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Von grünen und blauen Seen: Wie gefährdet sind unsere Binnengewässer?

Dass der Klimawandel nicht spurlos an der Natur vorbeigehen kann ist offensichtlich. Ein bislang noch unterschätztes Problem könnte unsere Binnengewässer treffen, also Seen, Teiche und Flüsse.

4/18/2024
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Von grünen und blauen Seen: Wie gefährdet sind unsere Binnengewässer?

Viele der größten Städte der Welt liegen an Flüssen oder Seen, aus gutem Grund. Sie dienen nicht nur der Wasserversorgung, sondern sind dank ihrer Lage auch Schnittstellen von Wegen und Güterverkehr – zumindest in früheren Zeiten. Darüber hinaus sind sie heute Tourismuszonen und Erholungsgebiete, die durch ihre natürliche Schönheit die Menschen in ihren Bann ziehen. Doch diese Ökosysteme sind durch die Veränderungen des Klimawandels gefährdet, der immer mehr seine Spuren zeigt.

Fische

Am deutlichsten wird es im Fall der Fische und Lebewesen in den Binnengewässern. Denn die Fischerei ist, obgleich klein, ein wichtiges Gewerbe in Österreich, das auf eine lange Tradition zurückblickt. Vom kleinen Fischteich bis hin zum großen Attersee wird in unterschiedlichem Ausmaß Fischzucht und Fischerei betrieben – sie bringen lokale Ware in die Gaststuben und Supermärkte.

Das Ökosystem Wasser in Österreich ist von vielen Faktoren beeinflusst, durch den Klimawandel verändern sich die Bedingungen rapide. So wurde errechnet, dass die Oberflächentemperatur von Gewässern in Zentraleuropa seit den 1980er-Jahren durchschnittlich um 1,2 Grad Celsius gestiegen ist – ungefähr 0,3 Grad pro Jahrzehnt. Saiblinge, Forellen und weitere Arten, die den Hauptteil der heimischen Fischarten ausmachen, sind an die bislang vorherrschenden Bedingungen angepasst und es könnte schwer für sie werden, die neuen Veränderungen zu verkraften.

Die Hitze wird zum Problem

Mehr Hitzeperioden bedeuten eine Veränderung der Wasserverhältnisse in einem See oder Teich, so dass zwei getrennte Bereiche entstehen: Oben die sauerstoffreiche warme Wasserschicht, unten der kalte nährstoffreiche Boden, die durch eine Barriere voneinander getrennt sind. Sollte die Hitze an der Oberfläche weiter zunehmen, könnte die Barriere immer dichter werden und es so den Fischen verwehren, zwischen den Schichten zu wechseln. Zugleich kann das Wasser nicht mehr so leicht zirkulieren und die Trennung wird dadurch weiter verfestigt. Das zeigt sich sehr schnell an der Oberfläche – klare Gewässer sind nährstoffarm, trübe Gewässer nährstoffreich. Wobei das nur für das Oberflächenwasser und nicht das gesamte Gewässer gilt.

Weiters ist der Zufluss bzw. die Zufuhr von Wasser ein ausschlaggebender Faktor für dieses instabile Ökosystem. Wenn Bäche und Rinnsale für die Zufuhr von Wasser wichtig sind, können weitere Bedrohungen entstehen. Beispielsweise durch Pestizideinsatz auf Feldern oder der hohen Nutzung von Nitraten für das Wachstum. Diese Stoffe können durch den Regen oder das Grundwasser in die Gewässer gelangen und so den Fischen stark zusetzen. Das Fehlen von neuer Wasserzufuhr kann auch den Laichprozess von Fischen beeinträchtigen, die in Überwassergegenden für gewöhnlich laichen.

Zuletzt wird die Qualität der Gewässer eine entscheidende Rolle spielen, da Algen sich besser an neue Bedingungen anpassen können. So sind Algen beispielsweise in der Lage, die Schicht zwischen kaltem und warmem Wasser dank Gasbläschen (sie funktionieren ähnlich einem U-Boot) zu durchbrechen und können in Folge weitaus besser wachsen. Das wird für Lebewesen zur Gefahr: Algen strömen Gifte aus, die für Wasser- und Landlebewesen gefährlich sind. Algenwuchs kann schnell unkontrolliert ablaufen und über Zeit fast jedes Leben in einem Gewässer töten.

Wie sich die Fischerei auf diese Veränderungen einstellen kann ist noch unklar. Während einige Bestände immer kleiner werden, können andere in den neuen Bedingungen besser wachsen und gedeihen. Obgleich neue Möglichkeiten auch Chancen bieten, so ist die Lage nicht gerade die beste.

Beispiel Zicksee

Auch die Gewässer selbst sind durch die neuen klimatischen Bedrohungen gefährdet. Dies reicht von mangelnden Überflutungen über fehlendes Eis bis hin zur Austrocknung der näheren Umgebung. Niedrigere Wasserstände sind bereits bekannt, vor allem ersichtlich an Flüssen und Bächen bei längerer Trockenzeit. Aufgrund weniger Schnee kommt es zu weniger Schmelzen, die im Frühling und Sommer ansonsten viel Wasser bringen würden. Bei Gewässern ohne direkten Zufluss, wie dem Zicksee im Burgenland, ist die Situation nochmals schlimmer, da diese vom Niederschlag leben.

Wenn dieser ausbleibt, trocknen Gewässer teilweise oder gar gänzlich aus. Bekannt sind die Bilder von ausgetrockneten Seen und Teichen im Flachland, leider werden diese in Zukunft nicht weniger. Dies wirkt sich fatal auf die nähere Umgebung aus, für die diese Seen und Teiche überlebenswichtig sind. Die gesamte Umgebung beginnt langsam auszutrocknen, wird weniger fruchtbar und damit schwindet mehr und mehr das umgebende Ökosystem. Artensterben, Austrocknung und das Ende von Gewässern sind die Folge.

 Betonierungen oder Versiegelung als solche helfen nicht, ganz im Gegenteil. Versiegelte Flächen sind nicht durchlässig, bedecken das darunter liegende Erdreich und wirken wie Löcher in einem Ökosystem, vor allem auf die nähere Umgebung. So werden Felder und Hänge, auf denen oben zum Beispiel ein großer Parkplatz steht, zu riesigen Wasserrutschen bei Starkregen – das Erdreich kann die Mengen an Wasser nicht aufnehmen und es rutscht weiter. Markant sind die Murenabgänge in den Alpentälern, die immer häufiger werden, weil der Boden bzw. der Bewuchs nicht stabil genug ist. Genau dieses Wasser fehlt dann im Sommer bei anhaltender Hitze und Felder trocknen aus, manche sehr stark. Das wirkt sich auf die Wurzeln und den Halt der Pflanzen aus – letzten Endes ist es eine Art Teufelskreis.

Grundwasser in Gefahr

Zuletzt ist unsere Lebensader, das Grundwasser, in Gefahr. Vor allem vonseiten der Industrie werden gewaltige Mengen angezapft und verbraucht, sei es für Lebensmittel oder Maschinen. Aber Grundwasser ist keine unendliche Ressource, sie lebt von der Natur und dem Klima – beide sind enorm gefährdet. Das Ausstreuen von erheblichen Mengen an Pestiziden oder anderen chemischen Stoffen machen Grundwasser für den Menschen nicht nutzbar, ähnliches gilt für Nitrate und Nitrite im Trinkwasser.

Zugleich kommt der verstärkte Nutzen für den privaten Gebrauch, seien es Pools oder andere Badeanlagen. Im Innviertel kommt es oftmals zu mangelndem Grundwasser, Andalusien und Katalonien in Spanien sind bereits enorm gefährdet und Ernten können dadurch erheblich schwanken. Zugleich sind die Moore, einst die stabilen Pfeiler unserer Natur, stark bedroht durch Abgrabungen und menschliche Eingriffe.

Manche Berechnungen sagen voraus, dass die Bedingungen in Österreich und Deutschland am Ende des Jahrhunderts denen in Norditalien gleichen könnten. Das bedeutet: Mehr heiße Temperaturen, weniger Wasser, neue Bedingungen für Umwelt und Natur – eine gewaltige Verschiebung. Welche Auswirkungen das auf uns haben wird lässt sich jetzt noch nicht im Detail sagen, aber uns stehen Herausforderungen bevor.


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