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      „Hölle pur“: Undercover in deutschen Schlachthöfen

      Es sind erschreckende Aufnahmen, die zeigen, wie der Alltag in deutschen Schlachthöfen wirklich aussieht. Selbst die Betreiber geben zu, dass die eingesetzten Methoden nicht mit dem Tierschutz vereinbar sind. Was folgt nun?

      6/3/2021
      • Deutschland
      • Tiere
      • Landwirtschaft
      „Hölle pur“: Undercover in deutschen Schlachthöfen

      Es sind Zustände, die selbst für langjährige Veterinäre schwer zu ertragen sind: Tiere, die in Panik geraten, um Luft schnappen, einen verzweifelten Todeskampf führen. Es sind keine Ausnahmen, sondern vielmehr der traurige Regelfall in deutschen Schlachthöfen, wie nun Recherchen deutscher Medien und Undercover-Aufnahmen einwandfrei dokumentieren. Wir dürfen hier nicht länger wegschauen.
       
      Jedes Jahr werden rund 40 Millionen Schweine in Deutschland geschlachtet, die allermeisten werden mit der CO2-Methode betäubt. Zwei Minuten sind sie dem Gas ausgesetzt, zwei Minuten der Qual, wie Experten bestätigen: "Es ist ein ganz qualvolles Ersticken, damit sie sich beim Abstechen nicht mehr wehren können. Es geht hier nur um die Wirtschaftlichkeit.“ Es geht also wie immer nur um das Geld.
       
      Nicht mit dem Tierschutz vereinbar
       
      Selbst Schlachthof-Leiter können sich, konfrontiert mit dem Bildmaterial, ihrer Verantwortung nicht verwehren – und bezeichnen die von ihnen eingesetzte Methode als „nicht den Tierschutz in diesem Sinne“ entsprechend. Warum also wird sie also von ihnen überhaupt angewandt? Weil es rechtlich immer noch erlaubt und weil es günstiger ist. Niemand wird was anderes behaupten können.
       
      Die verstörenden Aufnahmen zeigen auch, dass die Tiere vielfach nicht hinreichend betäubt sind und erst nachträglich, während sie schon ausbluten, nochmal mit Bolzenschuss betäubt werden müssen. Eine Tortur sondergleichen für die armen Tiere, die laut deutschem Gesetz eigentlich verboten wäre. Doch das schwächere EU-Recht erlaubt die Ausnahme.
       
      Es würde auch schon anders gehen
       
      Auf diese Misshandlung angesprochen verweisen die Landesbehörden auf die nationale Politik, diese wiederum redet sich auf die EU-Gesetzgebung aus. Dabei wäre es durchaus möglich, eine strengere Vorschrift in Deutschland zuzulassen. Und Alternativen sind vorhanden. Doch das deutsche „Exportwunder“ im Bereich des billigen Schweinefleisches soll offenbar nicht gefährdet werden.
       
      Übrigens: Auch in Österreich wird die Methode der CO2-Betäubung bei schätzungsweise der Hälfte der Schweine angewandt – es sind also auch hier Millionen Tiere, die jedes Jahr der qualvollen Prozedur unterzogen werden. Und auch in Österreich wird angezweifelt, ob diese Methode überhaupt mit dem strengen aktuell gültigen Tierschutzgesetz vereinbar ist. Zumindest auf dem Papier.



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