Die Regiothek wurde für die Zukunft entwickelt. Leider ist dein Browser veraltet und unterstützt möglicherweise einige Techniken nicht mehr. Daher kann es zu Anzeigeproblemen kommen.

Du kannst z.B. Browse Happy besuchen um einen aktuellen Browser herunterzuladen.

Artikel

Milliardengewinne bei Nestle & Co: Wie Konzerne an der Grundversorgung verdienen

Ein Blick auf die veröffentlichten Jahresabschlüsse zeigt: 2024 war für die Branche insgesamt ein äußerst lukratives Jahr.

1/4/2026
  • Ernährung
  • Konsumentenschutz
Milliardengewinne bei Nestle & Co: Wie Konzerne an der Grundversorgung verdienen

Lebensmittel sind ein Grundbedürfnis. Gerade deshalb reagieren Gesellschaften besonders sensibel, wenn die Preise für Brot, Milch, Getränke oder Babynahrung steigen. Das Jahr 2024 war in vielen Ländern weiterhin geprägt von hoher Belastung für private Haushalte: Reallöhne erholten sich nur langsam, Mieten und Energiekosten blieben hoch. Vor diesem Hintergrund sorgten die Geschäftszahlen der großen Lebensmittel- und Getränkekonzerne für erhebliche Kritik. Denn während Millionen Verbraucherinnen und Verbraucher sparen mussten, meldeten die führenden Konzerne erneut Milliardengewinne.

Ein Blick auf die veröffentlichten Jahresabschlüsse zeigt: 2024 war für die Branche insgesamt ein äußerst lukratives Jahr. Die Gewinne waren kein Zufallsprodukt, sondern Ergebnis gezielter Preisstrategien, hoher Marktkonzentration und einer konsequenten Ausrichtung auf Margensicherung – oft zulasten der Konsumentinnen und Konsumenten.

Preiserhöhungen als Normalzustand

Nach den massiven Kostensteigerungen der Vorjahre argumentierten die Konzerne auch 2024, dass Preiserhöhungen unvermeidlich seien. Tatsächlich aber zeigen die Zahlen, dass viele Kosten – etwa für Energie, Transport oder bestimmte Agrarrohstoffe – im Laufe des Jahres wieder sanken. Die Preise im Supermarkt hingegen blieben hoch. In vielen Fällen stiegen sie weiter, obwohl sich die Kostenbasis entspannte. Der Effekt: steigende Margen und hohe Gewinne.

Besonders deutlich wird das am Beispiel von Nestlé, dem größten Lebensmittelkonzern der Welt. Nestlé wies für 2024 einen Nettogewinn von rund 10,9 Milliarden Schweizer Franken aus. Zwar lag dieser Wert leicht unter dem Vorjahr, doch die operative Gewinnmarge blieb auf hohem Niveau. Der Konzern räumte selbst ein, dass das organische Umsatzwachstum überwiegend preisgetrieben war, während die Absatzmengen in mehreren Regionen zurückgingen. Mit anderen Worten: Nestlé verkaufte nicht deutlich mehr Produkte – verdiente aber mehr pro verkauftem Artikel. Für Kritiker ist das ein klassisches Beispiel dafür, wie Marktmacht genutzt wird, um Preissteigerungen auch dann durchzusetzen, wenn Konsumenten bereits an ihrer Belastungsgrenze sind.

Getränke: Milliardenprofite mit Zucker und Wasser

Noch deutlicher fällt das Bild bei den internationalen Getränkeriesen aus. The Coca-Cola Company meldete für 2024 einen Nettogewinn von rund 10,6 Milliarden US-Dollar. Coca-Cola profitierte von globalen Preiserhöhungen, die in vielen Märkten oberhalb der Inflationsrate lagen. Gleichzeitig blieb das Absatzvolumen weitgehend stabil oder sank nur leicht – ein klares Signal dafür, dass Konsumenten die höheren Preise notgedrungen akzeptierten.

Auch PepsiCo verdiente 2024 auf hohem Niveau. Der Konzern erzielte einen Nettogewinn von etwa 9,6 Milliarden US-Dollar. Besonders profitabel war das Snackgeschäft, das hohe Margen ermöglicht und weniger preissensibel ist als Grundnahrungsmittel. PepsiCo selbst sprach von „disziplinierter Preisgestaltung“ – ein Begriff, der in Konzernsprache für konsequente Durchsetzung höherer Preise steht.

Europa: Hohe Gewinne trotz stagnierender Nachfrage

Auch europäische Konzerne zeigten 2024, dass sich mit Lebensmitteln weiterhin sehr gut verdienen lässt. Unilever erzielte 2024 einen Nettogewinn von rund 7,4 Milliarden Euro. Das Unternehmen erhöhte in vielen Produktkategorien – von Speiseeis bis zu Fertiggerichten – die Preise deutlich, während die Verkaufsvolumina zurückgingen. Unilever reagierte darauf nicht mit Preissenkungen, sondern mit Portfolio-Bereinigungen und Sparprogrammen, um die Profitabilität weiter zu steigern.

Der französische Konzern Danone meldete für 2024 einen Nettogewinn von rund 2,3 Milliarden Euro. Zwar liegt Danone damit deutlich unter den ganz großen Playern, doch auch hier zeigt sich das gleiche Muster: Preissteigerungen kompensierten rückläufige Mengen. Besonders kritisch sehen Verbraucherschützer die hohen Preise für Babynahrung und medizinische Spezialprodukte, die Danone als margenstarke Wachstumstreiber ausgebaut hat.

In der Fleischindustrie sorgte 2024 eine Entspannung bei Futter- und Energiekosten für bessere Ergebnisse. Tyson Foods erzielte im Geschäftsjahr 2024 einen Nettogewinn von rund 1,1 Milliarden US-Dollar, nachdem das Unternehmen im Vorjahr noch deutlich schwächer abgeschnitten hatte. Auch hier wurde der Turnaround weniger durch steigenden Konsum erreicht als durch aggressive Kostensenkungen, Werksschließungen und Personalabbau.

Kritik an „Gewinninflation“

Angesichts dieser Zahlen ist die Kritik an den Konzernen scharf. Verbraucherorganisationen und Ökonomen werfen der Branche vor, die Inflation der Vorjahre als Vorwand genutzt zu haben, um Preise dauerhaft auf ein höheres Niveau zu heben. Während die Kosten 2024 teilweise zurückgingen, blieben die Preise hoch – die Differenz floss direkt in die Gewinne. Studien zeigen, dass ein erheblicher Teil der Lebensmittelpreisinflation in den Jahren 2023 und 2024 nicht durch Kosten, sondern durch steigende Unternehmensmargen erklärt werden kann.

Die Konzerne weisen diese Vorwürfe zurück. Sie argumentieren, dass hohe Gewinne notwendig seien, um Investitionen in Nachhaltigkeit, Digitalisierung und Versorgungssicherheit zu finanzieren. Ein Blick auf die Kapitalverwendung relativiert diese Argumentation jedoch: Ein erheblicher Teil der Gewinne floss 2024 in Dividenden und Aktienrückkäufe. Coca-Cola, PepsiCo und Nestlé schütteten zusammen zweistellige Milliardenbeträge an ihre Aktionäre aus.

Marktmacht als strukturelles Problem

Ein zentrales Problem ist die hohe Konzentration im Lebensmittelmarkt. Wenige multinationale Konzerne dominieren große Teile des globalen Angebots. Diese Marktmacht erlaubt es ihnen, Preise durchzusetzen, die kleine Anbieter oder der Handel kaum unterbieten können. Für Verbraucher bedeutet das: echte Alternativen fehlen oft, insbesondere bei Markenprodukten oder in spezialisierten Segmenten wie Babynahrung.

Politisch gewinnt daher die Frage an Bedeutung, ob strengere Wettbewerbsregeln oder Preisbeobachtungen notwendig sind. In mehreren Ländern wurden 2024 Untersuchungen zur Preisbildung im Lebensmittelhandel gestartet. Konkrete regulatorische Eingriffe blieben jedoch bislang die Ausnahme.

Ein ernüchterndes Fazit

Die Gewinne der Lebensmittelkonzerne im Jahr 2024 sind kein Randphänomen, sondern Ausdruck eines Systems, in dem Grundversorgung zunehmend nach Logiken maximaler Profitabilität organisiert wird. Milliardenüberschüsse stehen einer breiten gesellschaftlichen Debatte über Kaufkraftverluste und soziale Ungleichheit gegenüber. Solange wenige Konzerne den Markt dominieren und Preiserhöhungen weitgehend ungehindert durchsetzen können, wird sich daran wenig ändern.

Für Verbraucherinnen und Verbraucher bleibt 2024 daher vor allem eines: das Jahr, in dem Lebensmittelkonzerne bewiesen haben, dass sich selbst in Zeiten wirtschaftlicher Belastung außergewöhnlich hohe Gewinne erzielen lassen – bezahlt von denen, die sich dem Markt nicht entziehen können.


In eigener Sache: Wir arbeiten unabhängig von Parteien und Konzernen. Um unseren Fortbestand zu sichern, sind wir auf Abonnent*innen angewiesen. Bitte schließen Sie jetzt ein Abo ab und ermöglichen Sie damit unsere Berichterstattung. Danke!

Jetzt abonnieren
Logo Oekoreich

Werde Mitglied bei oekoreich+ und erhalte Zugang zu unseren Top-Stories und exklusive Einblicke.

Mehr erfahren

Jetzt weiterlesen

oekoreich möchte ein bestmögliches Onlineangebot bieten. Hierfür werden Cookies gespeichert. Weil uns Transparenz wichtig ist können Cookies und die damit verbundenen Funktionalitäten, die nicht für die Grundfunktion von oekoreich notwendig sind, einzeln erlaubt oder verboten werden.
Details dazu findest du in unserer Datenschutzerklärung. Dort kannst du deine Auswahl auch jederzeit ändern.