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Schwere Vorwürfe: Pferde sollen in Spanischer Hofreitschule misshandelt worden sein

Die traditionsreiche Institution der Spanischen Hofreitschule in Wien, bekannt für die edlen Lipizzaner­hengste und die hohe Schule der Reitkunst, sieht sich aktuell mit schwerwiegenden Vorwürfen konfrontiert.

11/30/2025
  • Österreich
  • Tiere
Schwere Vorwürfe: Pferde sollen in Spanischer Hofreitschule misshandelt worden sein

Die traditionsreiche Institution der Spanischen Hofreitschule in Wien, bekannt für die edlen Lipizzaner­hengste und die hohe Schule der Reitkunst, sieht sich aktuell mit schwerwiegenden Vorwürfen konfrontiert. Hintergrund ist eine interne Mitarbeiter­befragung aus dem Jahr 2023, in deren Rahmen Beschäftigte von belastenden Situationen im Umgang mit Jungtieren berichteten.

Laut den Aussagen geht es unter anderem um Situationen, die als „nicht-tierschutzkonform“ empfunden wurden, um Stressmomente oder Misshandlungen von Jung­lipizzanern. Diese Berichte haben medial für Aufsehen gesorgt und eine offizielle Prüfung durch das zuständige Landwirtschafts- und Umwelt­ministerium ausgelöst.

Nach Angaben der beteiligten Einrichtung selbst wurde zu keinem Zeitpunkt Tierquälerei eingebilligt; man betonte, das Wohl der Lipizzaner habe jederzeit oberste Priorität und alle Trainings- und Betreuungsmaßnahmen entsprächen den geltenden tierschutzrechtlichen Vorgaben. Gleichzeitig räumte das Ministerium ein, die Vorwürfe seien „sehr ernst“ zu nehmen, und leitete eine interne Revision ein, um zu klären, ob gesetzliche Vorschriften verletzt wurden und ob Konsequenzen folgen müssen.

Institution mit großer Tradition

Die Spanische Hofreitschule ist keine gewöhnliche Reitschule: Sie wurde bereits 1565 erwähnt und dient bis heute der Erhaltung und Demonstration der klassischen Reitkunst mit Lipizzaner­hengsten. Sie ist kulturell bedeutsam, touristisch attraktiv und steht gleichzeitig im Spannungsfeld zwischen Tradition, Öffentlichkeitswirkung und wirtschaftlichen Anforderungen. Frühere Prüfungen hatten etwa Mängel bei der Bewegungsversorgung von Hengsten oder bei der Dokumentation der Abläufe aufgezeigt, was darauf hinweist, dass strukturelle Risiken hinsichtlich Tierwohl-Standards vorhanden sind.

Vor diesem Hintergrund werfen die aktuellen Berichte ein ernstzunehmendes Licht auf die Institution: Wenn Mitarbeitende, die im Alltag mit den Tieren arbeiten, von problematischen Haltungs- oder Trainingsbedingungen sprechen, dann geht es weniger um isolierte Fehler als um das Potenzial für systemische Defizite – etwa unzureichende Bewegung, unklare Verantwortlichkeiten, mangelnde Transparenz oder Druck durch wirtschaftliche oder repräsentative Motive. Im vorliegenden Fall vor allem bei jüngeren Tieren, die sich in Ausbildung befinden, wird von belastenden Momenten berichtet, die aus Sicht der Betroffenen nicht dem Tierschutz entsprachen.

Prüfung wird entscheidend

Daneben stellt sich auch die Frage nach Verantwortlichkeiten: Wer war wann informiert? Wurden entsprechende Hinweise vollständig an Aufsichtsorgane oder an das Ministerium weitergeleitet? Medien-Recherchen legen nahe, dass der damalige Geschäftsführer im Jahr 2023 die Befragung in Auftrag gegeben hatte und im September derselben Jahres wegen anderer Vorwürfe abgesetzt wurde – ob in direktem Zusammenhang mit den heutigen Tierwohl-Vorwürfen oder aufgrund anderer interner Machtkämpfe bleibt unklar.

Auch kritisiert eine politische Fraktion, dass Unterlagen im Ministerium nicht gefunden wurden, obwohl eine Meldung erfolgte – mit dem Hinweis auf mögliche Versäumnisse im Aufsichtsprozess. Die laufende Prüfung durch das Ministerium wird zeigen, ob einzelne Pflichtverletzungen nachgewiesen werden können oder ob vor allem organisatorische Schwächen vorliegen.

Im Falle einer Bestätigung wären verschiedene Konsequenzen denkbar: Von organisatorischen Reformen über personelle Konsequenzen bis hin zu rechtlichen Verfahren. Für die Hofreitschule gilt dabei: Eine Institution von hoher kultureller Bedeutung muss nicht nur ästhetisch und traditionell überzeugen, sondern insbesondere in der Haltung und Ausbildung ihrer Tiere höchste ethische Standards erfüllen.

Die nächsten Wochen werden für die Spanische Hofreitschule entscheidend sein – sowohl in Bezug auf die Aufklärung der Vorwürfe als auch hinsichtlich der künftigen Ausrichtung im Sinne des Tierwohls. Denn eine Institution, die Genuss, Kultur und Pferdezucht verbindet, steht in der heutigen Zeit in der Pflicht, Transparenz, Sorgfalt und Verantwortung gegenüber ihren Tieren in den Mittelpunkt zu stellen.


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