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Chemie im Badezimmer: Was Haaröle wirklich enthalten und wie gefährlich sie sind

Glänzendes, geschmeidiges Haar durch ein paar Tropfen Öl? Diese Verheißung ist seit Jahren ein fester Bestandteil globaler Beauty-Narrative.

2/24/2026
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Chemie im Badezimmer: Was Haaröle wirklich enthalten und wie gefährlich sie sind

Glänzendes, geschmeidiges Haar durch ein paar Tropfen Öl? Diese Verheißung ist seit Jahren ein fester Bestandteil globaler Beauty-Narrative. Doch der aktuelle Test des Vereins für Konsumenteninformation (VKI) wirft nun grundlegende Fragen auf: Wie ungefährlich sind Haaröle wirklich? Was steckt in den gängigen Produkten, die viele Konsumentinnen und Konsumenten täglich verwenden? Und wo liegen die Grenzen zwischen Marketingversprechen und wissenschaftlich belegter Wirkung?

Fast die Hälfte der Produkte mit problematischen Inhaltsstoffen

In Zusammenarbeit mit Verbraucherorganisationen aus Dänemark, Norwegen, der Tschechischen Republik und Slowenien hat der VKI insgesamt 40 Haaröl-Produkte untersucht, die in Österreich erhältlich sind. Das Ergebnis ist nicht gerade beruhigend: Keines der Öle war vollständig frei von bedenklichen Stoffen. 22 erhielten eine „gelbe“ Bewertung – was bedeutet, dass sie zwar keine extrem kritischen Inhaltsstoffe, aber dennoch Stoffe von möglicher Relevanz enthalten –, 18 Produkte fielen sogar in die „rote“ Kategorie.

„Gelb“ bewertet wurden Produkte, die nach VKI-Definition zwar im Grenzbereich liegen, aber potenziell allergene Stoffe wie häufige Duftstoffe (etwa Limonene) enthalten – Stoffe, auf die gerade empfindliche oder umweltbewusste Verbraucher:innen achten sollten. Besonders kritisch: Einige Marken produzierten unter dem Label „Naturkosmetik“, obwohl sie überwiegend synthetische Zutaten enthielten.

Vom synthetischen Cocktail zur Verbraucherfalle

Was bedeutet „rot“ im Ampelsystem des VKI? Diese Bewertung steht für Produkte, die potenziell hormonell wirksame oder schwer abbaubare Chemikalien enthalten. Solche Substanzen können im Körper wirken, bevor sie vollständig abgebaut werden, und tragen zur chemischen Gesamtbelastung bei – auch wenn sie einzeln in der Konzentration gesetzlich zulässig sind.

Besonders hervorgehoben wurde die Verwendung von Siloxanen wie D5 und D6 – chemischen Verbindungen aus der Familie der Silikone, die in vielen Kosmetika als „weichmachende“ und glättende Komponenten dienen. Diese Stoffe sind jedoch nicht nur schwer abbaubar, sondern gelten als umweltpersistente Substanzen, die sich in Ökosystemen anreichern können.

Die Europäische Chemikalienagentur (ECHA) hat Siloxane wie D4, D5 und D6 als Substanzen von sehr hoher Besorgnis (SVHC) klassifiziert, und die EU hat Restriktionen verschärft: Ab Juni 2027 sollen D5 und D6 in kosmetischen Leave-On-Produkten nur noch in sehr geringen Konzentrationen erlaubt sein oder komplett wegfallen.

Das synthetische Versprechen: Glanz um jeden Preis?

Viele Haaröle auf dem Markt bestehen dem VKI-Test zufolge hauptsächlich aus synthetischen Trägerstoffen und Silikonen, ergänzt um einige pflanzliche Öle. Ziel ist ein schneller, sichtbarer Effekt: Haare wirken glatt, geschmeidig und glänzend. Doch dieser Effekt wird durch eine dünne, künstliche Filmbildung erreicht – was langfristig nicht immer dem Haar zugutekommt.

Chemisch betrachtet legen Silikone eine hydrophobe Schicht um das Haar, die Wasser und Schmutz abweist und für kurzfristigen Glanz sorgt. Dermatologen und Kosmetikchemiker betonen, dass dies zwar kurzfristig angenehm wirkt, aber bei zu häufiger Verwendung zu Produktansammlungen, stumpfer Optik und langfristig trockenem Haar führen kann.

Natur versus Synthetik: Was ist drin – und was hilft wirklich?

Im Gegensatz zu silikon- und synthetiklastigen Formulierungen enthalten natürliche Haaröle, wie Kokos-, Argan- oder Sonnenblumenöl, Triglyceride, Fettsäuren, Vitamine und Antioxidantien, die direkt in die Haarstruktur eindringen oder die Kopfhaut pflegen können. Traditionell werden solche Öle zur Hydratisierung, Schutz vor Umweltstress und zur Verbesserung der Haarstruktur verwendet.

Studien zeigen, dass Kokosöl beispielsweise die Proteinverluste bei gewaschenem Haar reduzieren kann und so Haarschäden vorbeugt. Andere pflanzliche Öle – etwa Argan- oder Jojobaöl – liefern Nährstoffe und verbessern die Flexibilität der Haare, was wiederum Bruch und Spliss reduzieren kann.

Doch: Auch natürliche Öle sind nicht per se „sicher“ oder „risikofrei“. Allergene Inhaltsstoffe oder unsachgemäße Anwendung (z. B. zu hohe Mengen oder falsche Mischung) können zu Hautreizungen führen. Eine Patch-Test-Empfehlung ist daher sinnvoll, bevor ein Öl großflächig angewendet wird.

Regulierter Raum: Was Gesetzgeber und Wissenschaft empfehlen

Aus regulatorischer Sicht gilt: Alle in Kosmetika verwendeten Stoffe müssen den Anforderungen der EU-Kosmetikverordnung (EG Nr. 1223/2009) entsprechen. Das bedeutet, sie sind einzeln getestet und zugelassen. Doch gerade bei Stoffen, die akkumulativ wirken oder schwer abbaubar sind, greifen immer strengere Regeln – wie die oben erwähnten Restriktionen für Siloxane.

Kosmetikwissenschaftler und Umweltchemiker warnen, dass bestimmte synthetische Inhaltsstoffe zwar kurzfristig harmlos erscheinen mögen, aber auf Dauer und in der Summe ein Problem darstellen können – nicht nur für den Menschen, sondern auch für Umwelt und Wasserökosysteme.

Verbraucher zwischen Schönheitsversprechen und Realität

Was bedeutet das alles für die Konsumentin und den Konsumenten, die vor dem Regal stehen und ein Haaröl kaufen wollen? Erstens: Markenversprechen und Wirkstoffe sollten nicht verwechselt werden. Ein „organisches“, „pflanzliches“ oder „Naturkosmetik“-Label ist kein Freifahrtschein für Unbedenklichkeit, sondern oft Marketing. Der Blick auf die Inhaltsstoffliste (INCI) bleibt der wichtigste Schlüssel zur Bewertung.
Zweitens: Ein Haaröl kann sinnvoll sein, etwa um trockene Spitzen zu pflegen, Spliss vorzubeugen oder das Haar vor Umweltstress zu schützen. Doch es kann kein strukturelles Haarproblem wie Haarausfall heilen – dafür sind andere, medizinisch fundierte Ansätze notwendig.

Und drittens: Wer Wert auf natürliche, möglichst unbedenkliche Pflege legt, sollte sich an Produkten orientieren, die überwiegend pflanzliche Öle in hoher Konzentration enthalten und möglichst wenige synthetische Additive. Reines Kokos-, Argan- oder Sonnenblumenöl ist nach heutigem Wissensstand eine risikoärmere Alternative zu stark formelierten Haarölen.

Der VKI-Test macht deutlich, dass Haaröle weit mehr sind als nur „Flaschen voller Schönheit“. Sie enthalten chemische Wirkstoffe, die Unterschiede machen – sowohl in der Wirkung als auch in der Bewertung ihrer gesundheitlichen und ökologischen Unbedenklichkeit. Für Verbraucher heißt das: informiert kaufen, kritisch hinterfragen und eigene Bedürfnisse kennen. Denn glänzendes Haar beginnt nicht nur mit dem richtigen Produkt im Badezimmer – sondern mit dem bewussten Blick auf das, was drinsteckt.


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