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„Schnee-Apokalypse“: Fünf Meter hoher Schnee begräbt ganze Städte unter sich

Was sich in den vergangenen Tagen im äußersten Osten Russlands ereignet hat, lässt selbst erfahrene Meteorologen den Atem stocken

1/20/2026
  • Klima
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„Schnee-Apokalypse“: Fünf Meter hoher Schnee begräbt ganze Städte unter sich

Was sich in den vergangenen Tagen im äußersten Osten Russlands ereignet hat, lässt selbst erfahrene Meteorologen den Atem stocken: Eine meteorologische Katastrophe ungeahnten Ausmaßes. Die Halbinsel Kamtschatka, ohnehin eine der entlegensten und naturgewaltigsten Regionen des Landes, ist seit Tagen von einer beispiellosen Serie extrem heftiger Schneestürme überrollt worden – eine „Schnee-Apokalypse“, wie sie von russischen und internationalen Medien bereits bezeichnet wird.

In Petropawlowsk-Kamtschatski, der Hauptstadt der Region, gelten seit Tagen Ausnahmezustand und Notstand. Mehrere kräftige Zyklone vom Pazifik brachten enorm feuchte Luftmassen und einen Niederschlag, der in einem Zeitraum von wenigen Tagen so viel Schnee fallen ließ wie sonst in Monaten – und das bei Temperaturen weit unter dem Gefrierpunkt. Meteorologen sprechen von den schwersten Schneefällen in rund 30 Jahren, womit diese Wetterlage in den Annalen der russischen Extremwetterereignisse aufgenommen wird.

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Schneeberge bis zum fünften Stockwerk

Augenzeugen, Rettungskräfte und Videos aus sozialen Netzwerken zeigen Szenen, die wie aus einem post-apokalyptischen Film wirken: Ganze Wohnblocks versinken unter Schnee, Straßen gleichen Labyrinthen meterhoher Verwehungen, Autos sind vollständig begraben, und manche Schneehaufen reichen bis hinein in die zweiten, dritten oder gar vierten Stockwerke der Häuser.

Ein auf Instagram geteilter Clip zeigt mehrstöckige Fassaden, deren Fenster fast vollständig von Schnee bedeckt sind. Andere Aufnahmen dokumentieren wie Bewohner vorsichtig Tunnel durch die Schneemassen graben, um überhaupt noch aus ihren Häusern zu kommen. Das öffentliche Leben steht nahezu still: Schulen geschlossen, Busse eingestellt, Versorgungsketten unterbrochen.

Der eisige Tod: Opfer der Dachlawinen

Die Tragik dieses Jahrhundertwinters ist real und menschlich greifbar: In Petropawlowsk-Kamtschatski kamen mindestens zwei Männer ums Leben, nachdem riesige Schneemengen von Hausdächern abrutschten und sie unter sich begruben – Todesopfer durch sogenannte Dachlawinen. Die Opfer – zwei Männer im Alter zwischen 60 und 63 Jahren – wurden von herabstürzendem Schnee erschlagen, bevor Rettungskräfte sie erreichen konnten.
Der Bürgermeister der Stadt, Yevgeny Belyayev, rief nach den Todesfällen den lokalen Notstand aus und kritisierte gleichzeitig die zögerliche Reaktion von Immobilienverwaltungen, die Dachflächen nicht zeitnah von den Schneemassen befreit hätten. Der Vorwurf: Menschenleben hätten möglicherweise gerettet werden können, wenn der Schnee früher entfernt worden wäre.

In Straßen und Hinterhöfen kämpfen Freiwillige, Soldaten und Studenten seit Tagen gegen die verheerenden Folgen der Schneefälle. Mit Schaufeln, Baggern und schwerem Gerät versuchen sie, Straßen freizulegen, Eingänge zu räumen und eingeschlossene Bewohner zu befreien. Besonders ältere und körperlich eingeschränkte Menschen waren in einigen Quartieren tagelang von der Außenwelt abgeschnitten und auf fremde Hilfe angewiesen.
Die staatlichen Notfallkräfte berichten von Schneeverwehungen von bis zu fünf Metern Höhe in einigen Wohngebieten – ein Ausmaß, das in der modernen Geschichte der Region kaum dokumentiert wurde. Die schwer zugänglichen, teils bergigen Landschaften Kamtschatkas machen derweil jede Hilfsaktion zur logistischen Herkulesaufgabe.
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Meteorologische Ursachen und Klimadiskussion

Wissenschaftler führen diese dramatischen Schneeszenarien nicht nur auf einfache Winterstürme zurück. Die Wetterlage sei durch wiederkehrende, extrem feuchte Zyklone über dem Pazifik begünstigt worden, die ungewöhnlich große Wassermengen in die Region transportierten. Durch das Zusammenspiel aus warmer, feuchter Luft und bitterkalter Arktikluft kam es zu massiven Schneeniederschlägen.

Kritiker und Klimaforscher sehen in diesem Ereignis auch einen Fingerzeig auf die wachsende Unberechenbarkeit des globalen Klimasystems. Extreme Wetterlagen würden in Häufigkeit und Intensität zunehmen, was Anpassung und Vorbereitung für die betroffenen Regionen zwingend erfordere. Moskau spürt den Winter ebenfalls Nicht nur Kamtschatka leidet derzeit unter den Folgen des russischen Winters. Auch Moskau verzeichnet erhöhte Schneemassen und Verkehrsbehinderungen, wenn auch nicht in dem apokalyptischen Ausmaß wie im Fernen Osten. Räumdienste kämpfen gegen die weiße Flut in der Hauptstadt, und Pendler berichten von Zugverspätungen und verschneiten Straßen im Stadtgebiet.

Ein Bündel von Extremen: Russland zwischen Schneechaos und Naturgewalten

Ausgerechnet eine Region, die schon seit Jahrzehnten für vulkanische Aktivität, Erdbeben und Tsunami-Risiken bekannt ist, wird nun von einem Schneechaos historischen Ausmaßes heimgesucht. Kamtschatka, die abgelegene Halbinsel im Nordpazifik, gilt nicht erst seit heute als Land der Naturgewalten – doch die aktuellen Schneemassen hieven diesen Ruf auf eine neue Ebene.

Während die Welt gebannt auf die Bilder dieses «Schnee-Apokalypse»-Szenarios blickt, bleibt eine bittere Erkenntnis: Die Kälte kann tödlich sein – nicht nur durch Temperaturen unter dem Gefrierpunkt, sondern durch die schiere Masse und Wucht der herabstürzenden Schneemassen. Ein Jahrhundertwinter hat seine Spuren hinterlassen, und die Region wird Wochen, vielleicht Monate brauchen, um sich von diesem meteorologischen Großereignis zu erholen.


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