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21 Millionen Euro täglich: Ölkonzerne als Kriegsprofiteure steigern ihren Übergewinn

Die Ölkonzerne pressen die Autofahrer aus - und steigern damit ihren Gewinn ins Unermeßliche.

3/19/2026
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21 Millionen Euro täglich: Ölkonzerne als Kriegsprofiteure steigern ihren Übergewinn

Wer die aktuellen Spritpreise nüchtern analysiert und dabei zu dem Schluss kommt, es handle sich primär um „Marktdynamik“, blendet einen zentralen Faktor systematisch aus: die aktive Rolle der Ölkonzerne selbst. Die im taz-Artikel formulierte These, dass Konzerne die Krise gezielt zur Gewinnmaximierung nutzen, ist nicht nur plausibel – sie ist, bei genauer Betrachtung der Daten und Marktstrukturen, kaum zu widerlegen.

Der entscheidende Punkt ist die Entkopplung von Kosten und Endpreisen. Rohölpreise schwanken, ja – aber die Geschwindigkeit und das Ausmaß, mit denen diese Schwankungen an die Zapfsäulen weitergegeben werden, folgen keinem neutralen Mechanismus. Vielmehr zeigt sich ein asymmetrisches Verhalten: Steigen die Rohölpreise, werden die Kosten nahezu sofort weitergereicht; fallen sie, geschieht dies verzögert oder nur teilweise. Dieses Phänomen ist in der Ökonomie als „Rockets and Feathers“ bekannt – Preise schießen wie Raketen nach oben und sinken langsam wie Federn. Diese Asymmetrie ist kein Naturgesetz, sondern Ausdruck von Marktmacht.

Oligopol als Ursache

Und genau hier liegt das strukturelle Problem: Der Mineralölmarkt ist kein freier Wettbewerb, sondern ein hoch konzentriertes Oligopol. Einige wenige Konzerne – global wie regional – kontrollieren Raffinerien, Logistik und große Teile des Tankstellennetzes. Diese vertikale Integration verschafft ihnen eine enorme Kontrolle über die gesamte Wertschöpfungskette. In einem solchen System ist es naiv anzunehmen, dass Preise allein durch „Angebot und Nachfrage“ bestimmt werden. Tatsächlich haben die Unternehmen erheblichen Spielraum, Margen aktiv zu steuern – und sie nutzen ihn.

Die taz verweist auf Studien, die tägliche Zusatzgewinne in Millionenhöhe belegen. Diese Zahlen sind kein Ausreißer, sondern Teil eines globalen Trends. Internationale Ölkonzerne haben in den letzten Jahren Rekordgewinne eingefahren – selbst in Phasen, in denen Verbraucher unter massiv steigenden Lebenshaltungskosten litten. Dass diese Gewinne parallel zu geopolitischen Krisen ansteigen, ist kein Zufall. Krisen erhöhen die Unsicherheit, und Unsicherheit schafft Preisspielräume. Genau diese Spielräume werden systematisch ausgeschöpft.

Besonders problematisch ist dabei die strategische Nutzung von Intransparenz. Zwar existieren in Ländern wie Deutschland oder Österreich Preismeldesysteme, doch diese schaffen nur eine oberflächliche Transparenz. Was fehlt, ist Einblick in die tatsächlichen Kostenstrukturen und Margen der Konzerne. Raffineriepreise, Zwischenhandelsaufschläge und interne Verrechnungspreise bleiben weitgehend intransparent. Diese Black Box ermöglicht es den Unternehmen, Preissteigerungen zu rechtfertigen, ohne ihre tatsächliche Gewinnsituation offenlegen zu müssen.

Gezielte Verknappung

Ein weiteres, oft unterschätztes Instrument ist die gezielte Verknappung von Kapazitäten. In den letzten Jahren wurden europaweit Raffinerien stillgelegt oder nicht modernisiert – offiziell aus wirtschaftlichen Gründen oder im Zuge der Energiewende. Faktisch führt dies jedoch zu einer strukturellen Verknappung des Angebots. Weniger Kapazität bedeutet höhere Preise – ein klassischer Effekt. Dass Konzerne gleichzeitig hohe Dividenden ausschütten und Aktienrückkäufe durchführen, zeigt, dass es sich nicht um einen Mangel an Ressourcen handelt, sondern um eine bewusste Prioritätensetzung: Rendite vor Versorgungssicherheit.

Die Situation in Österreich fügt dieser Kritik eine weitere Dimension hinzu. Die dortige Regulierung, insbesondere die Beschränkung von Preiserhöhungen auf bestimmte Zeitfenster, wird oft als Schutzmechanismus dargestellt. In der Praxis jedoch zeigt sich, dass auch hier die großen Anbieter den Takt vorgeben. Die Preise bewegen sich auffällig synchron, Unterschiede zwischen Tankstellen sind minimal. Das ist ein klassisches Indiz für „stillschweigende Koordination“ – also ein Verhalten, bei dem Unternehmen ohne direkte Absprache ähnliche Preisstrategien verfolgen, weil sie wissen, dass Konkurrenz kaum zu erwarten ist.

Dass die Arbeiterkammer und andere Institutionen in Österreich wiederholt von „nicht nachvollziehbaren“ Preissteigerungen sprechen, unterstreicht dieses Problem. Wenn Preise innerhalb weniger Tage zweistellig steigen, ohne dass sich die fundamentalen Kosten im gleichen Ausmaß verändert haben, ist das kein Marktgleichgewicht – das ist die Ausnutzung von Marktmacht.

Kriegsgewinnler

Hinzu kommt ein moralischer Aspekt, der in der ökonomischen Debatte oft bewusst ausgeklammert wird: Ölkonzerne profitieren doppelt von der aktuellen Situation. Einerseits erzielen sie hohe Gewinne durch steigende Preise, andererseits profitieren sie von der strukturellen Abhängigkeit der Gesellschaft von fossilen Energien – eine Abhängigkeit, die sie selbst über Jahrzehnte hinweg aktiv gefördert und gegen politische Regulierung verteidigt haben. Dass dieselben Unternehmen nun argumentieren, hohe Preise seien „unvermeidlich“, ist an Zynismus kaum zu überbieten.

Besonders deutlich wird diese Doppelmoral im Kontext der Energiewende. Während öffentlich betont wird, man investiere in erneuerbare Energien, fließt der Großteil der Investitionen weiterhin in fossile Projekte. Gleichzeitig werden kurzfristige Gewinne maximiert, statt langfristige Transformation voranzutreiben. Die Konsequenz: Verbraucher zahlen heute hohe Preise, während die strukturelle Abhängigkeit bestehen bleibt.

Die politische Reaktion auf diese Entwicklung ist bislang unzureichend. Maßnahmen wie Tankrabatte oder temporäre Steuererleichterungen lindern Symptome, adressieren aber nicht die Ursachen. Im schlimmsten Fall verstärken sie sogar die Gewinne der Konzerne, da ein Teil der Entlastung in höheren Margen verschwindet. Was fehlt, ist eine konsequente Regulierung der Marktstruktur: strengere Wettbewerbskontrollen, Transparenzpflichten für Margen und – wo nötig – direkte Eingriffe in die Preisbildung.

Zusammengefasst lässt sich festhalten: Die hohen Spritpreise sind kein bloßes Ergebnis externer Schocks oder neutraler Marktprozesse. Sie sind in erheblichem Maße das Resultat strategischer Entscheidungen großer Ölkonzerne, die ihre Marktmacht gezielt nutzen, um Gewinne zu maximieren. Die im taz-Artikel formulierte Kritik greift daher nicht zu kurz – im Gegenteil: Sie trifft einen zentralen Nerv der aktuellen wirtschaftlichen Realität. Wer diese Verantwortung relativiert, verkennt die strukturellen Machtverhältnisse in einem Markt, der alles andere als frei ist.


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