschleiern, woher ihre Rinder kommen. Für die Schlachtbetriebe ist es wichtig zu wissen, woher die Tiere kommen und das wird geprüft. Aber indem die Rinder von einer Farm zur anderen wandern ist die Nachverfolgung auf Dauer gesehen schwierig bis unmöglich. Noch dazu macht es diese Methode schwer, das Ausmaß an Raubbau und illegalen Aktivitäten einwandfrei festzustellen. Mitten in den Abholzungen entstehen in rascher Folge Farmen, Schlachthöfe und Gerbereien für das Leder – teilweise in Rekordgeschwindigkeit.

In anderen Worten: Rinder werden hier „gewaschen“, um sowohl die Illegalität als auch die Herkunft zu verschleiern. Die Rinder werden später an große internationale Unternehmen verkauft, die diese verarbeiten und die Produkte, beispielsweise, nach Europa bringen. Besonders interessant ist, was mit dem produzierten Leder passiert. Anhand der Recherche lässt sich das grob nachverfolgen.

„Gewaschene“ Rinder kommen zu einem großen Konzern, der diese verarbeitet und die Produkte weiterverkauft. Das Leder kommt an einen Autositzhersteller in den USA, der mehrere deutsche Autokonzerne wie BMW, Mercedes-Benz und den Volkswagen-Konzern beliefert. Die genannten Firmen äußerten sich zu den Anschuldigungen mit verschiedenen Antworten – die einen verweisen auf die stetige Reduktion südamerikanischen Leders in der Produktion, andere wollen das näher untersuchen und/oder ihre Lieferketten besser gestalten. Das deutsche Lieferkettengesetz sieht keine Verpflichtungen zur direkten Nichtverfolgung von Produkten vor wie Chips oder ähnlichem. Einzig die Kontrolle des direkten Zulieferers, in dem Fall eines US-Unternehmens, würde etwas ändern.


In eigener Sache: Wir arbeiten unabhängig von Parteien und Konzernen. Um unseren Fortbestand zu sichern, sind wir auf Abonnent*innen angewiesen. Bitte schließen Sie jetzt ein Abo ab und ermöglichen Sie damit unsere Berichterstattung. Danke!

Jetzt abonnieren
Logo Oekoreich

Werde Mitglied bei oekoreich+ und erhalte Zugang zu unseren Top-Stories und exklusive Einblicke.

Mehr erfahren

Jetzt weiterlesen

oekoreich möchte ein bestmögliches Onlineangebot bieten. Hierfür werden Cookies gespeichert. Weil uns Transparenz wichtig ist können Cookies und die damit verbundenen Funktionalitäten, die nicht für die Grundfunktion von oekoreich notwendig sind, einzeln erlaubt oder verboten werden.
Details dazu findest du in unserer Datenschutzerklärung. Dort kannst du deine Auswahl auch jederzeit ändern.