Meinung

      Profitabler Raubbau: „Bio“-Gemüse aus dem spanischen Plastikmeer

      Für die günstige Bio-Gurke im heimischen Supermarkt wird Raubbau in Spanien betrieben. Doch nicht nur die ökologischen Folgen des Gemüseanbaus sind katastrophal, auch die Arbeiter werden oftmals ausgebeutet.

      4/18/2021
      • Landwirtschaft
      • Ernährung
      Profitabler Raubbau: „Bio“-Gemüse aus dem spanischen Plastikmeer
      NASA
      Das Plastikmeer von Almeria vom Weltraum aus betrachtet

      Eine gigantische Fläche von über 350 Millionen Quadratmetern ist in der spanischen Provinz Almeria mittlerweile von Plastik verdeckt. Dort wachsen auch die Bio-Gurken von Billa & Co, die am Ende ihrer langen Reise eingeschweißt in Plastik bei uns im Supermarkt-Regal landen. Die Nachhaltigkeits-Abteilungen der Handelskonzerne investieren Millionen in ein grünes Image, die Realität hinter vielen Produkten schaut leider ganz anders aus.
       
      Im spanischen „Plastik-Meer“, das mittlerweile größer als ganz München und nur etwas kleiner als Wien ist, wird das Wasser immer knapper. Die ohnehin schon wasserarme spanische Region leidet unter dem enormen Wasserbedarf, der bei der Produktion von Obst und Gemüse anfällt. Die Grundwasservorräte sind bereits weitestgehend aufgebraucht, die Landschaft zudem verdreckt vom Plastik, das einfach weggeworfen wird.
       
      Moderne Sklaverei auf den spanischen Feldern
       
      Doch nicht nur die ökologischen Auswirkungen des spanischen Gemüseanbaus müssen als katastrophal bezeichnet werden. Auch die Arbeitsbedingungen auf den Feldern und in den Gewächshäusern gelten oft als absolut inakzeptabel, viele Recherchen belegen Formen der modernen Sklaverei. Die betroffenen Arbeiter sind vielfach Migranten aus Afrika, die hier zum kargen Lohn regelrecht bis zum Umfallen schuften.
       
      Über 50.000 Tagelöhner sollen hier beschäftigt sein, die allermeisten von ihnen unter prekären Bedingungen. Nicht nur die Löhne sind karg, auch die Unterkünfte spotten jeder Beschreibung. Die Arbeiter, die hier tagein tagaus pflücken, nähren sich von der Hoffnung auf ein besseres Leben, können sich aber oft nicht mal das Obst oder Gemüse leisten, das sie für die reichen Handelskonzerne und ihre Abnehmer erzeugen.
       
      Die Konzerne steuern das Angebot
       
      Die Spielregeln in Almeria werden – ähnlich den Plantagen in Afrika oder Asien – aber nicht von den Bauern vor Ort bestimmt, sondern von den Konzernen. Sie regulieren über den niedrigen Einkaufspreis auch die Bedingungen der Erzeugung. Und sie verzerren mit dem neuen Dumping-Bio-Boom den gesamten Markt, wie Bauern bereits seit längerem beklagen. Zudem erfüllt das EU-Bio-Siegel viel niedrigere Standards als etwa das BIO AUSTRIA-Siegel. Der Vergleich macht sicher.
       
      Für Konsumenten ist das alles schwer zu erkennen, ihre „Macht“ ist daher im Geschäft stark eingeschränkt. Nicht jedoch ihre Möglichkeiten das System grundsätzlich zu ändern. Denn Konzerne bewegen sich entlang der Grenzen, die wir ihnen als Bürger zugestehen. Das ist das Wesen der Demokratie: Die Mehrheit an Menschen entscheidet, nicht die Mehrheit des Geldes. Zumindest in der Theorie. Zeit, dass wir den Beweis antreten.

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