Meinung

Profit durch Spaltung: Werbung am Rücken von Landwirten & Konsumenten

Der umstrittene HOFER-Werbespot zeigt, wie die Spaltung durch Handelskonzerne uns allen schadet, aber ihnen große Profite bringt.

7/20/2022
  • Ernährung
  • Österreich
  • Landwirtschaft
Profit durch Spaltung: Werbung am Rücken von Landwirten & Konsumenten

Es gibt einen verständlichen und steigenden Wunsch nach mehr Tierwohl und Naturschutz in der österreichischen Bevölkerung, befeuert durch die Aufdeckung von untragbaren Zuständen in manchen Ställen oder Tiertransporten und die fortschreitende Bewusstseinsbildung durch Kampagnen wie das erfolgreiche Tierschutzvolksbegehren.

Die überwältigende Mehrheit der Österreicher*innen wünscht sich massive Verbesserungen in der Landwirtschaft, das zeigen repräsentative Umfragen, doch die Bäuerinnen und Bauern können sich die nötigen Umstellungsarbeiten kaum leisten. Der Umbau eines Stalls kann bis zu eine Million Euro kosten, wie soll eine Bauernfamilie das finanzieren?

Wir können nur auswählen, was sie ins Regal legen

Mit dem Wunsch der Menschen nach mehr Tierwohl spielen auch die Handelskonzerne, die sich gerne als „neutrale“ Mittler verstehen, dabei aber eine bedeutsame Rolle im fragilen Gefüge von Angebot und Nachfrage einnehmen. Denn nur was sie ins Regal legen, das können wir auch herausnehmen – zu den Preisen, die sie dafür festlegen.

Beispiel Milch: Der Großteil der Erlöse eines verkauften Liters Milch, man schätzt rund 50 Prozent, bleiben bei den Händlern. Rund ein Drittel geht an die Landwirte, der Rest entfällt auf die Molkereien. Wie viel Milch, Käse & Co im Regal dann wirklich kosten, das bestimmt also der Supermarkt, je nachdem wie viel Marge er von einem Produkt haben will.

Landwirte werden zu Kälber-Mördern gemacht

Der jüngste HOFER-Werbeskandal, oekoreich berichtete darüber, zeigt perfekt auf, wie Handelskonzerne auch auf dem Rücken von Landwirten ihre Profite maximieren. Da werden in der Werbung kurzerhand heimische Landwirte zu Mördern von männlichen Kälbern gemacht, bloß weil es in das Narrativ der Bio-Marke passt. Egal, ob es stimmt.

Ja, der Konzern hat nach einer Welle der Entrüstung den gegenständlichen Spot wieder eingestampft, doch es zeigt ein grundsätzliches Problem auf. Die Kommunikation rund um unser Essen hat sich auf die Werbung von Handelskonzernen reduziert, die Konsument*innen alles Mögliche verkaufen können – was eben Marge bringt.

Es braucht einen Systemwandel

Dass damit nicht nur tausende heimische Landwirte in Misskredit gebracht werden, sondern auch die Spaltung zwischen ihnen und Konsument*innen vorangetrieben wird, scheint in Kauf genommen zu werden. Denn genau diese Spaltung bringt den Konzernen ihre Macht. Solange sie die Deutungshoheit haben, solange wird sich daran nichts ändern.

Ich bin der Meinung, dass wir einen Systemwandel brauchen. Wir Bürger*innen müssen wieder diejenigen sein, die entscheiden, was, von wem, wo und unter welchen Bedingungen produziert und verkauft werden darf. Je mehr wir uns unserer Macht bewusst werden, nicht an der Kassa, sondern als Souverän, umso besser für uns alle.


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