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      Verbrauchertäuschung: Regenwald-Soja in „Geprüfte Qualität Bayern“-Siegel

      Bürger*innen fühlen sich getäuscht davon, dass im "Geprüfte Qualität Bayern"-Siegel nach wie vor das genmanipulierte Soja aus dem Regenwald landet. Genauso wie in Österreich im AMA-Gütesiegel.

      6/27/2021
      • Deutschland
      • Ernährung
      • Landwirtschaft
      Verbrauchertäuschung: Regenwald-Soja in „Geprüfte Qualität Bayern“-Siegel

      Es ist in Bayern so bekannt wie das AMA-Gütesiegel in Österreich – und weist leider ähnliche Mängel auf. Seit Jahrzehnten wird es vom Freistaat Bayern vor allem für Fleisch vergeben und soll den Konsumenten den Griff zu Produkten aus regionaler Erzeugung erleichtern. Doch viele Menschen fühlen sich getäuscht, wenn sie erfahren, dass für die Herstellung von Gütesiegel-Fleisch, das importierte, genmanipulierte Soja aus dem Regenwald verwendet werden darf. Qualität aus Bayern, gefüttert mit Brandrodung aus Brasilien?
       
      Auch in Österreich darf für die Herstellung von Schweinefleisch im AMA-Gütesiegel-Programm das importierte Gensoja verfüttert werden. Dass sich damit nicht nur die Klimabilanz katastrophal verschlechtert, sondern auch die Artenvielfalt verloren geht, scheint bislang bei den Entscheidungsträgern nicht angekommen zu sein. Wobei die wahren Entscheider in Bayern wie in Österreich in der Politik sitzen – sie entscheiden, was unter den staatlichen Gütesiegeln alles erlaubt ist und was nicht.
       
      Wo Bayern draufsteht, soll auch Bayern drinstecken
       
      Zurück nach Bayern: Seit Monaten kampagnisiert dort ein breites Bündnis aus NGOs und Bürger*innen für eine Anhebung der Kriterien des Siegels „Geprüfte Qualität Bayern“. Sie verlangen höhere Tierschutz-Standards, aber etwa auch das Verbot des Einsatzes von Gensoja aus dem Regenwald in der Fütterung. Über 500 Millionen Kilo davon werden jährlich alleine in Bayern verfüttert, das entspricht etwa ziemlich genau auch der Menge, die in Österreich verfüttert wird, hier vorwiegend in der Schweinemast.
       
      Der konkrete Vorschlag der Initiative klingt logisch und sinnvoll: Die Hälfte des Futtermittels für das Gütesiegel-Programm soll vom eigenen Hof stammen, die andere Hälfte zumindest aus Europa. Denn es gibt genügend verfügbares Soja aus Europa. Das halten auch Experten für realistisch, allerdings würden dann die Produktionskosten steigen. Nach Einschätzung von Robert Schätzl, der an der bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft arbeitet, würden die Mehrkosten pro Kilo Schweinefleisch rund 10 Cent betragen.
       
      Das wären auf die Portion Schnitzel gerechnet nur wenige Cent, also für Konsumenten nicht wirklich spürbar. Ganz abgesehen davon, dass wohl die allermeisten Menschen durchaus gerne bereit wären die zwei oder drei Cent mehr pro Portion Fleisch zu bezahlen, wenn damit sichergestellt wäre, dass am eigenen Teller kein brandgerodeter Regenwald landet. Das ist nämlich ein sehr konkreter aktiver Beitrag zum Schutz von Artenvielfalt und Klima, den jeder und jede Einzelne tagtäglich leisten kann.
       
      Antrag abgelehnt: Bayern bleibt Regenwaldzerstörer
       
      Die Hoffnung der Bürger*innen war groß, dass sie die Politik daher zu einem Umdenken bewegen könnte. In einer Sitzung des Agrarausschusses des bayerischen Landtags wurde im Juni jedoch leider die Petition, die von über 85.000 Menschen mit einer Unterschrift unterstützt worden war, mit der Mehrheit von CSU, Freien Wählern und FDP abgelehnt. Damit bleibt die „Verbrauchertäuschung“ beim Gütesiegel bestehen, wie Martin Geilhufe, Landesbeauftragter des BUND Naturschutz in Bayern enttäuscht anmerkte.
       
      Auch in Österreich wird gegenwärtig über den Ausstieg aus dem Gensoja debattiert, dies soll in erster Linie über die Reform des AMA-Gütesiegels erfolgen. Ein entsprechender Gesetzesbeschluss würde genügen. Die Bundesregierung hat sich dazu im Regierungsprogramm bekannt, konkrete Schritte der Umsetzung fehlen bislang. Es ist eine der wichtigsten Forderungen des Tierschutzvolksbegehrens, das von über 416.000 Menschen unterschrieben und damit zur erfolgreichsten Initiative der letzten Jahre wurde.



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