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Neuer Bericht zeigt „katastrophale Zuspitzung des Artensterbens“

Für bedrohte Wildtierarten und den Artenschutz insgesamt war 2022 wieder kein gutes Jahr.

3/25/2023
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Neuer Bericht zeigt „katastrophale Zuspitzung des Artensterbens“

Für bedrohte Wildtierarten und den Artenschutz insgesamt war 2022 wieder kein gutes Jahr: Weltweit sind inzwischen über 41.500 von etwa 147.500 erfassten Tier- und Pflanzenarten auf der Roten Liste als bedroht eingestuft - das ist mehr als jemals zuvor", sagte Georg Scattolin, Leiter des Internationalen Programms beim WWF Österreich, am Donnerstag in einer Aussendung. Lichtblicke und "tierische Gewinner" würden jedoch zeigen, dass aktiver Artenschutz wirksam ist.

Rentieren, Breitmaulnashörnern und Stören geht es laut dem WWF immer schlechter. "Erderhitzung, Flächenfraß, Überfischung und Wilderei machen ihnen und vielen weiteren Arten das Überleben schwer. Weltweit sind mehr als 41.500 von etwa 147.500 erfassten Tier- und Pflanzenarten auf der Roten Liste als bedroht eingestuft - das ist mehr als jemals zuvor", berichtete Scattolin, Leiter des Internationalen Programms beim WWF Österreich.

 Meilenstein beim Schutz von Haien erreicht

Der diesjährige "Living Planet Report" des WWF zeigt einen dramatischen Artenschwund: Die Bestände der beobachteten Wildtierarten sind seit 1970 um durchschnittlich 69 Prozent eingebrochen. Die Naturschutzorganisation warnt vor einer "katastrophalen Zuspitzung des weltweiten Artensterbens" und fordert in Österreich und darüber hinaus mehr Einsatz der Politik beim Naturschutz. Denn bis zu eine Million Arten könnten in den nächsten Jahrzehnten aussterben, wenn keine Trendwende erfolgt.

Lichtblicke und tierische Gewinner zeigt die WWF-Jahresbilanz überall dort, wo intensiv Natur- und Artenschutz betrieben wird, der heimische Seeadler bleibt Paradebeispiel dafür. Ein Meilenstein ist 2022 beim Schutz von Haien und Rochen gelungen: 54 Arten aus der Familie der Grundhaie, sechs Arten von Hammerhaien und 37 Arten von Geigenrochen werden nun weltweit strenger geschützt - erlaubt ist internationaler Handel mit ihnen in Zukunft nur noch, wenn ihre Bestände dadurch nicht gefährdet werden. "Die tierischen Gewinner geben Hoffnung. Sie zeigen, was in Zeiten von Artensterben, Klimakrise und Pandemien möglich ist", sagte Scattolin. Auch in Österreich gibt es Handlungsbedarf - die im Dezember präsentierte Biodiversitäts-Strategie wartet ebenfalls auf Umsetzung.

Zweitwichtigste Bestäuber gehen verloren

Zu den "Verlierern" 2022 zählt das bereits genannte Rentier, weil der Bestand der weltweit größten Population von wildlebenden Tieren von 417.000 im Jahr 2014 auf 250.000 Tiere eingebrochen ist. Im Jahr 2000 bestand diese in der Taimyr-Region in der russischen Arktis lebende Population noch aus einer Million Tiere. Besonders die Klimakrise und Wilderei bedrohen die Spezies.

Mehr als ein Drittel aller Schwebfliegenarten in Europa und damit 314 von 890 Arten sind laut der neuen Roten Liste der Weltnaturschutzunion (IUCN) durch Landnutzungswandel, Pestizideinsatz und Klimakrise bedroht. Ein schwerwiegender Verlust: Schwebfliegen sind nach Bienen die zweitwichtigsten Bestäuber und helfen bei der Kontrolle von Blattläusen. Die Flugkünstler können zudem wie Kolibris in der Luft stehen und blitzartige Manöver sowohl im Vorwärts- wie im Rückwärtsgang fliegen.

Nashörner leben schon seit über 50 Millionen Jahren auf unserem Planeten und haben Eiszeiten überlebt. Für ihr Horn werden die Kolosse brutal verfolgt und gewildert. In den vergangenen neun Jahren sind in Afrika die Bestände von Breitmaulnashörnern durch Wilderei jedoch von 20.600 weiter auf knapp 16.000 Tiere gefallen.

Störe: Zwei Drittel vom Aussterben bedroht

Ein schlechtes Jahr hat auch der Kaiserpinguin hinter sich, denn im Sommer verpasste es die Antarktis-Konferenz, die größte Pinguinart als besonders geschützte Art auszuweisen. Im Oktober verhinderten dann erneut zwei Staaten die geplante Ausweisung von Meeresschutzgebieten im Südpolarmeer. Im November endete dann auch noch die UN-Klimakonferenz enttäuschend. Bei den derzeitigen CO2-Emissionen drohen zwischen 80 und 100 Prozent aller bekannten Kaiserpinguin-Kolonien bis 2100 nahezu zu verschwinden.

Sieben der acht in Europa vorkommenden Störarten waren bereits vom Aussterben bedroht, seit diesem Jahr gilt nun die achte als offiziell stark gefährdet. Den Glattdick, dessen letzte Bestände in Europa in der Donau schwammen, hat die IUCN dort für ausgestorben erklärt. Weltweit steht es schlecht für die Störartigen, denn alle überlebenden 26 Spezies sind laut der 2022 aktualisierten Roten Liste akut gefährdet, fast zwei Drittel davon sogar direkt vom Aussterben bedroht.

In Österreich steht hingegen der Fischotter auf der Abschussliste, erst im Dezember verlängerte die Kärntner Landesregierung ihre Tötungsverordnung EU-rechtswidrig um weitere zwei Jahre. Auch Salzburg erließ 2022 eine Verordnung zur Tötung von 57 Fischottern. Die Behauptung, die Tiere seien für die Gefährdung von Fischbeständen hauptverantwortlich, halte laut WWF keiner wissenschaftlichen Prüfung stand. Fische leiden vor allem unter der Verbauung, Verschmutzung und Übernutzung von Gewässern. Die Fischotter dienen lediglich als Sündenböcke.

Es gibt auch Positivtrends

Einigen Arten, wie den eingangs erwähnten Rochen, geht es entgegen dem Gesamttrend jedoch besser. So galten im Jahr 2000 Seeadler in Österreich noch als ausgestorben. Heute gibt es wieder um die 50 Brutpaare von Österreichs Wappentier und damit eine stetig wachsende, stabile Population. Im chinesischen Kalender war 2022 das Jahr des Tigers. Aktuellen Zählungen zufolge gab es seit dem letzten Tigerjahr 2010 einen Zuwachs von 50 Prozent auf nunmehr 4.500 bis 5.000 Tiger.

Die Buckelwale in Australien konnten 2022 von der dortigen Liste der bedrohten Arten gestrichen werden. Ihre Zahl ist in australischen Gewässern von ehemals 1.500 auf 40.000 bis 65.000 gestiegen. Und in den USA und auf den Kapverdischen Inseln, zwei ihrer drei wichtigsten Brutgebiete, wurden in letzter Zeit so viele Nester der Unechten Karettschildkröten gefunden, wie seit Jahrzehnten nicht mehr.

(oekoreich/APA)


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