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Nachgefragt: Deswegen setzt „The Vegetarian Butcher“ so stark auf Palmöl

Wieso setzt der milliardenschwere Unilever-Konzern bei seiner Marke "The Vegetarian Butcher" so stark auf Palmöl? Wir haben nachgefragt.

10/25/2021
  • Ernährung
  • Umwelt
Nachgefragt: Deswegen setzt „The Vegetarian Butcher“ so stark auf Palmöl

Vor einiger Zeit haben wir uns die neue Veggie-Marke „The Vegetarian Butcher“ schon einmal angesehen. Zur Erinnerung: Dahinter steckt mit Unilever ein britischer Konzern, der über 50 Milliarden Euro jährlich mit allerlei Produkten umsetzt. Nach eigenen Angaben nutzen 2 Milliarden Menschen in über 190 Ländern täglich das eine oder andere Unilever-Erzeugnis. Zu den Marken gehören u.a. auch „Ben & Jerrys“, „Knorr“, „Omo“, „Pfanni“, „Coral“, „Kuner“ oder „Mentadent“. Der Gigant ist also allgegenwärtig.

Das Unternehmen ist aber nicht nur groß und stark an Umsatz, sondern auch extrem profitabel. In den letzten zehn Jahren, also von 2010 bis 2020, erwirtschaftete es einen Nettogewinn von sage und schreibe rund 60 Milliarden Euro. Also rund 6 Milliarden Euro, die jedes Jahr als Gewinn nach Steuern und Investitionen übrigbleiben für die Aktionäre. Zu den größten Aktionären gehört übrigens die Firma „Black Rock“, der weltgrößte Vermögensverwalter mit einem Kapital von fast 10 Billionen (!) Dollar.

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Die vielen Marken des Unilever-Konzerns
Volles Werbebudget für Greenwashing

Zurück zu „The Vegetarian Butcher“. Mit einer kruden Nostalgie-Kampagne versucht der Milliardenkonzern seine neue Marke als ökologische Alternative zu Fleisch zu vermarkten. Dabei wird nicht mit Weltrettungs-Sprüchen gespart und man könnte fast den Eindruck gewinnen, hier wäre eine Gruppe von Umweltschützern am Werk. Tatsächlich ist es das Produkt von ein paar kreativen Marketingköpfen aus Hamburg, die auf einem prallgefüllten Topf an Werbebudget sitzen, mit dem sie die Geschichten unters Volk bringen können.

Doch wir wollten von Unilever wissen, wieso bei ihren Produkten so stark auf Palmöl gesetzt wird. Denn bei unserer Recherche ist uns aufgefallen, dass die Hauptbestandteile der vegetarischen „Butcher“-Produkte fast immer Soja und Palmöl sind. Doch Palmöl, das ist mittlerweile weithin bekannt, ist das Gegenteil von ökologisch. Wieso wird gerade bei einer Marke, die an das Gewissen der Menschen appelliert, auf diesen Rohstoff gesetzt? Und wie rechtfertigt der Hersteller diese Verwendung eigentlich?

Das sagt Unilever

Wir haben von Unilever eine Antwort erhalten, die nicht den Eindruck erweckt, als wäre man sich des Problems bewusst. Denn zunächst wird unterstrichen, wie wertvoll Palmöl als Rohstoff ist. Das liest sich dann so:

Palmöl ist aufgrund seiner speziellen natürlichen Eigenschaften ein wichtiger Rohstoff für die gesamte Lebensmittelindustrie. Es vereinigt viele positive Eigenschaften: Es weist bei Zimmertemperatur eine feste Konsistenz auf, muss also nicht chemisch gehärtet werden. Darüber hinaus ist es geschmacksneutral, sehr hitzestabil und extrem haltbar. Palmöl ist zudem ein wertvolles Pflanzenöl. Mit ihm lässt sich auf vergleichsweise geringer Fläche ein großer Teil des weltweiten Bedarfs an Pflanzenölen decken. Die Pflanze beansprucht für den gleichen Ertrag etwa dreimal weniger Fläche als Raps. Überdies sichert es das Einkommen und die Ernährung vieler Menschen in Südostasien.“
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Viel, viel Werbegeld steckt hinter der Nachhaltigkeits-Inszenierung
Menschen werden vertrieben und ausgebeutet

Wir kennen diese Argumentation schon aus anderen Anfragen. Stets wird von Konzernen darauf verweisen, dass es effizienter wäre Palmöl anzubauen, statt auf andere Öle zurückzugreifen. Unbeantwortet bleibt dabei jedoch stets, wieso nicht gänzlich auf den Einsatz dieser Öle verzichtet wird. Man fragt sich: Ist es nicht möglich Produkte herzustellen, die ohne massenhaften Einsatz von Palmöl erzeugt werden? Natürlich ist es das, das zeigen ja auch andere Hersteller, selbst solche von vegetarischen Produkten.

Der Satz am Ende, dass so viele Menschen in Südostasien auf den Anbau angewiesen wären, trägt eine gewisse Chuzpe in sich. Denn den Großteil des Palmöl-Anbaus übernehmen große Agrarkonzerne, die wegen Menschenrechtsverletzungen und Umweltzerstörung am Pranger stehen. Es gibt zahlreiche Bücher und Dokumentationen, die zeigen, mit welchen Methoden das Palmöl in den Ländern Südostasiens gewonnen wird – und wie die Menschen vor Ort darunter leiden, dass Konzerne wie Unilever diesen Rohstoff massenhaft nutzen.

Die Mär vom „guten“ Palmöl

Doch damit wollten wir uns noch nicht zufriedengeben. Denn abgesehen davon, dass Palmöl verwendet wird, ist auch die Herkunft wichtig. Wir wollten also wissen, woher dieses stammt. Keine Überraschung, hier kommt die Geschichte vom „guten Palmöl“:

Die Kritik an Palmöl entzündet sich wie bei vielen anderen Agrarrohstoffen an dem „Wo“ und „Wie“ seines Anbaus. Wir verwenden Palmöl, das vom Roundtable on Sustainable Palm Oil (RSPO) zertifiziert ist. Zertifizierung ist eine der Möglichkeiten, die Herstellung und den Handel von Palmöl zu verändern, und der RSPO hat eine Schlüsselrolle bei der Festlegung und Aufrechterhaltung von Standards für die Branche gespielt. Dies allein reicht jedoch nicht aus, das wissen auch wir – es hat nicht zum Ende der Entwaldung oder der anderen Herausforderungen für die Branche geführt.

Aus diesem Grund hat Unilever mit Partnern zusammen eine Reihe zusätzlicher Programme zur Rückverfolgbarkeit und Transparenz in der Lieferkette entwickelt - wie den Einsatz von Satelliten und Geolokalisierungstechnologie sowie die direkte Zusammenarbeit mit Regierungen, NGOs, Zulieferern und Kleinbauern, um die Transformation voranzutreiben. Wir sind fest davon überzeugt, dass all diese Dinge für einen weitreichenden Wandel unerlässlich sind.“
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Traurige Wahrheit ist: Menschenrechtsverletzungen & Umweltzerstörung sind Bestandteile der Palmöl-Industrie
Gütesiegel sind keine Lösung, sondern Teil des Problems

Was hier verschwiegen wird ist, dass Unilever selbst Teil des „Roundtable“ ist und sogar den Vorsitz im RSPO hat. Wenn also etwas dort schiefläuft, seit Jahren, dann ist maßgeblich auch Unilever dafür verantwortlich. Zudem verweisen Expert*innen darauf, dass Pseudo-Gütesiegel wie RSPO die Lage nicht nur nicht verbessern, sondern auch noch verschlechtern. Denn mit dem Anschein des „Guten“ werden bewusst Sorgen von Menschen abgemildert und diese zum Kauf scheinbar „besserer“ Produkte verführt.

Dass damit im Grunde nur ein hochprofitabler Kreislauf der Zerstörung in Gang gehalten wird, das unterschlagen die Konzerne natürlich gerne. In ihrer Werbung hören wir Weltverbesserungs-Botschaften und gewinnen so den Eindruck, wir könnten mit dem Griff ins Regal einen positiven Beitrag leisten. Doch ein Produkt, das auf Import-Soja und Palmöl basiert, verlagert das Problem nur. Und ist damit kein nachhaltiger Beitrag zur Lösung der Probleme.


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