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      5.000 Kilometer Horrorfahrt: Das erbärmliche Schicksal trächtiger Kühe

      Was machen unsere Kühe in Usbekistan oder Kasachstan? Das fragen sich wohl viele Menschen in Österreich und Deutschland.

      10/23/2021
      • Tiere
      5.000 Kilometer Horrorfahrt: Das erbärmliche Schicksal trächtiger Kühe

      Was machen unsere Kühe in Usbekistan oder Kasachstan? Das fragen sich wohl viele Menschen in Österreich und Deutschland. Sie legen eine Horrorfahrt über 5.000 Kilometer zurück, um in der Ferne abzukalben und dann geschlachtet zu werden. Das behaupten zumindest Expert*innen, die sich kritisch zu den Zuchttransporten äußern, die in Wahrheit viel zu oft verdeckte Schlachttransporte wären. Die Tiere werden trächtig durch die Welt gekarrt, das ist zusätzlich belastend. Bei Hunden und Katzen würde man solche Strapazen nicht tolerieren, bei landwirtschaftlich genutzten Tieren wird das offenbar anders bewertet.

      Nachweislich keine Einzelfälle

      Im Sommer knallt die Sonne auf die Laster, in den Innenräumen steigt die Temperatur auf über 40 Grad an. Im Winter ist es so bitterkalt, dass die Tränken einfrieren. Es ist unzumutbar, was den Tieren angetan wird, und das wissen wohl auch alle Beteiligten. Doch an der Praxis ändert sich kaum was, denn das Geschäft ist einträglich und am Ende gilt auch hier der beliebte Spruch: Aus den Augen, aus dem Sinn. Dass es sich dabei nicht um Einzelschicksale handelt, das zeigt eine aktuelle Recherche aus Deutschland. Siebentausend Tiere wurden von der Bundesrepublik aus alleine im vergangenen Jahr ins Ausland verkauft.

      Wie Katrin Langhans bei Merkur berichtet, stammen die deutschen Tiere, die nach Kasachstan gekarrt werden, fast ausnahmslos aus Bayern. Auch Tiere aus Österreich werden auf die Monsterfahrten geschickt, bei denen die EU-Tierschutzstandards defacto außer Kraft gesetzt sind, obwohl sie bis zum Zielort ihre Gültigkeit hätten. Das berichtete in der Vergangenheit auch der renommierte österreichische Tierarzt und Tiertransport-Experte Alexander Rabitsch, der mit der NGO Animal Welfare Foundation zahlreiche Verletzungen aufgedeckt hat. Von Ausnahmefällen kann hier nicht mehr die Rede sein.

      Offiziell will niemand die Transporte

      Die Behörden mehrerer deutscher Bundesländer haben bereits dutzendfach verzweifelte Appelle an die Bundeslandwirtschaftsministerin gestellt und ein europäisches Tiertransporte-Exportverbot gefordert. Wo die Einhaltung der EU-Standards nicht sichergestellt werden könne, das gilt übrigens auch für Transporte nach Marokko oder Jordanien, dort dürften diese auch nicht abgefertigt werden. Auch viele Veterinärmediziner würden am liebsten die Unterzeichnung der Dokumente verweigern, ihnen drohen jedoch saftige Strafen nach Klagen durch Transportunternehmen.

      Wenn die Politik auf die Missstände angesprochen wird, dann bekundet sie stets den Wunsch und Willen nach Änderung. Auf EU-Ebene, im mächtigen Rat, werden Verschärfungen dann aber blockiert. Und so bleibt den Bürger*innen nur die Hoffnung auf ihre Vertretung im EU-Parlament. Dort sitzen Menschen die der österreichische Abgeordnete Thomas Waitz, der auch Mitglied im Tiertransporte-Untersuchungsausschuss ist und zu den lautesten Stimmen im Kampf für strengere Bestimmungen zählt. Ende des Jahres wird der Bericht erwartet, danach könnte etwas ins Rollen kommen.
       



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