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      Aufreger: Österreichischer Fleischkonzern verlangt „Solidaritätsbeitrag“ von Bauern

      Ein Bericht sorgte kürzlich für Aufregung - von Geflügelbauern wird angeblich ein "Solidaritätsbeitrag" einbehalten. Wir haben beim Konzern nachgefragt.

      1/19/2022
      • Österreich
      • Landwirtschaft
      • Tiere
      Aufreger: Österreichischer Fleischkonzern verlangt „Solidaritätsbeitrag“ von Bauern

      Mit so viel Resonanz auf ihren Bericht haben die „Unterkärntner Nachrichten“ wohl nicht gerechnet. Ein ausführliches Interview, das sie Anfang Dezember 2021 mit einem Kärntner Geflügelmäster veröffentlicht haben und das von oekoreich im Volltext übernommen wurde, hatte für extrem viel Aufsehen gesorgt. Und für Aufregung. Denn in dem Beitrag klagte der Bauer Franz Dorner, dass er für sein Hühnerfleisch jetzt nur noch 1,46 Euro pro Kilo bekommen würde, was einem Minus von 5 Cent pro Kilogramm entsprechen würde.

      Dies würde bei ihm, auf ein ganzes Jahr gerechnet, einen Einkommensentgang von bis zu 70.000 Euro ausmachen. Und das, obwohl die Verkaufspreise im Supermarkt teils um bis zu 45 Prozent gestiegen wären. Die Existenz der Geflügelproduzenten sei bei solchen Dynamiken gefährdet, so der Landwirt: „So werden die Kunden belogen und betrogen und die Bauern verschwinden. Und wenn es ans Zahlen geht, werden wir von den Konzernen erpresst. Die Handelskonzerne scheffeln auf dem Rücken der Bauern Geld!“

      WECH-Gruppe hebt „Solidaritätsbeitrag“ ein

      Wir haben den Fall weiter recherchiert und herausgefunden, dass es sich bei dem Abnehmer des Kärntner Bauern um den Fleischkonzern „WECH“ handelt. Wie dieser uns gegenüber bestätigte, verlangt er tatsächlich gegenwärtig einen sogenannten temporären „Solidaritätsbeitrag“ von seinen Bauern, da die Futtermittelkosten gestiegen wären und zur Gänze von ihm zu tragen seien. Die 5 Cent pro Kilo, die er von den Landwirten einbehält, würden aber nur 15 Prozent der aufgelaufenen Mehrkosten entsprechen.

      Der Konzern mit Sitz in Kärnten, der jährlich rund 150 Millionen Euro Umsatz erwirtschaftet und auch Produktionsstandorte in Slowenien und Ungarn unterhält, fühlt sich also im Recht. Und weist die Darstellung im Artikel der „Unterkärntner Nachrichten“ vehement von sich. Vom eigenen Lieferanten scheint man enttäuscht zu sein: „Die Aussagen des Herrn Dorner beweisen seine Uninformiertheit, seinen Aktionismus und beschädigen jahrzehntelange Partnerschaft“ lässt Karl Feichtinger, Chef der WECH-Gruppe, schriftlich mitteilen.

      Und tatsächlich rudert der angesprochene Landwirt auf Rückfrage von oekoreich massiv zurück. Er sieht sich falsch von den „Unterkärntner Nachrichten“ interpretiert, die Intention des Interviews sei eine andere gewesen. Seine Kritik hätte vielmehr den Handelskonzernen gegolten, nicht jedoch dem Fleischkonzern WECH – obwohl dieser den „Solidaritätsbeitrag“ von ihm einverlangt. Er wollte stattdessen eine grundsätzliche Fehlentwicklung aufzeigen, die, so Dorner, primär ihre Ursache bei den Handelskonzernen hätte.

      Andere Fleischproduzenten kürzen nicht: Preiskürzung „nicht angebracht“

      Wir haben uns daraufhin in der Geflügelbranche weiter umgehört und bei anderen großen Geflügelfleisch-Produzenten in Österreich nachgefragt, ob dort ebenfalls ein solcher Beitrag von den Landwirten verlangt wird. Kein einziges der angefragten Unternehmen bestätigte uns gegenüber einen solchen Abzug beim Abnahmepreis. Die WECH-Gruppe dürfte sich hier also vom Mitbewerb unterscheiden und hebt offenbar aktuell als einziges Unternehmen einen solchen Beitrag von den Landwirten ein. Ein anderer großer Produzent meinte:

      Wir haben unsere Bauern informiert, dass wir im Gegensatz zu unserem Mitbewerb keinen Abzug/Solidaritätszuschlag bei den Bauern weder aktuell noch in naher Zukunft vornehmen werden. Auch unsere Landwirte sind mit steigenden Kosten (Energie…) konfrontiert, weswegen eine Preiskürzung nicht angebracht/partnerschaftlich wäre. Sämtliche Futterkostenerhöhungen braucht der Landwirt bei uns nicht zu tragen. Diese übernehmen komplett wir. Aufgrund der aktuell wieder steigenden Futterkosten sind wir mit dem Handel in Gesprächen, um Preiserhöhungen umzusetzen. Wir sind zuversichtlich diese auch wie in der Vergangenheit partnerschaftlich umsetzen zu können.“

      Die ebenfalls kontaktierte „Zentrale Arbeitsgemeinschaft Geflügel“ (ZAG) wollte sich dazu nicht äußern.


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