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Klimawandel: So verändert sich der Fischfang in den Weltmeeren

Der Klimawandel beeinflusst auch den Fischfang in den Weltmeeren - in Asien und in Europa.

4/21/2024
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Klimawandel: So verändert sich der Fischfang in den Weltmeeren

Die Fischerei auf den Weltmeeren ist so alt wie die Menschheit selbst und diente seit jeher den Menschen als wichtige Nahrungsquelle. Die Methoden des Fischfangs haben sich seither stark verändert: anfangs noch mit Speeren - wie zum Teil heute noch in einigen Kulturen praktiziert – über Bretter mit Stacheln und Netzen bis hin zu Aquakulturen und industrieller Fertigung.

Vor allem an den zahlreichen Küsten der Welt ist der Fang und die Verarbeitung von Fisch eine Stütze der Gesellschaft. Aber mit den neuen Methoden kam auch der Klimawandel, der dieses Gewerbe und die Umwelt nachweislich gefährdet und Ökosysteme auf den Kopf stellen wird. Zugleich wird noch nicht genug zum Schutz der Meerestiere getan.

Japan – der Fisch wird weniger

In aller Welt ist Japans Esskultur bekannt, die vor allem für dessen zahlreiche Fisch- und Meeresgerichte gepriesen und geschätzt wird. Jahrzehntelang war Japan die größte Fischfangnation, die Häfen wimmelten nur so von Booten und Netzen und findet sich heute nach China in der Rangliste wieder. Als Inselstaat war der Fang von Meerestieren immer wichtig, mehr noch als in Großbritannien – in Europa einzig mit Island und Norwegen zu vergleichen – was sich auch in der Kultur widerspiegelt. Viel Protein in den täglichen Mahlzeiten der Japaner:innen kam von Fischen und Meeresfrüchten. Die maritime Tradition Japans hat allen Transformationen getrotzt und ist Teil der kulturellen Identität dieser Nation. Vor allem die Küstenstädte leben von der Fischerei, aber eine Frage wird immer größer: wie lange geht das noch?

Denn die Fangzahlen in den Meeren um die Inselnation werden immer kleiner. Als Rekordjahr ging 1984 in die Geschichte ein, als knapp 13 Millionen Tonnen Fisch gefangen wurden. Im Vergleich dazu wurden 2022 nur knapp 4 Millionen Tonnen Fisch gefangen, 1990 war es fast noch das Dreifache! Daher stellen sich viele die Frage: wie ist das möglich? Die Antwort ist so simpel wie offensichtlich: zum einen Überfischung und zum anderen der Klimawandel selbst.

Japan liegt in einer günstigen Lage für die Fischerei: vom Norden kommen kalte Wasserströme (Oyashio-Strömung), aus dem Süden die warmen Wasser aus der Äquatorgegend (Kuroshio-Strömung). Beide prallen vor den Inseln aufeinander und bringen so Nährstoffe aus dem Norden und die Fische aus dem Süden zusammen. Diese Kombination erlaubte lange Zeit reiche Fänge und eine stabile Lebensmittelversorgung der Bevölkerung.

Ein Symptom war das Anschwemmen zahlreicher toter Sardinen im Dezember letzten Jahres in der nordjapanischen Stadt Hakodate, etwas, das zuletzt vor über 60 Jahren passiert ist. Normalerweise kamen die Sardinen als Fang auf den Booten in den Hafen, aber nicht direkt und vor allem nicht auf diese Weise. Warum das passiert ist, bleibt unklar – entweder aufgrund einer Strömung oder auf der Flucht vor Raubtieren wie Delfinen.

Das Phänomen der beiden Ströme hat sich in den letzten Jahren stark verändert, da der warme Südstrom immer stärker wird und dadurch nach Norden drängt. Diese Verschiebung schiebt die Hauptfischereigründe in den Pazifik hinaus, was zu geringeren Fängen und längeren Fahrten führt. Es kam sogar zu einem Ausbleiben des Makrelenfangs vor der Küste von Chiba, viel mehr Fischarten gehen weiter nördlich bzw. weiter draußen am Meer ins Netz als früher.

Der zweite Faktor ist die systematische Überfischerei, die nicht nur von Japan lang Zeit ohne Rücksicht auf die Fische betrieben wurde. Erst kürzlich gestand sich die Regierung Japans ein, dass Überfischung ein Problem für die Zukunft sei – das Bekenntnis dazu war aber schwach formuliert. Was auch einen Grund hat: die Regierung will nicht mit der alten Fischfangtradition brechen, die sich mehr oder weniger regional selbst kontrolliert hat, sie wollen keine nationalen Fangquoten einführen. Selbstverständlich gibt es vonseiten der Regierung und Präfekturen gewisse Vorgaben, diese werden aber letzten Endes von den Fischereihäfen auf eigene Art und Weise angewandt – weil sie am besten über die Lage Bescheid wüssten, aber der größere Blick könnte fehlen.

Daher wurde vonseiten der Regierung Japans 2018 eine Kontrolle der Fischbestände und - arten angeordnet, die später ausgeweitet wurde, 56% aller Arten seien auf dem Rückzug. Damit einhergehend wurden nun Kontrollen und Fangquoten beschlossen, denen sich etliche Fischer zu entziehen versuchen. Die gute Nachricht ist: die Bestände erholen sich langsam aber doch. Die schlechte: den Platz Japans hat in den letzten Jahren China eingenommen, die eine gewaltige Fischereiflotte aufgebaut hat und teils weltweit operiert. China hält nichts von Fangquoten und achtet auch nicht auf mögliche Gefährdungen für Fischbestände.

Von Afrika nach Europa – moderner Fischfang in Entwicklungsländern

Mit der Europäischen Union kam auch die Erkenntnis, dass die Fischerei im heutigen Ausmaß auf Dauer nicht tragbar sei in den Meeren. Als Konsequenz einigten sich die Mitgliedsstaaten auf Fangquoten, die für alle verpflichtend sind und teils sehr streng kontrolliert werden. Denn: seit den 1970er-Jahren hat sich der Bestand an Fischen alleine im Mittelmeer um 90% verringert aufgrund aggressiver Fischerei, insgesamt gerechnet sind fast alle Bestände weltweit gefährdet. Und ein weitweites Problem: knapp 20% aller Fänge kommt aus illegalem Betrieb. Viele Fischereibetriebe sind nicht mehr in Europa tätig – sie verlegen ihre Operationen an die Küsten von Entwicklungsländern wie Westafrika, wo es keine Kontrollen und Erfassungen gibt.

Nachhaltigkeit steht also nicht hoch auf der Tagesordnung der modernen Fangfischerei, die mit großen Hochseeschiffen arbeiten, die wie Fabriken den Fisch an Bord verarbeiten und verpacken. Vor allem beim Thunfischfang vor der Küste Westafrikas passiert es oft, dass Haie mitgefangen und folglich getötet werden – obgleich ein Drittel aller Arten von der Ausrottung bedroht sind. Dabei beschränken sie sich nicht alleine auf die Küsten dieser Länder: Fischereischiffe fahren teils den ganzen Atlantik ab – von der Antarktis bis nach Island. Um Kosten zu sparen, wird oftmals Zwangsarbeit an Bord dieser illegalen Schiffe verwendet. Die Offiziere sind zumeist aus Südamerika oder Europa, die Arbeiter:innen aus den Entwicklungsländern Afrikas und Asiens. Nur auf diese Weise und durch Subventionen können sich etliche Fischereiunternehmen über Wasser halten. Mit der illegalen Fischerei geht auch der Schaden an Natur und Umwelt einher.

Interessant ist auch die Größe der Europäischen Fischereiflotte, denn sie ist beinah dreifach so groß wie für eine nachhaltige Fischerei in den eigenen Gewässern nötig wäre. Viele von diesen Schiffen fahren daher vor die Küsten Afrikas und kaufen sich billige Lizenzen für den Fischfang, zum Schaden der örtlichen Bevölkerung. Aktionen von verschiedenen Umweltschutzorganisationen sind in aller Munde, manche schießen sich gar mit den betroffenen Nationen zusammen.

So haben mehrere Gruppen ihre Schiffe für Kontrollen zur Verfügung gestellt, mit denen Offiziere der betreffenden Nationen auf See fahren und der illegalen Fischerei Einhalt gebieten können. Aber es reicht bei weitem noch nicht aus und eine flächendeckende Überwachung mit den vorhandenen Möglichkeiten kaum machbar. Satellitendaten, so zuverlässig sie sein mögen, sind von mehreren Faktoren abhängig und das Betrieben einer großen Schutzflotte ist finanziell nicht möglich. Ziel dieser Gruppen ist die Renaturierung der Ozeane und eine nachhaltige Fischerei mit konkreten Zielen und Kontrollen.

Denn nur 3 Prozent der Meere auf der Erde sind als Schutzgebiete deklariert, wobei in einigen noch immer gefischt werden kann. Der Plan der Vereinten Nationen, 30% aller Meere zu Naturschutzgebieten zu machen, ist in weite Ferne gerückt. Und knapp 2/3 aller Meere stehen außerhalb jeder nationalen Gerichtsbarkeit, sind also internationale Gewässer – für diese gelten noch weniger Regeln. So ist die Krillfischerei in der Antarktis ganz wenigen Gesetzen unterworfen, schädigt aber nachhaltig das Ökosystem Meer. Denn Krille, die viel Omega-3 enthalten, dienen Walen und anderen großen Lebewesen als Nahrung.

Fakt ist: Die Fischerei steht weltweit auf einem Prüfstand, nicht nur wegen illegaler Aktivitäten und Umweltschäden. Vor allem der Klimawandel und die Erwärmung der großen Ozeane wird viel Schaden anrichten und dieses uralte Gewerbe bis in ihre Grundfesten erschüttern. Dabei sind Fischer vor die Frage gestellt: Weitermachen wie bisher oder anpassen? Und dieser Frage können sie nicht entrinnen.

Quellen & Links:
 

  • DerStandard (Österreich)
  • Tagesanzeiger (Schweiz)
  • Frankfurter Allgemeine Zeitung (Deutschland)
  • Süddeutsche Zeitung (Deutschland)
  • Sumikai (Japan-Magazin)

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