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      Schlachthaus der Welt: Immer mehr Schweinefleisch-Exporte nach China

      20 Prozent mehr Schweinefleisch-Exporte - vor allem nach China. Der große Fleisch-Hunger aus Asien bringt manchen großen Profite, aber hinterlässt große Naturschäden.

      4/16/2021
      • Landwirtschaft
      • Ernährung
      • International
      Schlachthaus der Welt: Immer mehr Schweinefleisch-Exporte nach China

      Im Jahr 2020 konnten die Exporte von Schweinefleisch von Europa in Drittstaaten nochmal deutlich gesteigert werden. Fast 20 Prozent mehr Fleisch konnte ins Ausland verkauft werden, Hauptabnehmer dabei war China. Fast zwei Drittel der gesamten Lieferungen gingen vergangenes Jahr in diesen stark wachsenden Markt, der von der Afrikanischen Schweinepest gezeichnet war. Während die Exporte in andere Teile der Welt, etwa in die USA, rückläufig sind, befindet sich die Nachfrage aus China konstant auf hohem Niveau.
       
      Und es ist nicht davon auszugehen, dass sich das so rasch ändert, auch wenn im Reich der Mitte die eigene Produktion massiv ausgebaut wird. Insbesondere Dänemark liefert im großen Stil nach China, mittlerweile wird mehr dänisches Schweinefleisch exportiert als aus allen anderen EU-Ländern zusammen. In den Ländern der Europäischen Union herrscht schon jetzt ein großes Überangebot an Schweinefleisch, der Selbstversorgungsgrad beträgt über 120 Prozent. Ohne den Ausbau von Exportmärkten wird’s da schnell eng.

      Schlachthaus der Welt oder klimafreundliche Lebensmittel?
       
      Die massenhafte Produktion von Schweinefleisch für den Export führt aber nicht nur zu großen Gewinnen bei einzelnen Schlachtbetrieben, sondern hinterlässt auch große Umweltschäden. So ist die Nitratbelastung in Teilen Deutschlands bereits so hoch, dass die Trinkwasser-Qualität nicht mehr gegeben und die Böden regelrecht kontaminiert sind. Über 25 Prozent der Messstellen zeigen mittlerweile erhöhte Nitratbelastungen auf. Das ruft auch die EU-Kommission auf den Plan, die von der Bundesregierung eine Reform verlangt.
       
      Doch das Grundübel beginnt nicht bei der massenhaften Ausbringung der Gülle, sondern bei der massenhaften Erzeugung von billigem Fleisch. Wenn die Exporterlöse handlungsleitend sind, dann kann das nur zu Lasten der heimischen Natur gehen. Die Grundfrage ist, ob die EU zum Schlachthaus der Welt werden möchte, oder ob die Landwirtschaft nicht doch eher auf eine tier- und klimafreundliche Erzeugung von Lebensmitteln für die eigene Bevölkerung ausgerichtet werden soll. Eine Diskussion, die in Zukunft verstärkt geführt werden wird.

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