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Großer Pestizid-Check: Blumensträuße hier besser nicht kaufen

Kurz vor Muttertag erinnert uns ein aktueller Check daran, wo man besser keine Blumen kaufen sollte.

5/10/2024
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Großer Pestizid-Check: Blumensträuße hier besser nicht kaufen

Jedes Jahr untersuchen die NGO „Global 2000“ und die Arbeiterkammer Oberösterreich  gemeinsam Schnittblumen bzw. Blumensträuße im Verkauf in Österreich auf Pestizide. Dieses Jahr wurden 16 Sträuße von 9 verschiedenen Anbietern (Lebensmittelhandel und Blumenläden) näher untersucht, die Proben wurden in Linz und Wien gekauft. Mit einer detaillierten Untersuchung durch ein Labor wurden Rückstände von Pestiziden untersucht und die Ergebnisse kürzlich öffentlich gemacht. Die erschreckendste Erkenntnis vorweg: Bei allen Sträußen sind Pestizide nachweisbar.

Im Detail ist es zuweilen noch schlimmer als im groben Überblick. Denn neben der allgemeinen Untersuchung wurde auch nach besonders gefährlichen Pestiziden sowie nach jenen, die nicht in der EU zugelassen sind, gesucht. Einzig zwei Sträuße, ein Tulpenstrauß von Spar (ein Pestizid) und ein Gerberastrauß von Hofer (vier Pestizide) sind gering belastet und frei von gefährlichen Stoffen. Ersterer ist auch der einzige mit dem Nachweis, dass die Blumen aus Österreich stammen.

Trauriger Spitzenreiter-Strauß mit 32 Pestiziden

Zwei weitere Sträuße, die etwas stärker belastet sind (bunte Rosen bei Hofer, Geschenkstrauß rosa bei Blumen B&B) sind frei von in der EU verbotenen Pestiziden. Alle anderen zwölf Proben sind allesamt im verschiedensten Ausmaß belastet und beinhalten zum Teil soagr verbotene Pestizide. Trauriger Rekordhalter ist ein gemischter Strauß bei Lidl, der insgesamt unglaubliche 32 Pestizide beinhaltet, wovon 21 gefährlich für Menschen sind und zehn in Europa keine Zulassung haben.

Vor allem die gefährlichen Stoffe sind ein erhebliches Manko, da sie für alle Lebewesen eine Bedrohung darstellen. Bei der Untersuchung wurden verschiedene Kriterien herangezogen, was ein gefährlicher Stoff ist – beispielsweise Hormone beeinflussend, krebserregend, die Fortpflanzung schädigend oder mutagen. Vor allem in der Anwendung ist dies eine Gefahr, was in Kombination mit der fehlenden oder falschen Kennzeichnung der Blumen einhergeht. Selbst die Bezeichnung „Niederlande“ ist falsch, da die Blumen nur über Rotterdam auf den europäischen Markt kommen.

Weit gereiste Blumen

In Wirklichkeit kommen die meisten Schnittblumen aus Ländern wie Äthiopien, Kenia, Kolumbien, Ecuador oder Tansania und nicht aus Europa. Das spiegelt sich auch bei den Sträußen wider: Sechs haben als Herkunftsland die Niederlande angegeben, alle anderen (mit einer Ausnahme) haben keine Angabe gemacht. Insgesamt wurden 79 verschiedene Pestizide festgestellt, wovon 49 nachweislich die Gesundheit gefährden und schädigen können – 23 davon sind in der EU nicht zugelassen. Elf Pestizide gehören zu den Ewigkeitschemikalien (PFAS-Verbindungen), sie sind schwer bis gar nicht abbaubar und bleiben sozusagen auf ewig erhalten.

Die Umstände in der Schnittblumenindustrie sind furchtbar. In Entwicklungsländern werden große Flächen zum Wachstum der Blumen benötigt, ebenso viel Wasser und Pestizide, damit die Pflanzen gut wachsen können. Vor allem junge Frauen und Mütter arbeiten in diesen Betrieben, die Arbeitsbedingungen sind schlecht und sie sind fast schutzlos den Pestiziden während der Arbeit ausgesetzt. Diese haben gesundheitliche Folgen, die bis zu Krebs gehen und auch den gesamten Körper angreifen können – von der Haut bis zu den Hormonen.

Forderungen nach strengeren Regeln

Nicht allein die Frauen sind davon betroffen, ebenso ihre Kinder und die gesamte Familie. Im Gegensatz zu Lebensmittel gibt es vonseiten der Europäischen Union noch keine Regelung für Pestizide bei Schnittblumen, daher stellt Global 2000 mehrere Forderungen. Zum einen weniger bis kein Pestizideinsatz mehr, Verbot von Importen, wenn diese belastet sind, mehr Kontrollen und Reformen. Diese Forderungen sind nicht neu, die Tests der letzten Jahre hatten ebenfalls schwerwiegende Ergebnisse festgestellt.


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