Die Regiothek wurde für die Zukunft entwickelt. Leider ist dein Browser veraltet und unterstützt möglicherweise einige Techniken nicht mehr. Daher kann es zu Anzeigeproblemen kommen.

Du kannst z.B. Browse Happy besuchen um einen aktuellen Browser herunterzuladen.

Artikel

Gemüse im Winter: Was man saisonal und regional jetzt konsumieren sollte

Wenn die Felder im Januar gefroren daliegen und die Märkte nicht mehr von Farben überquellen, beginnt für viele Konsumentinnen und Konsumenten eine Phase kulinarischer Unsicherheit.

1/18/2026
  • Österreich
  • Deutschland
  • Ernährung
  • Schweiz
  • Gesundheit
Gemüse im Winter: Was man saisonal und regional jetzt konsumieren sollte

Wenn die Felder im Januar gefroren daliegen und die Märkte nicht mehr von Farben überquellen, beginnt für viele Konsumentinnen und Konsumenten eine Phase kulinarischer Unsicherheit. Saisonales und regionales Gemüse scheint in den Wintermonaten rar, der Griff zu Importware aus Südeuropa oder Übersee naheliegend. Doch dieser Eindruck täuscht. Gerade in den Monaten Jänner bis März bietet die regionale Landwirtschaft in Österreich und Deutschland eine erstaunliche Vielfalt an Gemüsesorten, die nicht nur klimatisch sinnvoll, sondern auch ernährungsphysiologisch wertvoll sind. Voraussetzung ist ein Perspektivwechsel: Weg vom sommerlichen Frischeideal, hin zu Lagergemüse, Winterkulturen und traditionellen Konservierungsmethoden.

Der Winter ist die Hochsaison des Lagergemüses. Sorten wie Kartoffeln, Karotten, Zwiebeln, Rote Rüben, Pastinaken, Sellerie oder Weißkraut werden im Herbst geerntet und über Monate hinweg unter kontrollierten Bedingungen gelagert. Moderne Lagertechnik ermöglicht es, diese Gemüsearten ohne nennenswerten Qualitätsverlust bis ins Frühjahr verfügbar zu halten. In Österreich und Deutschland stammen sie oft aus regionalem Anbau, werden in Erdmieten, Kühlhäusern oder speziellen CA-Lagern aufbewahrt und behalten einen Großteil ihrer Vitamine und Mineralstoffe. Gerade Wurzelgemüse zeichnet sich durch eine hohe Nährstoffdichte aus: Karotten liefern Beta-Carotin, das im Körper zu Vitamin A umgewandelt wird, Rote Rüben enthalten Folsäure, Eisen und sekundäre Pflanzenstoffe, Sellerie punktet mit Kalium und ätherischen Ölen.

Kraut, Lauch und Blattgemüse

Ein zentrales Wintergemüse ist das Kraut – in seinen vielen Varianten. Weißkraut, Rotkraut, Wirsing und Chinakohl sind in den ersten Monaten des Jahres regional verfügbar und spielen in der traditionellen Küche eine tragende Rolle. Besonders Weiß- und Rotkraut sind klassische Lagergemüse, die roh, gekocht oder fermentiert verzehrt werden können. Sauerkraut etwa ist nicht nur ein haltbares Winterprodukt, sondern auch eine wertvolle Quelle für Milchsäurebakterien, die die Darmgesundheit fördern. Zudem liefert es Vitamin C in relevanten Mengen – ein Nährstoff, der im Winter besonders gefragt ist. Wirsing wiederum enthält neben Vitamin C auch Vitamin K und gilt als besonders bekömmlich.

Auch Lauchgemüse gehört zu den unterschätzten Stars der kalten Jahreszeit. Lauch, Frühlingszwiebeln aus geschütztem Anbau und Winterzwiebeln sind bis in den März hinein aus regionaler Produktion erhältlich. Lauch enthält schwefelhaltige Verbindungen, die entzündungshemmend wirken und das Immunsystem unterstützen können. Gleichzeitig ist er vielseitig einsetzbar – von Suppen und Eintöpfen bis hin zu Ofengerichten. Zwiebeln wiederum sind ein Grundpfeiler der regionalen Winterküche. Sie liefern Flavonoide wie Quercetin, denen antioxidative Eigenschaften zugeschrieben werden, und sind aufgrund ihrer natürlichen Haltbarkeit ein Paradebeispiel für saisonale Ernährung.

Ein besonderes Kapitel in den Monaten Jänner bis März ist das Winterblattgemüse. Feldsalat, Endivie, Winterportulak und teilweise auch Spinat aus geschütztem Freiland- oder Folientunnelanbau sind in Österreich und Deutschland verfügbar. Feldsalat gilt dabei als besonders nährstoffreich: Er enthält Vitamin C, Vitamin A, Eisen und Folsäure und weist im Vergleich zu anderen Salaten eine hohe Mineralstoffdichte auf. Gerade im Winter, wenn frische Blattgemüse rar sind, stellt er eine wertvolle Ergänzung des Speiseplans dar. Endivien liefern Bitterstoffe, die die Verdauung anregen und in der modernen Ernährung oft fehlen.

Kohlgemüse im weiteren Sinne prägt den regionalen Winterkalender maßgeblich. Rosenkohl, Grünkohl und Schwarzkohl erreichen im Winter ihren kulinarischen Höhepunkt. Rosenkohl ist reich an Vitamin C, Vitamin K und Ballaststoffen und gilt als besonders gesund, wenn er schonend gegart wird. Grünkohl, der in Deutschland traditionell stärker verankert ist als in Österreich, erlebt seit Jahren ein Comeback. Er enthält außergewöhnlich hohe Mengen an sekundären Pflanzenstoffen, Antioxidantien und Mineralstoffen. Studien bringen regelmäßigen Grünkohlverzehr mit positiven Effekten auf das Herz-Kreislauf-System und entzündungshemmenden Eigenschaften in Verbindung. Dass diese Gemüsesorten frosthart sind und sogar von niedrigen Temperaturen profitieren, macht sie ideal für den Winteranbau.

Glashäuser entscheidend

In den ersten Monaten des Jahres spielt auch die regionale Landwirtschaft unter Glas eine Rolle. Gewächshäuser ermöglichen den Anbau von Radieschen, Spinat, Salaten und Kräutern, wobei der Energieeinsatz kritisch betrachtet werden muss. In Österreich und Deutschland gewinnt daher der Einsatz energieeffizienter Gewächshaussysteme, Abwärmenutzung und erneuerbarer Energien zunehmend an Bedeutung. Aus ökologischer Sicht ist regionales Wintergemüse aus moderatem Gewächshausanbau in vielen Fällen dennoch nachhaltiger als importierte Ware, die lange Transportwege hinter sich hat.

Ein oft übersehener Aspekt saisonaler Winterküche ist die Rolle von Hülsenfrüchten und Kürbissen. Zwar gelten sie nicht immer als klassisches Wintergemüse, doch getrocknete Bohnen, Linsen und Erbsen aus regionalem Anbau sind lagerfähig und ernährungsphysiologisch wertvoll. Sie liefern pflanzliches Eiweiß, komplexe Kohlenhydrate und Ballaststoffe. Auch Kürbisse, insbesondere Sorten wie Hokkaido oder Butternuss, lassen sich bei richtiger Lagerung bis in den Februar oder März hinein regional beziehen. Ihr hoher Gehalt an Beta-Carotin und ihre Vielseitigkeit machen sie zu einer wichtigen Zutat der Winterküche.

Der Verzehr von saisonalem und regionalem Gemüse in den Monaten Jänner bis März ist nicht nur eine Frage des Klimaschutzes, sondern auch der kulinarischen Kultur. Traditionelle Gerichte wie Eintöpfe, Suppen, Krautgerichte oder Ofengemüse sind direkte Antworten auf das saisonale Angebot. Sie nutzen die Eigenschaften des Wintergemüses optimal: seine Robustheit, seinen intensiven Geschmack und seine Fähigkeit, auch bei längerer Garzeit Nährstoffe zu bewahren. Gleichzeitig fördern sie eine Ernährungsweise, die wärmt, sättigt und den Körper in der kalten Jahreszeit unterstützt.

Gut für die Gesundheit

Aus gesundheitlicher Sicht spricht vieles für Wintergemüse. Viele der regional verfügbaren Sorten enthalten hohe Mengen an Ballaststoffen, die das Immunsystem über den Darm unterstützen, sowie Vitamine und sekundäre Pflanzenstoffe, die entzündungshemmend wirken. Gerade Kohlgemüse und Wurzelgemüse liefern Nährstoffe, die im Winter besonders relevant sind, wenn Sonnenlicht und frische Vielfalt fehlen. Hinzu kommt, dass saisonales Gemüse in der Regel reifer geerntet wird und dadurch ein besseres Nährstoffprofil aufweist als früh geerntete Importware.

Nicht zuletzt ist saisonales und regionales Gemüse in den Wintermonaten auch eine ökonomische und soziale Entscheidung. Es unterstützt bäuerliche Betriebe in Österreich und Deutschland, stärkt regionale Wertschöpfungsketten und reduziert die Abhängigkeit von globalen Lieferketten. Gerade in Zeiten steigender Energiepreise und zunehmender Klimakrisen gewinnt diese Form der Ernährung an Bedeutung.

Die Monate Jänner bis März sind daher keineswegs eine kulinarische Durststrecke, sondern eine Einladung zur bewussten Reduktion und Neuorientierung. Wer sich auf das saisonale Angebot einlässt, entdeckt eine Küche, die weniger auf Überfluss, dafür mehr auf Qualität, Handwerk und Nährstoffdichte setzt. Regionales Wintergemüse aus Österreich und Deutschland ist kein Notbehelf, sondern eine eigenständige, gesunde und nachhaltige Ernährungsgrundlage – gerade dann, wenn draußen noch Frost herrscht und der Frühling auf sich warten lässt.


In eigener Sache: Wir arbeiten unabhängig von Parteien und Konzernen. Um unseren Fortbestand zu sichern, sind wir auf Abonnent*innen angewiesen. Bitte schließen Sie jetzt ein Abo ab und ermöglichen Sie damit unsere Berichterstattung. Danke!

Jetzt abonnieren
Logo Oekoreich

Werde Mitglied bei oekoreich+ und erhalte Zugang zu unseren Top-Stories und exklusive Einblicke.

Mehr erfahren

Jetzt weiterlesen

oekoreich möchte ein bestmögliches Onlineangebot bieten. Hierfür werden Cookies gespeichert. Weil uns Transparenz wichtig ist können Cookies und die damit verbundenen Funktionalitäten, die nicht für die Grundfunktion von oekoreich notwendig sind, einzeln erlaubt oder verboten werden.
Details dazu findest du in unserer Datenschutzerklärung. Dort kannst du deine Auswahl auch jederzeit ändern.