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      Diesem Bauern reicht es: „Müssen Abhängigkeit von Handelskonzernen brechen!“

      Die Kritik innerhalb der Landwirtschaft an Ministerin Elisabeth Köstinger und den Mechanismen des Marktes wird lauter - nun ist einem Bauern der Kragen geplatzt.

      9/22/2021
      • Landwirtschaft
      • Österreich
      Diesem Bauern reicht es: „Müssen Abhängigkeit von Handelskonzernen brechen!“

      Vor kurzem hat Landwirtschaftsministerin Elisabeth Köstinger mit Fundamentalkritik an den großen Handelskonzernen aufhorchen lassen – und Landwirtschaftskammer-Präsident Moosbrugger sowie Bauernbund-Präsident Georg Strasser stimmten in das Konzert der harten Kritik ein. Vom „Würgegriff“ war hier die Rede, von „erpresserischen Methoden“ und einem Überlebenskampf, in dem sich die heimischen Bäuer*innen befinden würden.

      Die Bürger*innen-Initiative oekoreich unterstützte zwar die Kritik, wies aber auch umgehend daraufhin, dass es letztlich die Verantwortung der Politik wäre, die Macht der Handelskonzerne zu beschränken. Es sei kein Naturgesetz, dass sich die Landwirte mittlerweile in einer derart schlechten Verhandlungsposition befinden würden und sich dem Einkaufs-Diktat der Konzerne weitestgehend ausgeliefert gegenübersehen.

      Kritik innerhalb der Bauernschaft wächst

      Nun wächst auch die Kritik innerhalb der Bauernschaft selbst. Landwirt Christian Bachler vom Bergbauernhof Krakauebene, hat nun seinem Ärger in einem Posting Luft gemacht: „In den letzten Tagen der laufenden Wahlkämpfe, holt man wie üblich, nach und nach alle agrarpolitischen "Größen" aus dem gewohnten Wachkoma und lässt sie gut orchestriert, die üblichen Phrasen an die Medien richten. Der böse Handel, die armen Bauern, die geizigen Konsumenten usw... Alles wohlbekannt, alles schön anzuhören - dem Stimmvieh gefällts.

      Er weist damit auf die bevorstehenden Landtags-Wahl in Oberösterreich hin, verhehlt aber seinen Unmut nicht, dass erst kurz vor ebendieser die Kritik am Handel laut wird, sich am System per se nichts ändern würde: „Der Anteil des Produktverkaufes, sprich der eigentlichen bäuerlichen Arbeit - beträgt je nach Sparte, vor allem bei den tierhaltenden Betrieben, nur mehr zwischen 20 und 40 Prozent des Einkommens. Das heißt einerseits, der Rest des Einkommens kommt aus Steuergeld sprich Subventionen und bedeutet andererseits, etwas höhere oder niedrigere Preise fürs Produkt, sind nie so stark einkommenswirksam wie Änderungen in der Förderstruktur. Die Betriebe können also zwischen Teufel und Beelzebub wählen - bin ich lieber vom Steuerzahler oder dem Handel abhängig??

      Mit seiner Kritik richtet er sich nicht primär gegen die politischen Verantwortlichen, sondern appelliert an die eigenen Standeskolleg*innen – die Bäuer*innen selbst. Sie wären auch gefordert, wie die Konsument*innen, ihre Handlungsweisen zu überdenken:

      Nicht nur Kritik – sondern auch ein Appell für einen Wandel

      Alles in allem eine erbärmliche Situation, über die wir Bauern uns auf der Jagd nach Förderungen, viel zu wenige Gedanken machen, bzw uns von den ewig gleichen politischen Sonntags und Wahlkampfreden blenden und ablenken lassen. Denn eins muss uns Bauern schon bewusst sein : die ganze Zeit das gleiche zu tun (Övp wählen, Handel bashen, weiter völlig am Markt vorbei zu produzieren), aber ein anderes Ergebnis zu erwarten (bessere Preise, höhere Einkommen, usw), ist nicht bäuerlich konservativ - sondern fetzendeppeert...“

      Doch Landwirt Christian Bachler hat nicht nur Kritik anzubieten, sondern schlägt eine Lösung vor, die sich interessanterweise mit den Perspektiven und Zielen von oekoreich deckt:

      Aus meiner Sicht lässt sich das bestehende System nicht mehr verändern. Es muss von einem neuen und besseren abgelöst werden. Dieses neue muss im Kern die Abhängigkeit von Steuergeld und großen Handelskonzernen brechen bzw aushebeln und den Bauern wieder vom austauschbaren Rohstoffproduzenten, zum Lebensmittelproduzenten machen. Dazu braucht es findige Bäuerinnen und Bauern, sowie aufgeschlossene Konsumenten. Beide gibt's ausreichend - wir müssen sie nur zusammenbringen…“

      Dem können wir uns nur anschließen.



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