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      Die Lüge mit den Labels: Das große Geschäft mit illegalem Holz

      Holz gilt als nachhaltig und ökologisch - doch hinter den schönen Werbebildern stecken sich dunkle Machenschaften. Wie IKEA & Co sich an den letzten Urwäldern vergreifen.

      10/13/2021
      • Umwelt
      • International
      • Österreich
      Die Lüge mit den Labels: Das große Geschäft mit illegalem Holz

      Der Rohstoff Holz gilt als nachhaltig und ökologisch. Er wird vielfältig eingesetzt, ob beim Wohnen, Heizen oder Bauen. ORF III widmete kürzlich dem Boom-Stoff Holz einen ganzen Themenabend und beleuchtete dabei vor allem auch die Schattenseiten der Holzindustrie. Denn für Möbel, Inneneinrichtungen oder ganze Häuser werden Urwälder abgeholzt und Umweltstandards verletzt. Kurzum: mit der Natur wird Geld gemacht, damit Konsument*innen sich ein schönes Heim einrichten können.

      Der Gewinn für die wenigen Konzerne, die das globale Holz-Business kontrollieren, steht über dem Naturschutz und das oft unter dem Deckmantel von Gütesiegeln. So auch das bekannte FSC-Gütesiegel (Forest Stewardship Council), das Nachhaltigkeit und verantwortungsbewusstes Forsten repräsentiert. Dieses steht unter Verdacht, die selbstgesetzten Standards nicht ernst zu nehmen und sich auch auf Holz bzw. aus Holz gefertigten Produkten wie z.B. Möbel zu finden, das nicht gefällt werden dürfte.

      „Türöffner für Regenwald-Abholzer“

      Expert*innen kritisieren das FSC-Label scharf und insbesondere auch die Mitwirkung von NGOs: „Mit dem Segen von FSC und WWF fallen Holzfäller in die letzten unberührten Regenwälder der Erde ein und roden den Menschen ihre Heimat und Lebensgrundlagen weg. Die Klagen der Menschen werden mit dem Alibi des Siegels als haltlos weggewischt. Als besondere Errungenschaft gilt dabei: Mit GPS ausgestattete Ureinwohner dürfen ein paar besonders wichtige Bäume und Areale vor Säge und Bagger retten.

      Bekanntes Beispiel dafür, das auch im Fernsehbeitrag erwähnt wird, ist der Möbelkonzern IKEA. Dieser legt großen Wert auf ein grünes, nachhaltiges Image und zeigt das nicht nur in Werbespots, sondern auch mit der neuen erst kürzlich eröffneten Filiale am Wiener Westbahnhof. Recherchen der NGO „Agent Green“ haben jedoch gezeigt, dass IKEA für illegale Schlägerungen in Rumänien verantwortlich ist und dabei nicht nur gegen nationale rumänische Regelungen, sondern auch gegen europäische Naturschutzgesetze verstößt.

      Lieferketten von IKEA durchleuchtet

      Die Umweltschützer haben die globalen Lieferketten von IKEA durchleuchtet und ein verzweigtes Netzwerk von Unternehmen ausfindig gemacht, die vom ersten Schritt der Fällung der Bäume bis hin zum Endprodukt, dem fertigen Möbel beteiligt sind. Klar ist: Dieses Netzwerk ist intransparent und nimmt jene, die am Ende der Kette stehen und mit dem Endprodukt Gewinne machen, nicht für Umwelt- oder Menschenrechtsverletzungen ihrer Subunternehmen und Zulieferer in die Verantwortung.

      Damit Konzerne wie IKEA für die Praktiken ihrer Zulieferer und Subunternehmen im rechtlichen Sinn verantwortlich gemacht werden können, braucht es ein Lieferkettengesetz. Sprecherin der Initiative für ein Lieferkettengesetz in Österreich, Veronika Bohrn Mena fordert im Beitrag, dass dieses Gesetz Dokumentation und Transparenz, die Einhaltung von Menschenrechten & Umweltstandards sowie eine persönliche Haftung umfasst.

      Einhaltung der Gesetze: Eine Pflicht – kein Gnadenakt

      Denn Konsument*innen hätten das Recht zu erfahren, aus welchem Land das Holz für ihre Möbel stammt, wo es gefällt, verarbeitet und schlussendlich der Tisch daraus gefertigt wurde. Sie hätten ein Recht zu erfahren, wenn sie sich über ihren Kauf an Verbrechen beteiligen. Wenn Konzerne dafür illegal Wälder abholzen, müssen sie zur Verantwortung gezogen und Sanktionen gegen sie durchgesetzt werden.

      Das Lieferkettengesetz ist ein wichtiger Schritt, um den Umgang mit dem Rohstoff Holz nachhaltig zu gestalten, indem Konsument*innen transparent dargelegt wird, woher er kommt und wie er dort wieder aufgeforstet wird, und jene – vom Anfang bis zum Ende der Lieferkette – sanktioniert werden, die sich nicht an Umweltauflagen halten. Die Einhaltung der Gesetze ist eine Pflicht, kein Gnadenakt. Die ganze Sendung kann man hier nachsehen.



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