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      Trächtige Kühe aus Bayern in Marokko: Die Geschichte eines politischen Versagens

      270 Kühe aus Bayern sind nun in Marokko angekommen - nachdem heftige Proteste den grausamen Tiertransport verhindern wollten. Wir werfen einen Blick zurück und sehen uns an, was nun mit ihnen geschieht.

      5/21/2021
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      Trächtige Kühe aus Bayern in Marokko: Die Geschichte eines politischen Versagens

      Nun sind sie also tatsächlich in Marokko gelandet – 270 hochträchtige Kühe aus Bayern, die über den Umweg Niedersachsen bis nach Nordafrika gekarrt wurden. Tausende Kilometer an Reise unter unwürdigsten Bedingungen liegen hinter ihnen, doch das was ihnen nun bevorsteht, ist um nichts besser. Doch werfen wir zuerst einen Blick zurück.
       
      Der „Trick der Transporteure“
       
      In Bayern ist der Export von lebenden Tieren in Drittstaaten untersagt, wenn auf dem Weg dorthin oder am Zielort selbst die Einhaltung der europäischen Standards nicht sichergestellt werden kann. Das gilt – nach Meinung von Experten – für nahezu jeden Tiertransport außerhalb der Europäischen Union und vielfach sogar für Fahrten innerhalb. Insbesondere bei trächtigen Tieren ist die Belastbarkeitsgrenze schnell erreicht.
       
      Marokko steht seit 2019 auf dieser bayerischen Liste, die trächtigen Kühe durften daher nicht abgefertigt werden. Da griffen die Transporteure zu einem „Trick“ und brachten sie einfach nach Niedersachsen. Dieses deutsche Bundesland hat den Transport nach Marokko nämlich nicht verboten. Über den Umweg, der die Reise für die Kühe um weitere 1.000 Kilometer verlängerte, werden jedes Jahr unzählige Tiere ins Ausland gebracht.
       
      Die Hoffnung lebte
       
      Doch diesmal sollte es anders kommen: Widerstand regte sich in Niedersachsen. Eine hitzige Debatte entbrannte im Landtag, in Zuge dessen auch offengelegt wurde, dass es sich beim geplanten Transport wohl um einen Schlachttransport handeln würde – doppelt unerlaubt. Das Landwirtschaftsministerium in Niedersachsen untersagte dann aufgrund des hohen öffentlichen Drucks den Transport, ein Etappensieg.

      Nach der Abkalbung wird zuerst die Mutter, später dann auch das Kalb geschlachtet, vielfach auch geschächtet.


      Aber auch diese Hürde nahmen die Transporteure, eine Klage beim Gericht wurde eingebracht. Dieses urteilte im Eilverfahren, dass der Transport zulässig sei, weswegen die Tiere nun doch auf die Reise nach Marokko geschickt werden dürften. Auch wenn Politiker aller Lager ankündigten, dagegen berufen zu wollen und appellierten, die Bundesgesetze zu ändern, für die betreffenden Kühe kam das alles zu spät.
       
      Zuerst die Mutter, dann auch das Kalb
       
      Was passiert nun mit ihnen? Laut Experten werden trächtige Kühe bewusst in nordafrikanische Länder gebracht, weil sie quasi einen „doppelten Nutzen“ mit sich bringen. Nach der Abkalbung wird zuerst die Mutter, später dann auch das Kalb geschlachtet, vielfach auch geschächtet. Zum Herdenaufbau dienen die Transporte entgegen der Angaben nämlich selten, vielmehr geht es um eine verkappten Schlachttransport.
       
      Auf europäischer Ebene gibt es Bestrebungen die Tiertransportgesetze nun zu verschärfen, damit genau solche Umgehungen nicht mehr möglich sind. Ein eigener Untersuchungsausschuss wurde eingerichtet, noch dieses Jahr soll es zu Vorschlägen an die EU-Kommission kommen. Eine gute Entwicklung, doch es dauert alles sehr lange – für die 270 Kühe aus Bayern kommt das ohnehin alles viel zu spät.



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